Hiking zur Schwarzen Madonna – Die Warschauer Wanderwallfahrt nach Tschenstochau

Warschauer Wanderwallfahrt nach Tschenstochau 2013 (c) H. Fehlberg

Warschauer Wanderwallfahrt nach Tschenstochau 2013 (c) H. Fehlberg

(Warszawa, HF) Alljährlich im Sommer machen sich in ganz Polen rund hunderttausend Menschen zu Fuss auf, um eines der bedeutendsten Heiligtümer der römisch-katholischen Kirche auf dem Hellen Berg (Jasna Góra) im Paulinenkloster Tschenstochaus (Częstochowa) zu besuchen. Gruppen von bis zu mehreren Hundert Gläubigen überwinden je nach Ausgangsort eine Pilgerroute von 100 bis 600 Kilometern.

Die Schwarze Madonna von Tschenstochau, die „Königin Polens“

Im schlesischen Tschenstochau befindet sich die nach römisch-katholischem Glauben wundertätige Ikone der Schwarzen Madonna, die das größte Marienheiligtum Mitteleuropas ist. Die Ikone ist aber als sogenannte Königin Polens ebenfalls eines der wertvollsten Nationalheiligtümer in Polen und besitzt damit auch für nichtgläubige Polen eine besondere Bedeutung. Die Madonna wird so jährlich von mehreren Millionen Gläubigen aus aller Welt besucht.

Warschauer Wanderwallfahrt seit 1711

Warschauer Wanderwallfahrt 2013 (2) (c) H. Fehlberg

Die Fahne des Vatikans weht voran auf der Wanderung (c) 2013 H. Fehlberg

Die Warschauer Wanderwallfahrt zum Heiligtum auf dem Hellen Berg ist ein städtisches Grossereignis, das man gesehen haben sollte. Es ist bereits die 302. Wallfahrt aus der Hauptstadt und auch die bekannteste polnische Pilgerreise sowie jene mit den meisten Teilnehmern. Im letzten Jahr waren es mehr als 14000 Menschen, die ab Warschau liefen. Die Wallfahrt beginnt jedes Jahr am 6. August an der Heiliggeistkirche (Kościoła św. Ducha) in der Warschauer Neustadt (Nowe Miasto) und endet am 15. August zum Hochfest Maria Himmelfahrt nach 243 Kilometern auf dem Hellen Berg. Der Weg der Warschauer Wanderwallfahrt, mit täglich mehr als 25 Kilometern, wird bereits seit dem Jahr 1711 zurückgelegt, als man für das Vorübergehen der Pest danken wollte. Seither ist der Verlauf dieser Pilgerfahrt unverändert geblieben.

Es gibt verschiedenste Gruppen unter den verschiedenen Pilgergruppen aus Warschau: die grösste Einzelgruppe besteht aus den akademischen Pilgergruppen, die im letzten Jahr auf eine Anzahl vom 5500 Pilgern geschätzt wurden; es gibt aber auch Fahrradgruppen, Gruppen von behinderten Pilgern usw. Es handelt sich um eine Massenbewegung, die dem Berlin-Marathon ohne weiteres Konkurrenz machen könnte.

Pilger zwischen Schulreise und Pfadfindermarsch

Die Wallfahrtsgruppen, die heute Morgen an meiner Unterkunft vorbeizogen, waren offenbar organisatorisch gut vorbereitet. Im Tross liefen in jeder Gruppe besonders gut sichtbare Verkehrsregler mit, in Rucksäcken wurden Lautsprecher mitgetragen, mit denen ein instrumental unterstützter „Animateur“ religiöse Lieder zum Mitsingen anstimmte. Und die Fahne der Pfarrei durfte natürlich auch nicht fehlen. Die beobachteten überwiegend jungen Menschen um die zwanzig, lösten in mir ein Gefühl aus, das zwischen Schulausflug und organisiertem Pfadfindermarsch schwankte.
Die mit dem Lautsprecher verstärkten energischen Rufe und das Singen liessen mich eher an eine politische Demonstration Berlins der siebziger Jahre denken, als an die andachtsvolle Atmosphäre einer Kirche. Offenbar wurde mir aber, dass eine solche Wallfahrt auch ein soziales Ereignis ist; die Vorfreude auf das Abenteuer, die Herausforderung einer langen Wanderung und auf die Begegnungen sowie den Austausch in der Gemeinschaft war auf den Gesichtern deutlich zu erkennen.

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  1. Dariusz

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