Hungerstreik in Flüchtlingslagern

Willkommen in Polen - Informationsschild an der Grenze im Schnee. Foto: Polen.pl (JW)

Wer die Grenze ohne gültige Papiere überquert, riskiert die ‚Inhaftierung‘ in einem der Lager für Flüchtlinge. Foto: Polen.pl (JW)

(Hamburg, JE) Schwere Vorwürfe müssen sich in diesen Tagen polnische Behörden und Beamte der Auffanglager für Flüchtlinge gefallen lassen. Es sei „die Hölle“ gewesen, schrieb eine georgische Journalistin in der Gazeta Wyborcza, nachdem sie mehrere Tage im Lager Lesznowola verbrachte. Behandelt wie eine Schwerverbrecherin, fühlte sie sich, gedemütigt durch die Wärter und ohne jegliche Rechte. „Vielleicht habe ich einfach vergessen, dass ich einen Minderjährigen überfallen oder einen Terroranschlag im Stadtzentrum ausgeführt habe“, polemisierte Ekaterina Lemondżawa, wohl wissend, dass sie und die anderen Insassen lediglich die polnische Grenze ohne gültige Papiere überquert haben.

Die Menschen aus den Lagern in Białystok, Lesznowola, Przemysł oder Biała Podlaska – um nur die zu nennen, die jetzt in der Kritik stehen – kommen vor allem aus osteuropäischen Ländern und Regionen, wie Georgien, Tschetschenien oder Moldawien, andere kommen aus asiatischen Ländern, gemeinsam haben sie in der Regel das Ziel, in einem EU-Land Asyl zu beantragen. Werden sie jedoch beim Grenzübertritt oder auch danach aufgegriffen, kommen sie direkt in eins der Auffanglager, die nach Aussagen der Flüchtlinge und polnischer Aktivisten eher Gefängnissen ähneln und keine angemessene Unterbringung für häufig traumatisierte Flüchtlinge darstellen würden, darunter viele Frauen und Kinder.

Kritisiert wird nicht nur die demonstrative Kriminalisierung der Flüchtlinge (z.B. Transport im Gefangenenwagen) und der Freiheitsentzug für ganze Familien, sondern auch mangelhafte medizinische Versorgung, fehlende Bildungsmöglichkeiten für Kinder, erschwerter Kontakt mit der Außenwelt und die Anwendung von Gewalt durch die Wärter. Bereits Mitte September kam es laut Gazeta Wyborcza zu ersten Hungerstreiks von Insassen im Lager Przemysł. Inzwischen haben die Proteste auch auf andere Lager übergegriffen. Aktivisten weisen zudem darauf hin, dass die Flüchtlinge häufig monate-, teilweise sogar jahrelang, in den Lagern verharren würden.

Die „Unterstützergruppe der protestierenden Flüchtlinge“ schrieb nun auf ihrer Homepage, dass sich nach dem Erscheinen des Berichtes der georgischen Journalistin Lemondżawa in der GW die Staatsanwaltschaft zur Visite in Lesznowola angekündigt hat. Ob das zu einer Verbesserung der Situation in den Lagern führt, bleibt abzuwarten. Es scheint so, als ob Polens Behörden unsicher sind, wie sie mit den unerlaubten Einwanderern umgehen sollen. Die Unterstützergruppe appelliert unterdessen an die polnische Bevölkerung: Als ein Volk, das sich mit Emigration so gut auskennt, wie wenige andere, solle es mehr Solidarität mit den Flüchtlingen zeigen.

Und wer die Internetseite genauer liest, findet auch einen Hinweis auf die Situation in Deutschland. Hier findet der Hungerstreik in der Öffentlichkeit statt, mitten auf dem Pariser Platz in Berlin protestieren auf diese Weise vor allem nigerianische Asylsuchende. Auch dort – so lesen wir im Tagesspiegel – gab es übrigens Klagen gegen gewaltsames Vorgehen der deutschen Polizei, die Protestierende daran hindern wollte, sich auf dem Platz Schlafgelegenheiten einzurichten.

 

Zur Seite der „Unterstützergruppe der protestierenden Flüchtlinge“:

http://protestuchodzcow.wordpress.com/

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