Im Gespräch mit Lars Oberg: Über eine Tagung Berliner Politiker in Polen

Lars Oberg. Quelle: Lars-Oberg.de

War mit der SPD in Kolobrzeg (Kolberg): Lars Oberg, Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus

(Berlin, JW) Eine Klausurtagung in Polen: Das gab es vorher noch nicht bei der Berliner SPD-Fraktion. Vom 25. bis zum 27. Januar tagten die Abgeordneten in Kolobrzeg (Kolberg). Mit dabei war, neben dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und dem Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh auch Lars Oberg, der die SPD im Wahlkreis Berlin-Schöneberg vertritt. Wir kamen im Zusammenhang mit dem Kolberg-Café, unserem Internetportal über Kolobrzeg (Kolberg), mit Lars Oberg ins Gespräch. Und wir wollten von ihm wissen, wie es so war, in Kolberg. Herr Oberg stillte unsere Neugier.

Herr Oberg, wie war es im Wellnesshotel an der Ostsee? Zumindest haben einige Tageszeitungen ja in diesem Tenor zur Klausurtagung getitelt. War es Wellness?

Lars Oberg: Das Hotel war toll. Vor allem der freundliche Service hat uns sehr begeistert. Für das Wellness-Angebot des Hotels hatten wir jedoch keine Zeit. Die Klausurtagung bestand für uns aus drei Tagen voller Diskussionen, Vorträgen, Beratungen und Treffen mit polnischen Vertretern. Das Hotel mit seinem hohen Standard, dem leckeren Essen und den freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat uns aber einen sehr angenehmen Rahmen für die viele Arbeit geboten.

Die von Ihrer Fraktion beschlossene ‚Kolberger Resolution‘ beinhaltet wesentliche Forderungen zur Optimierung des deutsch-polnischen Wirtschaftsraums in der Oder-Region und zwischen Berlin und Warschau. Auch altbekannte Forderungen wie die bessere Bahnverbindung zwischen beiden Ländern und die Förderung des Erlernens der polnischen Sprache finden sich wieder. Das sind schöne Worte, nur sind sie ja schon allzu oft gesagt worden. Wie will die Berliner SPD diese Themen nun wirklich voranbringen?

Lars Oberg: Es gibt eine ganze Reihe von Fragen, bei denen wir uns ganz konkret an die Arbeit machen werden. Dazu zählen die Intensivierung des Austausches zwischen den Verwaltungen der Partnerstädte Warschau und Berlin, die Stärkung von deutsch-polnischen Wirtschaftsnetzwerken und der Ausbau der Oder-Partnerschaft. Mir persönlich liegt sehr am Herzen, dass die bestehenden Partnerschaften von Berliner und Warschauer Schulen noch mehr mit Leben gefüllt werden. Wir wollen die Schulen dabei unterstützen, dass es noch mehr direkte Kontakte zwischen Jugendlichen aus Berlin und Warschau gibt. Dazu gehört auch dafür zu werben, dass sich mehr Schülerinnen und Schüler in Berlin für Polnisch als Fremdsprache entscheiden. Für bessere Bahnverbindungen können wir in Berlin leider wenig tun. Wir erwarten aber, dass sich die Bundesregierung endlich darum kümmert, eine schnelle und attraktive Bahnanbindung zwischen Deutschland und Polen zu schaffen.

Hand aufs Herz: Wie viele ihrer Abgeordnetenkollegen waren vor der Klausurtagung noch nie in Polen? Und wie haben diese auf die Erfahrungen im Land reagiert?

Lars Oberg: Ich kann nicht genau sagen, für wie viele Abgeordneten dieses Wochenende die erste Reise nach Polen war. Die meisten waren sicher schon mal in Polen. Für einige war es aber eine Premiere. Das konnte man auch an den vielen Fragen im Vorfeld der Klausurtagung sehen. Am Ende waren – nach allem was ich gehört habe – alle Abgeordneten und auch die Senatorinnen und Senatoren sehr beeindruckt von der Gastfreundschaft in Polen und den tollen Tagungsbedingungen.

Was hat Ihnen besonders gefallen, vor Ort in Polen, vor Ort in Kolberg?

Kolobrzeg, Lapidarium. Foto. Lars Oberg

Lars Oberg am Kolobrzeger Lapidarium

Lars Oberg: Trotz unseres straffen Programms haben wir einiges von Kolberg gesehen. Besonders beeindruckend war der herzliche Empfang, den uns der Bürgermeister und der Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung im historischen Rathaus bereiteten. Bewegend waren die Kranzniederlegungen am Denkmal der Vermählung Polens mit dem Meer und auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof anlässlich des Holocaust Gedenktages. Mehr Zeit hätten wir uns gewünscht, um die Stadt und den tollen Strand zu erkunden, aber im Mittelpunkt unseres Besuchs standen die Arbeit und nicht die vielen touristischen Attraktionen. Viele Abgeordnete haben sich darum fest vorgenommen, privat in die Region zu fahren.

Sie selbst sind ja in der Vergangenheit schon häufig in Polen gewesen, sogar schon mit dem Fahrrad auf langen Touren. Wie nehmen Sie die Veränderungsprozesse wahr?

Lars Oberg: Nach meinem Eindruck haben sich die westlichen Regionen Polens dynamisch verändert. Man kann es besonders gut an neuen Gebäuden und renovierten Altbauten sehen. Was mir bei dieser Reise besonders aufgefallen ist, sind die vielen Windräder, die in den letzten Jahren in Westpommern entstanden sind.

Was denken Sie, was sind die wichtigsten Schritte zur Verbesserung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit? Was muss passieren, damit die Kooperation in der Wirtschaft, der unkomplizierte Wissensaustausch oder der grenzüberschreitende Tourismus leben können? Und: Wie lange wird das alles dauern?

Lars Oberg: Ich denke, dass der Schlüssel für mehr Kooperation die Entwicklung von mehr persönlichen Kontakten ist. Vielen Berlinerinnen und Berlinern ist gar nicht bewusst, dass die westlichen Regionen Polens zum direkten Umfeld Berlins zählen. Zu oft wird auch in den oberen Etagen von Wirtschaft und Wissenschaft ausschließlich in Richtung Westen geschaut. Dass keine Großstadt mit mehr als 400.000 Einwohnern von Berlin aus gesehen so nahe liegt wie Stettin, ist in Berlin nahezu unbekannt. Mit unserer Tagung in Kolberg wollten wir einen Beitrag dazu leisten, dass die Chancen der Nähe zu Polen noch bekannter werden. Am Ende ist es also eine Frage des Bewusstseins. Ich gehe davon aus, dass sich mit der jungen Generation, die auf beiden Seiten der Oder ganz selbstverständlich damit aufwächst, dass man dank der EU einfach und unkompliziert in das jeweils andere Land reisen und dort auch leben und arbeiten kann, sich dieses Bewusstsein durchsetzen wird.

Positive Perspektiven; das sehen wir naturgemäß auch so. Beobachten werden wir natürlich, inwieweit die guten Ideen und Vorhaben dann in der Umsetzung voran gehen. Dafür gibt es ja einige klare Indikatoren: Beispielsweise die Zahl der Angebote für Polnisch in den Berliner Schulen, die Zahl der Wirtschaftskooperationen und unter Umständen auch die Verbesserung der Infrastruktur. Wir sind gespannt! Auf jeden Fall: Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen über Lars Oberg unter www.lars-oberg.de. Zur Kolberger Resolution finden sich hier weitere Informationen: www.spdfraktion-berlin.de (pdf)

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  1. Ralf Meier

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