Im Schatten von Olympia: Polnische Zimmermädchen kämpfen in London gegen Rekord-Niedriglöhne

Hotelarbeit für wenig Geld. Foto: J.Preidel

(Berlin, JP) Eine ähnliche Öffentlichkeit, wie sie das Schicksal Julia Timoschenkos im Zuge der EM in der Ukraine und Polen erhalten hat, erhoffen sich die Zimmermädchen in den Londoner Luxushotels von den Olympischen Sommerspielen in Großbritannien. Bisher beschränkt sich das Medienecho auf ihren Kampf um würdige Löhne jedoch vor allem auf Polen und einige britische Medien. Gemeinsam mit der Gewerkschaft Unite wollen auch einige Migrantinnen aus Polen weiter um die Verwirklichung ihrer Interessen kämpfen.

3 Pfund pro Zimmer

„Pro Zimmer bekomme ich 3 Pfund (…) Ich kann es mir von meinem Einkommen nicht erlauben, Kleidung oder Bücher zu kaufen. Manchmal muss ich sogar auf das Mittagessen verzichten“, zitiert die Wochenzeitung Angora in ihrer Ausgabe vom 27. Mai die polnische Reinigungskraft Barbara Pokryszka, Angestellte der Hilton-Hotelkette. Extreme Niedriglöhne und hohe Lebenshaltungskosten machen dem ausländischen Hotelpersonal in London, unter dem sich viele Migranten aus Polen befinden, das Leben schwer. Mitte Mai verfassten deshalb 850 Zimmermädchen der Hilton-Kette einen Bittbrief an die Direktion, in dem sie sich für einen angemessenen Lohn einsetzen. Der Arbeitgeber verwies jedoch zu seiner Verteidigung darauf, dass das Reinigungspersonal über eine externe Firma angestellt ist. Die Bezahlung auf Höhe des Mindestlohns von £ 6.09 sei  jedoch in den Verträgen zwischen der Reinigungsfirma und der Hotelkette festgeschrieben, halten Aktivisten der Gewerkschaft Unite dagegen (Angora, Ausgabe 21/ 2012, S. 5).

Rekord im Niedriglohn für Hotelpersonal

Die Gehälter des Reinigungspersonals in den Londoner Luxushotels liegen nach Angaben von Unite (HotelWorkers.org.uk) oft ganz unluxuriös praktisch sogar unter dem Mindestlohn von 6 Pfund pro Stunde. Beispielsweise werden die Reinigungskräfte in dem schönen Fünf-Sterne-Hotel Waldorf pro gereinigtem Zimmer mit zweieinhalb Pfund bezahlt. Möglich wird die Unterschreitung der gesetzlichen Lohnuntergrenze im Waldorf und in anderen Hotels dadurch, dass die Mitarbeiter unrealistische Vorgaben dazu erhalten, wie viele Zimmer sie in einer Stunde schaffen sollten. Großbritannien hat sich laut Angora so bereits einen traurigen olympischen Titel verdient: Dem Land gebührt der erste Platz in der Rangliste der europäischen Länder, in denen das Hotelpersonal am schlechtesten bezahlt wird.

Ohnehin kalkuliert die Living Wage Fundation, die jährlich auf Basis der realen Lebenshaltungskosten die Höhe des existenzsichernden Mindesteinkommens ausrechnet, für London eine minimalen Stundenlohn von £8.30. Ein wirklicher Erfolg wäre für die Reinigungskräfte also nur eine Anhebung ihres Lohns über das bisherige gesetzliche Mindestlohnniveau. Die Firma ICH, die mit dem Management der Hotelketten Holiday Inn und Interkontinental beauftragt ist, kündigte nun nach Berichten von Angora tatsächlich solch eine mögliche Lohnerhöhung an. Ob auch Barbara Pokryszka dank dieses Pilotversuchs zukünftig ein besseres Leben führen kann, steht allerdings noch in den Sternen, da das Gastgewerbe in Großbritannien vor allem wegen der geringen Löhne europaweit die höchsten Gewinne einfährt.

Quellen:

Angora Nr. 21/2012 vom 27. Mai 2012, Seite 5, „Głupie Polki“ walczą o swoje

Living Wage Foundation: http://www.citizensuk.org/campaigns/living-wage-campaign/the-living-wage-foundation/

Polski Radio: http://www.polskieradio.pl/42/259/Artykul/606370,Polska-sprzataczka-walczy-z-Hiltonem

Unite. theUNION: http://www.hotelworkers.org.uk/

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