‚In Darkness‘ – Polens Kandidat für den Oscar

Schuhe von Opfern in der Gedenkstätte Auschwitz. Foto: Polen.pl (MH)

Holocaust als Thema im polnischen Kino. Hier: Schuhe ermordeter Juden in der Gedenkstätte Auschwitz.

(Eckernförde, JE) Historiendramen sind quasi eine Spezialität des polnischen Kinos. Und sie sind nach wie vor in Mode, man denke nur an die Streifen ‚Katyń‚ (2009, Andrzej Wajda) oder ‚Czarny Czwartek‘ (2011, Antoni Krauze), deren großer Verdienst es nicht zuletzt war, auch die junge Generation für die eigene Geschichte zu begeistern. Agnieszka Holland’s neues Werk ‚W ciemności‘ (englischer Titel: ‚In Darkness‘) hat ohne Frage ein ebensolches Potenzial und ist damit zurecht Polens Kandidat für den besten ausländischen Film bei den nächsten Oscar-Verleihungen. Die Wahl der neunköpfigen nationalen Jury fiel einstimmig aus, berichtet die Gazeta Wyborcza, welche Polen mit diesem Film die besten Chancen seit langem auf den berühmtesten Filmpreis der Welt bescheinigt.

Eine wahre Geschichte

‚In Darkness‘ basiert auf dem Roman ‚In the Sewers of Lvov‘ (1991) von Robert Marshall und beschreibt die wahre Geschichte des polnischen Kanalarbeiters Leopold Socha, der im Ghetto von Lemberg (gehört heute zur Ukraine; andere Namen: Lvov, Lviv und Lwów) zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs mehrere jüdische Familien, die vor den Repressionen der Nazis in die Kanalisation geflüchtet waren, mit Essen versorgte und an sichere unterirdische Plätze führte. Durch diese Hilfe überlebten die Verfolgten 14 Monate unter der Erde, bis die Stadt endlich befreit wurde. Die Rettung war für Socha anfangs nicht viel mehr als ein Business. Seine Leistungen ließ er sich bezahlen. Eine emotionale Verbundenheit stellte sich erst später ein. Am Ende riskierte er für seine hilflosen ‚Schützlinge‘ nicht nur das eigene Leben, sondern auch das seiner Familie – Geld bekam er da schon lange nicht mehr.

Ein Film über Menschlichkeit

Holland’s Film konzentriert sich auf das Leben der Flüchtlinge in der Kanalisation und erinnert damit in Teilen an Andrzej Wajda’s Werk ‚Kanał‚ (1957), in welchem sich Widerstandskämpfer des Warschauer Aufstandes notgedrungen in das städtische Kanalsystem zurückziehen, das sich für sie jedoch letztendlich als tödliche Falle erweist. Holland, die später als Regieassistentin von Wajda arbeitete und seit langer Zeit in Paris lebt, war bereits 1986 mit dem Film ‚Bittere Ernte‘ für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. In der polnisch-deutsch-kanadischen Koproduktion ‚In Darkness‘ spielt Robert Więckiewicz die Hauptrolle, in weiteren Rollen sind unter anderem Benno Fürmann, Maria Schrader und Herbert Knaup zu sehen. Gedreht wurden die Kanalszenen am Stadtrand von Leipzig. Mit dem Film widmet sich Holland zum dritten Mal in ihrer Karriere dem Thema Holocaust, das sie auch persönlich geprägt hat. Fast die gesamte Familie ihres Vaters starb im Warschauer Ghetto. Trotzdem soll ‚In Darkness‘, der im Herbst diesen Jahres in die Kinos kommen wird, nicht anklagen; es gehe vielmehr um das Leben „einfacher Leute, die niederträchtig und heldenhaft sein können – manchmal zur selben Zeit“ (A. Holland).

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Comments
  1. Jochen

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*