In Polen werden Bahnverbindungen gestrichen

Lokomotive auf dem Kolobrzeger Bahnhof. Foto: Polen.pl

Züge in Polen fahren in einigen Regionen nach dem Winterfahrplan ab 11.12.2011 weniger oft ab

(Berlin, JW) Sogar der deutsche Fahrgastverband Pro Bahn hat zum heutigen Fahrplanwechsel der polnischen Regionalbahnen eine Meinung. Und nicht nur das, sogar auch eine Pressemitteilung. Und die ist damit betitelt, dass ein ‚Streichkonzert im polnischen Bahn-Regionalverkehr‘ im Gange sei. Natürlich ergänzt um den Zusatz, dass man dies beim Fahrgastverband für den falschen Weg halte.

Aber auch in Polen ist man skeptisch, was der Winterfahrplan 2011/2012 bringt: Zum ersten wird am 11. Dezember und in den Tagen danach wieder Chaos auf den Bahngleisen erwartet, dank Verspätungen und Zugausfällen, zum zweiten stoßen vielen Bahnfahrern die Änderungen in den Fahrplänen böse auf. Besonders im Regionalverkehr gibt es Gegenden, die nach dem Fahrplanwechsel deutlich schlechter als vorher dastehen. Zahlreiche Züge wurden gestrichen, während anderswo allerdings auch Verbindungen ergänzt wurden.

Ländliche Regionen im Nachteil

Betrachtet man die Änderungen in der Fahrplanung der regionalen Betriebsgesellschaft Przewozy Regionalne (PR), so zeigt sich insbesondere eine Ausdünnung der Fahrpläne in ländlichen Regionen. Als Beispiel wird vom Fahrgastverband genannt, dass in der Oderstadt Kostrzyn (Küstrin) zwei Zugpaare täglich entfallen. Das klingt überschaubar. In der bei Urlaubern aus Polen und Deutschland wohl in etwa gleich beliebten Stadt Kołobrzeg (Kolberg) an der Ostseeküste fallen allerdings von den zurzeit 29 Zügen neun am Tag ersatzlos weg. Das lässt sich anhand der Fahrplanauskunft nachvollziehen und macht verständlich, dass nicht jeder mit den neuen Fahrplänen glücklich ist, die von den Betreibern allerdings als Weiterentwicklung verkauft werden.

Überlegungen zur Auflösung der Przewozy Regionalne (PR)

Immer wieder ist darüber hinaus von Überlegungen die Rede, dass die Regional-Betriebsgesellschaft Przewozy Regionalne (PR) zum Ende kommenden Jahres möglicherweise aufgelöst werden soll. Das bedeutet, dass entweder weiterhin staatliche Stellen regional zuständig sind, oder – wie teilweise bereits geschehen – privatisiert wird. Egal ob privat oder staatlich: Es wird noch stärker regionalisiert und fragmentiert. Man kann bereits heute in einigen Gegenden Polens das mögliche Ergebnis einer solchen Maßnahme erleben, wenn man beispielsweise eine übergreifende Fahrkarte kaufen möchte. Das geht dann schlichtweg nicht, weil unterschiedliche Vertriebs-, Ticket- und Preissysteme existieren. Ohne Rahmenvereinbarungen.

So gesehen sind die Bedenken der Kritiker aus Polen – und auch aus Deutschland – wohl berechtigt: Nach einem Ausbau des Bahnverkehrs sieht das Ganze nicht aus. Die Hoffnung bleibt, dass – nach dem Fahrplanwechsel ist vor dem Fahrplanwechsel – beim nächsten Umstellen der Fahrpläne tatsächlich eine Verbesserung für möglichst viele Bahnfahrer dabei ist.

Weitere Informationen: Pressemitteilung von Pro Bahn

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  1. Pìotr

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