Inflation in Polen steigt überraschend stark

Euro Zloty Report. Grafik: Polen.pl (JW)

Euro Złoty Report: Zloty leicht unter Druck

(Warschau, BD) Die am Dienstag veröffentlichte Inflationszahlen für Januar überraschten viele Marktbeobachter. Das Hauptamt für Statistik (GUS) gab bekannt, dass die Jahresinflation im Januar satte 3,8 Prozent betragen habe.

Noch im Dezember betrug diese 3,1 Prozent (p.a.). Der über Preisstabilität in Polen wachende Rat für Geldpolitik (RPP) wird wohl schneller als erwartet mittels einer Zinserhöhung  reagieren müssen.

Die erste Zinserhöhung um 25 Basispunkte (Hauptzins auf 3,75 Prozent) erfolgte Ende Januar 2011, aber schon jetzt scheint es eher der erste Schritt in einer längeren Kette von Zinserhöhungen zu sein. Statutenmäßig hat die polnische Zentralbank NBP mit Hilfe des RPP für die Preisstabilität zu sorgen. Es gilt, das Inflationsziel von 2,5 Prozent  zuzüglich einer Bandbreite von maximal einem Prozent zu verteidigen. Die Interessen der Zentralbank und die der Regierung gehen wohl stark auseinander.

Die polnische Regierung macht sich wohl eher um den Haushalt Sorgen. Dafür jedenfalls sorichtdie kürzlich beschlossene, die Inflation treibende Mehrwertsteuererhöhung, wie wir im November bereits berichteten. Das Wahljahr 2011 wird mutige Reformen der Staatsfinanzen, wie beispielsweise die Wegnahme der Rentenprivilegien bestimmter Bevölkerungsgruppen oder die Erhöhung der Rentenalters kaum begünstigen. Es gilt erstens Budgetlöcher zu stopfen; zweitens ist aber vermutlich auch ein Ziel, nichts zu unternehmen, was eine Wiederwahl der Regierung im Oktober 2011 gefährden könnte. Der Rest muss warten, zumindest sehen das einige politische Beobachter so.

Die eher schwach agierende PiS-Partei in der Opposition drängt die die regierende PO nicht besonders, viel unternehmen zu müssen.

Der Währungsmarkt reagierte auf diese Nachrichten sehr schwach. Der Złoty festigte sich ein wenig. Die Marktteilnehmer scheinen wohl die Kommentare der RPP-Mitglieder abwarten zu wollen. Die Frage bleibt unverändert im Raum: Wie schnell und wie stark wird der RPP die Zinsen erhöhen? Von dieser Entscheidung werden auch die weiteren Entwicklungen abhängen.

‚Mit Geldpolitik lassen sich weder die Nahrungs- noch die Rohölpreise beeinflussen …‘ sagte der ehemalige Finanzminister und RPP-Mitglied Dariusz Rosati in einem Kommentar für die gazeta.pl. Inflationserwartungen der Bevölkerung könnten immer mehr zusätzlich preistreibend wirken. Die Chefökonomin der Bank BPH Maja Goettig spricht im gleichen Artikel der gazeta.pl sogar von einer ‚verspäteten Zinserhöhung‘ durch den RPP im Januar.

Währungs-Kurse (Briefkurs in Złoty):

Euro 3,916; US Dollar 2,897, CHF 2,996; GBP 4,652; JPY 3,458. ( bei EURUSD 1,352)

Wibor Werte (in % p.a., act/ 365 Tage):

ON 3,65; TN 3,65; 1W 3,78; 2W 3,82; 1M 3,88; 3M 4,12; 6M 4,35; 9M 4,47; 12M 4,52 

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

No Responses

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*