Internationale Funkausstellung mit Polen-Perspektive

Bildschirm mit Warschau-Schriftzug auf der IFA 2012. Foto: Polen.pl (JW)

Ein Aussteller wirbt mit seinem Warschauer Standort

(Berlin, JW) ‚The world’s greatest Tablet-PC‘, ‚The world’s largest TV‘ oder ‚Best screen ever seen‘: Die Werbeaussagen der Aussteller der Multimedia-Ausstellung Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin, die noch bis zum 5. September stattfindet, wimmeln vor Superlativen. Selbst der kleinste Stand hat mindestens ‚future innovation‘ oder ‚perfect design‘ zu bieten. Zunehmend finden sich auch Öko-Werbesprüche, dem Zeitgeist sei Dank. Mit etwas Abstand betrachtet wirkt die Kommunikationsmaschinerie der Multimedia-Produkthersteller geradezu obszön bis schamlos, aber man gewöhnt sich auf der Messe schnell daran. Es gibt ja auch viel Spannendes zu sehen: Superdünne Fernseher, durchsichtige Bildschirme, Fernseher die auf Augenblinzeln reagieren, imprägnierende Waschmaschinen, internetfähige Badezimmerradios und jede Menge kleiner Tablet-Computer. Wir haben die IFA einmal mit einer Polen-Perspektive besucht. Kein leichtes Unterfangen, ist die Unterhaltungs- und Hausausstattungselektronik doch heute scheinbar primär eine Domäne asiatischer Unternehmen. Manche europäische Marke tummelt sich zwar auch noch darunter, aber oft nur noch dem Namen nach. Oder als luxusorientierte Design- oder Nischenmarke. Wir waren also gespannt.

Besucher und Aussteller

Telekom-Tafel auf der IFA 2012. Foto: Polen.pl (JW)

Kreative Gedanken zur Technologie gibt es auch auf der IFA

Was wir schnell feststellen konnten: Unter den Besuchern sind viele Interessierte aus Polen, zumindest solche, die sich auf polnisch unterhalten. Das passt zum großen Interesse in Polen an moderner Unterhaltungselektronik, denn wo wenn nicht hier kann man die neuesten Entwicklungen so früh sehen. Der Markt Polen ist im Vergleich zur Größe des Landes für die Hersteller mittlerweile durchaus relevant, wie auch die starke Marktpräsenz von Elektronikmärkten und Online-Shops für diese Warengattung zeigt.

Bei den Ausstellern hingegen wird es schwieriger. Die Filterung im ‚virtuellen Ausstellerverzeichnis‘ der IFA ergibt immerhin elf Treffer bei der Suche nach polnischen Anbietern auf der Messe. Allerdings: Darunter sind auch die polnischen Dependancen von Herstellern aus anderen Ländern zu finden. Etwa Miele aus Deutschland, Euronics als Verbundgruppe mit einem Teilnehmer in Polen (Mediaexpert in Polen) oder der türkische Hersteller Arcelik A.Ş mit seiner Marke Beko.

Amica-Stand auf der IFA. Foto: Polen.pl (JW)

Professionelle Präsentation der Marke Amica

Aber es sind auch polnische Unternehmen dabei. Zum Beispiel der Kabelanbieter Bridge Connect (mit britischen Wurzeln), der Küchenzubehöranbieter und unter anderem auf Dunstabzugshauben spezialsierte Anbieter akpo, der Büroausrüster und Notebook-Akku-Lieferant Whiteenergy oder der Hersteller für Küchenelektrik Amica. Letzterer dürfte den meisten bekannt sein: Amica ist als Marke in polnischen Küchen sehr präsent und seit kurzer Zeit auch auf dem deutschen Markt aktiv (amica-international.de). So präsentieren sich beispielsweise die Anbieter Bridge Connect und Amica sehr professionell auf der Ausstellung und warten auch mit einem attraktiven Sortiment auf.

Der Elektro-Kleingerätevertrieb Adler aus Polen, der unter anderem die Marken mesko, Adler und camry in Polen in Elektro- und Supermärkten vertreibt, bietet zwar keinen aufwändigen Stand, dafür aber echte polnische Gastfreundlichkeit in Beratungsform. Selten wird man so freundlich kontaktiert wie an diesem ziemlich kleinen Stand, wenn man sich für die Adlerschen Produkte interessiert.

Prospekt der Firma Adler aus Polen (Elektro-Geräte). Foto: Polen.pl (JW)

Prospekt der Firma Adler aus Polen (Elektro-Geräte)

Alles in allem ist die Zahl der in dieser Branche vertretenen Unternehmen aus Polen erwartungsgemäß überschaubar, wir meinen aber, eine veränderte Tendenz wahrgenommen zu haben – und ein neues Selbstbewusstsein der Unternehmen. Und vor allem haben wir dabei einige uns bisher unbekannte Firmen kennen gelernt und bei einigen sogar den Eindruck gewonnen, sie seien ein wenig ‚Hidden Champions‘ in ihrem Metier. Wir werden die Unternehmen auf jeden Fall weiter im Auge behalten.

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