Interview: Stettin-Informations-Profis

Schloss der Pommerschen Herzöge. Foto: nachStettin.com

Das Schloss in Szczecin (Stettin). Foto: (c) nachStettin.com

(Berlin, JW) Szczecin (Stettin) liegt nicht nur in Ostseelage, sondern auch bestens aus Deutschland erreichbar. Dennoch haben viele Menschen aus Deutschland die Stadt noch nicht auf ihrem touristischen Radar. Ja: Selbst Grenzregionsbewohner tun sich manchmal schwer, dorthin anstatt nach Berlin oder Rostock zu fahren – obwohl es nicht weiter zu fahren ist. Die Macher der nun seit einem Jahr existierenden Internetseite ‚NachStettin.com‘ haben sich zur Aufgabe gemacht, die Bekanntheit der Stadt in Deutschland zu steigern. Durch Informationen, Tipps, Hinweise und Öffentlichkeitsarbeit. Ein Interview mit Redakteuren der Seite, Kasia und Przemek Jackowski:

Nachstettin.com gibt es nun seit einem Jahr: Sagt mal, wie seid Ihr auf die Idee zu so einem deutschsprachigen Stadtportal gekommen?

Przemek: Seit ein paar Jahren leben wir in Deutschland, ganz nah an der deutsch-polnischen Grenze.  Wir haben uns intensiv für die deutsch-polnische Zusammenarbeit im Bereich Kultur engagiert und an vielen Projekten teilgenommen. Dabei haben wir bestimmte Defizite gesehen. Es gab ganz wenige aktuelle Informationen über das kulturelle Leben Stettins auf Deutsch. Diese Informationen waren auf verschiedenen Internetseiten verstreut und sehr schwer zu finden. Wir haben darüber auch mit unseren deutschen Nachbarn gesprochen. Von ihnen haben wir erfahren, dass sie ganz gerne Stettin für sich entdecken würden.  Da kam die Idee, dass wir ein deutschsprachiges Stadtportal für Stettin gründen könnten.

Wie man bei Euch nachlesen kann, soll die Internetadresse NachStettin.com auch die sprachliche Aufforderung im Deutschen ‚Nach Stettin, komm!’ beinhalten. Könnt Ihr schon sagen, ob das funktioniert – haben sich schon Menschen zu einem Besuch in Stettin motivieren lassen, die sonst nicht gekommen wären?

Kasia: Ich glaube schon. Wir bekommen viele E-Mails und manchmal sogar Telefonate von Nutzern aus Deutschland, in denen Menschen verschiedene Fragen stellen. „Kann man sich im Taxi auf Deutsch verständigen?“, „Wie kann ich nach meinen Vorfahren in Stettin suchen?“ oder „Wo finde ich ein gutes Reitgeschäft?“ Es gibt viele Gründe, die die Menschen zur Fahrt nach Stettin bewegen, und wenn wir nur zum Teil dazu beigetragen haben, zeigt das, dass wir unser Ziel erreicht haben.

Bevor wir zu Eurem spannenden Projekt kommen: Was sind Eure ganz persönlichen Highlights in Stettin?

Przemek: Für mich sind es bestimmt die Grünanlagen. Ich fahre sehr gerne Rad und bin immer wieder von der Schönheit dieser Parkanlagen beeindruckt. Meine Lieblingsstrecke beginnt im Stadtzentrum an der Stadtverwaltung und führt unter den Platanen, bis zum Kasprowicza Park, mit einem der schönsten Ausblicke in Stettin auf den Rusałka See, und dann an dem Rosengarten vorbei, bis zum Głębokie See am Stadtrand.

Kasia: Ich liebe dagegen ‚Stettin by night‘. Die schön beleuchteten historischen Gebäude, das Schloss der Pommerschen Herzöge und der Blick auf die nächtliche Oder mit schillernden Lichten der Schiffe und Boote sind für mich mein persönliches Highlight.

Seid Ihr Stettiner, oder zum Studium in Stettin? Wenn Ihr zugezogen seid: Wollt Ihr nach dem Studium an der Ostsee bleiben, oder zieht es Euch woanders hin?

Przemek: Wir sind beide gebürtige Stettiner, studierten die meiste Zeit in Stettin und haben zu dieser Stadt ein besonderes Verhältnis.

Wir sind ganz begeistert, so aktuell und umfassend Informationen über die vielen Veranstaltungen in Stettin zu lesen. Wir wussten gar nicht, dass es so viele Angebote gibt. Das ist ja auch Euer erklärtes Ziel. Aber: Wie kommt Ihr an all die Meldungen und Infos?

Sail Szczecin. Foto: nachStettin.com

Sail Szczecin. Foto: (c) nachStettin.com

Kasia: Schon vor einem Jahr haben wir uns mit den wichtigsten kulturellen Stettiner Institutionen in Verbindung gesetzt. Sie schicken uns regelmäßig Newsletter mit geplanten Veranstaltungen. Manchmal übernehmen wir auch die mediale Schirmherrschaft über ausgewählte Ausstellungen, wie zum Beispiel für das Stettiner Nationalmuseum. Aber vor allem halten wir unsere Augen offen.

Ihr habt ja wahnsinnig viele Beiträge und News. Wieviele Leute arbeiten eigentlich bei Nachstettin.com mit?

Kasia: Für das Redigieren von Artikeln sind drei Personen verantwortlich, Gosia Przytocka und wir. Ania Kornak und Marika Minkiewicz sind unsere Fotoreporterinnen. Und die wichtigste Person in unserem Team ist der Webmaster Maks Pęk, ohne den im Internet nichts laufen würde. Wir sind beide akademische Lehrer und versuchen unsere Germanistikstudenten für das Projekt zu begeistern. Mit Erfolg! Sie schicken uns ab und zu ihre Beiträge, die wir gerne veröffentlichen.

Events und Kultur sind, wenn man bei Euch so herumschaut, eindeutig Euer Schwerpunkt. Aber Ihr habt auch spannende allgemeine Themen, etwa zum polnischen ‚fettigen Donnerstag’ , sozusgen dem polnischen Karneval. Wie kommt Ihr auf solche Themen?

Przemek: Wir möchten auch ein möglichst breites Spektrum des Wissens über Stettin und über Polen vermitteln. Dazu gehören auch Sitten und Bräuche. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der polnischen kulturellen Identität. Wir sehen, dass diese Themen für unsere Leser interessant sind. So möchten wir auch diese Thematik weiterentwickeln.

Gerade, wenn man Eure lebendige Facebook-Seite ansieht, stellt man auch zweisprachige Dialoge fest. Das ist einerseits toll, weil da Dialog stattfindet. Aber schließt das nicht andererseits auch nicht Menschen aus, die nur eine Sprache sprechen?

Kasia: (lächelt) Es freut uns, dass unsere Facebook-Gemeinschaft immer größer wird. Unter den Fans gibt es auch viele Polen, die nicht unbedingt Deutsch sprechen, aber unsere Initiative spannend finden und vom Herzen unterstützen. Wir hoffen, dass unser Stadtportal sie auch zum Deutschlernen motivieren kann.

Wenn Ihr Euch Eure Besucher der Internetseite anschaut: Sehen sich nur Menschen aus Deutschland die Seiten an, oder gibt es auch polnische Besucher?

Kasia: Über 80 Prozent der Besucher kommen aus Deutschland. Vor allem aus den grenznahen Gebieten und aus Berlin. Die zweitgrößte Gruppe sind Stettiner. Außerdem bekommen wir Besuche aus der ganzen Welt.

Was sind Eure Pläne für ‚NachStettin.com‘? Was kommt als Nächstes? Oder: Was wünscht Ihr Euch am meisten für Euer Projekt?

Przemek: Am liebsten würden wir ein polnischsprachiges Tochterportal unter dem Motto nachDeutschland.komm 🙂  gründen. (lacht) Wir möchten auch die Stettiner zum Besuch der deutschen Grenzregion bewegen.  Diese Region hat auch viel anzubieten und warten nur darauf, entdeckt zu werden.

Ihr habt also noch viel vor, wie man sieht. Wir sind gespannt und würden uns freuen, den Polen.pl-Lesern, die Interesse an Szczecin (Stettin) haben, das Portal nahe gebracht zu haben. Soll heißen: Sofort ‚bookmarken‘! 

Weitere Informationen: www.nachstettin.com

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