Junge Polen in Deutschland – Die Brückenbauer von morgen?

Junge Migranten in Deutschland - Die Brückenbauer von morgen? Foto: Polen.pl (JP)

Junge Migranten in Deutschland – Die Brückenbauer von morgen? Foto: Polen.pl (JP)

(Krakau, KK) Im Laufe der Geschichte haben die deutsch-polnischen Beziehungen gute wie auch schlechte Zeiten durchgemacht. Auch im 20. Jahrhundert verloren sie durch geschichtliche Belastungen nicht an Komplexität. Heutzutage, in einem vereinten Europa, welches sich insbesondere durch einen hohen Grad an Mobilität auszeichnet, befinden wir uns in einem gänzlich neuen Kontext. Daraus ergibt sich die Frage, wie es der jungen Generation polnischer Migranten in ihrem westlichen Nachbarland gegenwärtig ergeht. Haben sie das Potential und auch die Motivation die bilateralen Beziehungen aktiv zu gestalten und voranzubringen?

Mit interessanten Fragestellungen dieser Art beschäftigte sich die Projektstudie „Neue Mittler – junges polnisches Engagement in Deutschland“. Die Studie entstand im Rahmen des Forschungsprogramms „Kultur und Außenpolitik“ des Instituts für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa), Stuttgart, im Jahr 2011. Die zwei Autorinnen, Emilie Mansfeld und Magdalena Szaniawska-Schwabe, berichten zweisprachig auf Polnisch und Deutsch über die jungen Formen des sozialen Engagements seitens polnischsprachiger Migranten in Deutschland. Im Visier haben sie eine Forschungsgruppe die sich durch eine „hybride Identität“ auszeichnet, da sich ihre Vertreter sowohl im deutschen wie auch im polnischen Kulturraum heimisch fühlen. (vgl. S. 8) Die fokussierte Gruppe setzt sich aus zwei Hauptkategorien zusammen: Den „neuen Polen“, sprich den EU-Migranten, sowie der sogenannten „Podolski-Klose-Generation“, die aus den erwachsenen Kindern ehemaliger Spätaussiedler besteht. (cf. S. 9) In ebendieser nicht homogenen Gruppe schlummert das Potential den deutsch-polnischen Dialog voranzubringen und ihn mit neuen Impulsen zu versorgen.

Vorgehensweise

Die Autorinnen haben ihre Aufmerksamkeit dem zivilgesellschaftlichen Engagement und dem Selbstverständnis der jungen Polen in Deutschland zugewandt. Die Studie basiert auf durchgeführten Interviews sowie zusätzlichen Expertengesprächen, die sie mit Hintergrundinformationen bereicherten. Bei den Befragten handelt es sich größtenteils um einzelne Kulturschaffende, die Altersgrenze lag bei 35 Jahren. Die ausgewählten Initiativen wurden alle nach dem Jahr 2000 gegründet. (vgl. S. 11) Hierbei sind die verschiedenen Aktivitäten sehr breit gefächert:

„Ein Streetworker-Projekt für Obdachlose in Hamburg, der Club der polnischen Versager in Berlin oder eine zweisprachige Märchenstunde für Kinder in Pasewalk – das junge polnische Engagement in Deutschland hat viele Facetten.“ (S. 13)

Europa – „Einheit in der Vielfalt“

Weitestgehend agieren die Jungen außerhalb von den traditionellen Strukturen der sogenannten Polonia (Begriff für die polnische Diaspora). Im Vordergrund steht für sie nicht mehr das Nationale, sondern vielmehr unsere gemeinsame europäische Herkunft, sprich nicht das was trennt, sondern das was uns verbindet. Es geht nicht darum sich abzugrenzen, sondern bewusst „Brücken“ (S. 20) zu schaffen, wie es eine befragte junge Lehrerin formuliert. Gut in die deutsche Gesellschaft integriert, bringen sie ihre eigenen Erfahrungen eines Lebens zwischen zwei Kulturen mit ein:

„Mit ihren frischen Ideen bereichern die neuen Engagierten in vielerlei Hinsicht die multikulturelle Gesellschaft Deutschlands, die deutsch-polnischen Beziehungen sowie die multikulturelle Landschaft der Gesellschaften in Europa“. (S.22)

Ein neues Polenbild schaffen

Mit den alten Vorurteilen und Stereotypen aufzuräumen ist eines der Ziele der jungen Migranten. (vgl. S. 23) Denn die neue Generation ist weltoffen und selbstbewusst, und zwingt somit die Öffentlichkeit zu einer Revision der veralteten Vorstellungen. Um ein möglichst breites Publikum zu erreichen, nutzen die Jungen überwiegend die Möglichkeiten des Internets. Mithilfe sozialer Medien werden Initiativen organisiert und koordiniert, Portale und Homepages bieten Informationen und Hilfe. Zudem sind sie sich die jungen Polen größtenteils einig, dass sie die polnische Kultur und Sprache auch an ihre Kinder weitergeben wollen: Traditionen, die polnische Küche, die Feiertage und mehr sollen erhalten bleiben. (cf. S.21)

Schwierigkeiten und Empfehlungen

Eine große Hürde stellt der Mangel an finanziellen Mitteln für die jeweiligen Projekte dar. Für den Sprachunterricht fehlt es oftmals an den nötigen Räumlichkeiten, komplizierte Anträge für öffentliche Subventionen erschweren einem das Leben. Ferner erweist es sich als problematisch geeignete Partner für eine eventuelle Zusammenarbeit ausfindig zu machen. (vgl. S. 24 f.)

Bemerkenswert auch die abschließenden „Handlungsempfehlungen“ (S. 28 ff.), die darauf abzielen das bestehende Potential optimal auszuschöpfen, beispielsweise durch das Ausnutzen der neuen Kommunikationswege oder eine verstärkte öffentliche Präsenz der „neuen Mittler“ (S. 29). Alles in allem wirft diese Studie ein Licht auf bereichernde neue Aspekte des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in Deutschland. In diesem Kontext wäre es auch interessant, wie die Situation auf der anderen Seite der Oder aussieht. Wie lebt es sich den deutschsprachigen Migranten innerhalb der polnischen Gesellschaft? Was tragen sie ihrerseits zur deutsch-polnischen Annäherung bei?

Quelle: MANSFELD, Emilie und SZANIAWSKA-SCHWABE, Magdalena: „Neue Mittler – Junges polnisches Engagement in Deutschland„/“Nowi pośrednicy – O młodych formach polskiego zaangażowania w Niemczech„, in ifa-Edition Kultur und Außenpolitik.

Die Studie kann auf der Seite des Instituts für Auslandsbeziehungen e.V. (ifa) Stuttgart eingesehen und heruntergeladen werden: http://www.ifa.de/fileadmin/pdf/edition/edi_polen.pdf

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  1. Mag Schwabe
  2. Jens Hansel

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