Klassiker in Kurzporträts

Buchcover zum neuen Band, Schüren Verlag.

Buchcover zum neuen Band, Schüren Verlag.

(Berlin, AS) Kenner sehen es sofort: Das Titelbild des Buches Klassiker des polnischen Films zeigt eine Szene aus dem Kultfilm Seksmisja (Sexmission) von Juliusz Machulski. Die Science-Fiction-Komödie kam 1984 in die polnischen Kinos und gilt bis heute als einer der populärsten Filme in Polen. Die gesellschaftspolitische Satire über einen diktatorischen Frauenstaat ist ein Film von insgesamt 25, der in dem neu erschienen Band, herausgegeben von Christian Kampkötter, Peter Klimczak und Christer Petersen, vorgestellt wird.

Meisterstücke

Polnische Filme sind für ein ausländisches Publikum nicht immer leicht zu erschließen. Ein Grund mag in der intensiven Auseinandersetzung der Filme mit der eigenen Kultur und Geschichte liegen. Obwohl das polnische Kino der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als eines der innovativsten weltweit gilt, sind viele Klassiker nur Spezialisten bekannt. Ein Versuch polnisches Filmschaffen bekannter zu machen, startete 2014 der amerikanische Regisseur Martin Scorsese. Mit einer Auswahl von 21 Filmen, den Masterpieces of Polish Cinema, wollte er das polnische Kino einem breiten Publikum in den USA und Kanada näher bringen. Viele der von Scorsese aufgeführten Filme lassen sich auch in den Kurzporträts des neuen Sammelbandes Klassiker des polnischen Films finden.

Die Auswahl

Der Sammelband behandelt ausschließlich Spielfilme, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Chronologisch nach ihrem Entstehungsjahr angeordnet werden zum Beispiel Andrzej Wajdas Kanał (Der Kanal) von 1956, Popiół i Diament (Asche und Diamant) von 1958, Ziemia Obiecana (Das Gelobte Land) von 1974 und Człowiek z Marmuru (Der Mann aus Marmor) von 1977 oder Krzystof Kieślowskis Przypadek (Der Zufall Möglicherweise) von 1981 und Krótki Film o Zabijaniu (Ein kurzer Film über das Töten) von 1988 vorgestellt. Roman Polański ist mit seinem ersten Langfilm Nóż w Wodzie (Das Messer im Wasser) von 1962 vertreten. Der Film brachte ihm im damaligen Polen keinen Erfolg, dafür begann mit dem Werk seine internationale Karriere.

Das Buch endet mit der bitteren Komödie und dem Kassenschlager Dzień Świra (Der Tag eines Spinners) von Marek Koterski. Bis heute ist der Film über einen geschiedenen Mann mittleren Alters, der sich in einer dauerhaften Existenzkrise befindet, Koterskis erfolgreichster Film. Seit der Film 2002 in die Kinos kam sind jedoch dreizehn Jahre vergangen. Beim Lesen des Buches stellt sich somit die Frage, ob seitdem keine nennenswerten Filme in Polen entstanden sind.

Polens Filmlandschaft erkunden

Wer sich für polnisches Filmschaffen interessiert, sollte die im Band vorgestellten Filme kennen. Für erste Beschäftigungen mit dem polnischen Kino, seiner Ästhetik und Semantik sowie seinen kulturellen Hintergründen ist das Buch besonders zu empfehlen. Die Autorinnen und Autoren kommen allesamt aus der Slawistik, den Kultur-, Medien- und Filmwissenschaften. Die Beiträge sind verständlich geschrieben, ohne dabei einen wissenschaftlichen Anspruch zu verlieren. Im Durchschnitt ist ein Kurzporträt etwa zehn Seiten lang.

Klassiker des polnischen Films ist die erste Publikation einer ganzen Reihe zum osteuropäischen Film. Jedem Land wird ein eigener Band gewidmet. Ziel der Publikationsreihe ist es, die Filmproduktion osteuropäischer Staaten und die wechselvolle Geschichte dieser Länder einem deutschsprachigen Publikum anhand seiner Filmklassiker näher zu bringen.

Allgemeine Informationen

Christian Kampkötter/ Peter Klimczak/ Christer Petersen (Hg.), Klassiker des polnischen Films, 244 S., Pb. € 19,90 ISBN 978-3-89472-886-1., Schüren-Verlag.

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