Kolberg: Armee muss am Strand aushelfen

Leuchtturm von Kolberg. Foto: Kolberg-Café (JWH)

Vom Kolberger Leuchtturm aus kann man die betroffenen Strandabschnitte größtenteils beobachten

 

(Warschau, BD) Die polnische Tageszeitung Gazeta.pl berichtet in der lokalen Ausgabe für Szczecin (Stettin), dass die Behörden in Kołobrzeg (Kolberg) eine intensive ‚Erneuerung‘ des Strandes gestartet haben und dabei auf Probleme gestoßen sind. Hintergrund der Maßnahme: Mit EU-Unterstützung sollte ein 3,5 Kilometer langer Strandabschnitt westlich der Seebrücke zur Strandabsicherung unter die Lupe genommen werden, und der Strand sollte gleichzeitig verbreitert werden. Die Aktion wurde so geplant, dass noch vor dem Beginn der Sommerurlaubsaison alle Maßnahmen abgeschlossen sein würden. Das hat ganz offenbar nicht geklappt.

Suche nach Munitionsresten hält auf

Jetzt wird es doch etwas knapp mit der Zeit bis zum Beginn der Urlaubssaison: Die von der Stadt beauftragte Privatfirma, die nach Minen- und Geschossresten aus dem zweiten Weltkrieg suchen sollte, wird ihren Auftrag wohl nicht fristgerecht erfüllen können. Die Anzahl der gefährlichen Fundstücke, die meist in einer Tiefe zwischen 1,5 bis 1,7 Metern liegen, übersteigt die Erwartungen aller Beteiligten.

Dass sich unter dem Strand überhaupt solche gefährlichen Überreste vergangener Kriege befinden, fiel erst durch eine umstrittene Baumaßnahme auf: Der Strand soll über einige hundert Meter Strandlänge auf Höhe der neu errichteten Hotels im Osten des Ortes verbreitert werden, um Badegästen noch mehr Sonnenliegefläche zu bieten. Wir berichteten über die aus ökologischer Sicht stark diskutierte Maßnahme im Oktober 2010. Denn dort ist der Strand recht schmal, was das Badevergnügen ein kleines bisschen schmälert. Bei den Baumaßnahmen zur Strandverbreiterung, die bereits im vergangenen Herbst begannen, kam es immer wieder zu Munitions- und Kriegsmaterialfunden. Jedes Mal musste die Entschärfung herbeigerufen werden, was den Baufortschritt erheblich verlangsamte. So langsam ging es vorwärts, dass sich der Bauunternehmer weigerte, ohne vorherige grundlegende Munitionsräumung weiter zu arbeiten.

Daraufhin wurde eine private Firma zur Räumung beauftragt, die nun offenbar mit der Menge der Funde überfordert ist. Zumindest, wenn es darum geht, rechtzeitig zur touristisch wichtigen Urlaubssaison fertig zu werden. Jetzt soll die polnische Armee helfen. ‚Morgen sollen die Soldaten eine erste Untersuchung am Kolberger Strand vornehmen. Es wird eine der größten Operationen dieser Art der Nachkriegszeit werden‘, zitiert Marcin Górka in der heutigen Ausgabe der Gazeta Wyborcza den Sprecher des Verteidigungsministeriums Janusz Sejmej. Die Anfrage der Stadt Kolberg zur Einschaltung des Militärs war damit also erfolgreich.

Die Suchaktion wird wahrscheinlich weitere 5 Strandkilometer über den bisher betrachteten Strandabschnitt hinaus umfassen. Grund dafür ist, dass die russische Armee, die die Festung Kolberg 1945 eingenommen hatte, ihren Angriff östlich von Kolberg startete. In dieser Richtung, in der sich heute der Stadtteil Podczele (Dt: Schüllerbrink) befindet, werden also weitere Blindgänger oder Munitionsreste vermutet (siehe auch gazeta.pl). Betrachtet man die kriegshistorische Vergangenheit der Stadt Kolberg, so wundert es nicht, dass sich noch der eine oder andere Rest findet.

Keine Gefahr für Urlauber und keine Gefahr für die Urlaubssaison?

Die Stadt Kolberg ist fest entschlossen, jede Gefährdung von Gästen des beliebten Urlaubsortes und jede Gefährdung der etwa im Mai beginnenden Urlaubssaison abzuwenden. Daher kann die Einschaltung des Militärs nur als konsequent gelten: Nach aktuellen Aussagen soll es mit Hilfe der Armee gelingen, rechtzeitig zum Sommer alles geräumt zu haben. Allerdings wird dann die Strandverbreiterung wohl nicht mehr umgesetzt werden können, weshalb diese entweder verschoben werden muss, oder im Sommer mit Baustellen am Strand gerechnet werden kann. Ob dies eintritt, ist per heute noch nicht entschieden worden.

Aber ein Schaden ist, zumindest aus Sicht der ansässigen Hoteliers, schon entstanden: Allein die Diskussion darum, ob die Arbeiten rechtzeitig fertig werden, sei schädlich für die anstehende Saison. Verärgert ist man im Gastgewerbe vor allem deswegen, dass die Probleme bei den Arbeiten am Kolberger Strand in aller Öffentlichkeit diskutiert werden. Allerdings sehen sich auch die Kritiker der Strandverbreiterung nicht als Gewinner der in polnischen Medien auftauchenden Diskussion: Das Thema Strandverbreiterung ist durch die Munitionsfunde nicht grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt worden. Im Gegenteil: Viele Polen sehen es gerade als Verdienst der Baumaßnahmen, dass es nun möglich ist, alle eventuellen Gefährdungen durch eine vollständige Räumung auszuschalten.

Informationen rund um die Stadt Kolberg in Polen (Polnisch: Kołobrzeg) bietet unsere Partner-Internetseite Kolberg-Café

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