Kommentar: Das PiS-Attentat

(Kommentar) Das heutige Attentat auf Mitarbeiter eines lokalen Büros der Oppositions-Partei PiS in Lodz scheint zunächst nichts als die verwirrte Tat eines Einzelnen zu sein. Doch betrachtet man die politischen Reaktionen auf dieses schreckliche Ereignis, so ergeben sich gleich mehrere Attentate: Auf die politische Kultur in Polen.

Wie es Jurek in seinem Kommentar zu unserem heutigen Bericht zum Attentat in Lodz auf den Punkt gebracht hat: Es ist ein selten tiefer Fall der politischen Kultur, wenn solch ein dramatisches Attentat umgehend auf den politischen Markt gebracht wird, um dort für die eigene Partei Sympathien zu sammeln. Ähnlich, wie dies die PiS bereits nach dem tragischen Flugzeugabsturz am 10. April 2010 getan hat, verfällt sie nun wieder in die mitleidsheischende Opferrolle. Die Kernaussage in dieser Rolle: Die unerbittliche Regierungspartei schreckt nicht einmal vor der Anstiftung zum Mord zurück, um die eigene politische Position zu festigen. Zumindest kann man manche Reaktion mancher Politiker so lesen.

Wer solche Theorien aufstellt, wie sie manche PiS-Parteigänger zurzeit propagieren, dem würde man normalerweise übermäßigen Konsum von Politkrimis unterstellen. Oder zumindest das Verharren in den Zeiten des Kalten Krieges. Aber offenbar allen Ernstes werden in der Bevölkerung Gerüchte gestreut, die Regierungspartei, namentlich Ministerpräsident Tusk an der Spitze, würde solche Attacken, Attentate und organisierte Angriffe auf die politische Konkurrenz planen und durchführen. Weit interpretiert, hat Ministerpräsident Tusk demnach den Flugzeugabsturz im April eingefädelt, um sich seiner politischen Feinde zu entledigen. Feindschaft? Als solche zumindest wird der eigentlich normale politische Diskurs in Polen gelegentlich zum Leben-oder-Tod-Thema hochstilisiert. Und auch ein Attentat wie das vom heutigen Dienstag ist demnach nichts als eine politische Maßnahme der regierenden Partei, weil der eigentlich für das Attentat adressierte Politiker in Lodz das im April verunglückte Flugzeug nicht bestiegen hat.

Verschwörungstheorien blühen vielfach auf, kräftig gedüngt von einigen politischen Protagonisten der Opposition.

Man kann nur hoffen, dass die Bevölkerung den Versuch des Sympathiesammelns über wahrhaft hanebüchene Unterstellungen an den politischen Gegner nicht goutiert. Die Chancen dafür stehen gut, denn es wird vielen Bürgern in Polen allmählich offensichtlich, dass ein Realitätsverlust – zum Glück – weniger Akteure in der Politik angesichts sinkender Umfragewerte zu derart überzogenen Reaktionen wie diesen führt. Die Glaubwürdigkeit der gesamten Opposition wird darunter leiden, was vielleicht auch die Einsicht bei den jetzt unangemessen Handelnden fördern dürfte: So kann es nicht weitergehen.

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*