Kommunalwahlen in Polen stehen vor der Tür

Strasse in Warschau ohne Fussgängerübergang. Foto: Polen.pl (BD)

Strasse in Warschau ohne Fussgängerübergang. Foto: Polen.pl (BD)

Die Kommunalwahlen stehen in Polen vor der Tür und eigentlich sollten sich die Bürger freuen. Die regierenden Stadträte und Bürgermeister zeigen, was sie in ihrer Amtszeit alles geschafft haben oder versuchen es vielerorts noch schnell nachzuholen. Man gibt an in den lokalen Medien: neue Schwimmhalle, Kinderspielplatz, Fahradweg, Strassenbelag. Und das in ganz Polen, auch in Warschau.

In der polnischen Hauptstadt gilt die Wiederwahl der ehemaligen Zentralbankchefin und Juristin Hanna Gronkiewicz Waltz als sehr wahrscheinlich. Trotz einiger Erfolge vor allem bei der Umgestaltung der Warschauer Transport-Infrastruktur gibt es noch viel Raum für künftige Nachbesserungen. Die Radfahrer beispielsweise beschweren sich über fehlende Fahrradwege und lausige Verkehrssicherheit. Vielerorts ist Warschau für Behinderte schlichtweg nicht durchquerbar. Ein sehbehinderter Passagier wurde kürzlich von einem Metrowagen angefahren und schwer verletzt – der junge Mann stürzte auf die Gleise, da das Ende der Bahnsteigkante nicht markiert ist. Die verantwortliche Behörde verlangt laut nach einer entsprechenden Verordnung. Die landesweite Debatte dauert an: wieviel Bürokratie kann das Land noch vertragen?

Etwas mehr Intelligenz dürfen die Bürger von den Beamten sicherlich verlangen. Ein Beispiel wurde gestern bekannt und in der lokalen Presse erneut angesprochen. Eine wichtige, allerdings relativ kurze Straße mitten in der Warschauer City und neben dem Zentralbahnhof gelegen wird seit mehreren Wochen renoviert. Die Stadtverwaltung informierte stolz über die geplante Ausstattung der Straße mit dem Namen Emilli Plater: ein Fahrradweg, ein Busstreifen, neuer fester glatter Belag. Auch ein benachbarter unterirdischer Fußgängerweg soll erneuert werden, was leider bis dato nicht passiert ist.  Das Ergebnis: die Menschen, die die Straße unerlaubterweise überqueren, werden von der Stadtpolizei mit einem Strafzettel beglückt. Die erlaubte Alternative:  ein nicht ausgeschilderter 100 Meter entfernter unterirdischer Weg ohne Aufzug. Dieser ist von nicht Ortskundigen kaum zu finden.

(Kommentar) Was die Behinderten und die Mütter mit einem Kinderwagen machen, wage ich gar nicht zu fragen. Lasst uns also den Stadtbehörden herzlichst gratulieren: die Beamten scheinen Fußwege wohl erfolgreich zu meiden.

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