Krakau ist nicht Madrid, oder doch? – Weniger deutsche Jugendliche als erwartet fahren zum katholischen Weltjugendtag nach Polen

Weltjugendtag in Krakau

Foto: Komitet Organizacyjny Światowych Dni Młodzieży Kraków 2016

(Pforzheim, JW) Am 30. Juni endete die Anmeldefrist für den Weltjugendtag der Katholischen Kirche, der Ende Juli in Krakau stattfindet. Begegnung mit dem Papst, Austausch mit Tausenden anderen Jugendlichen, Übernachtung auf freiem Feld,… Wer katholisch sozialisiert ist, dem ist die Großveranstaltung ein Begriff und nicht wenige waren 2011 in Madrid dabei oder sind 2013 sogar bis nach Rio de Janeiro geflogen, um an der Copacabana mit Papst Franziskus die Heilige Messe zu feiern. Nun also vom 26. bis 31. Juli in Krakau. Für den polnischen Weltjugendtag haben sich nach offiziellen Angaben 15.484 deutsche Pilgerinnen und Pilger angemeldet, wie die Veranstalter am 1. Juli bekannt gaben. Sind das nun viele oder nicht? Ist Polen für junge Katholikinnen und Katholiken aus Deutschland ein attraktives Ziel oder eher weniger? Polen.pl hat kurz vor dem Anmeldeschluss in den sechs größten deutschen Diözesen Köln, Freiburg, Rottenburg-Stuttgart, Münster, München-Freising und Paderborn nachgefragt.

15.000 deutsche Teilnehmende sind weniger als erwartet

Auf den ersten Blick sind über 15.000 Registrierte ganz beeindruckend, schließlich reisten 2011 in das ähnlich weit entfernte Madrid 16.000 Jugendliche aus Deutschland. Außerdem liegen die deutschen Pilgerinnen und Pilger immerhin an sechster Stelle – nach Polen, Italien, Frankreich, Spanien und den USA. Insgesamt haben sich 562.000 Personen angemeldet, davon knapp ein Drittel aus Polen. Die Mehrheit der befragten Bistümer rechnete allerdings im Vorfeld mit einem höheren Interesse aus Deutschland. In der Erzdiözese Freiburg waren ursprünglich mehrere Fahrten aus sieben Regionen geplant, die aufgrund geringer Anmeldezahlen zusammengestrichen werden mussten. Im Erzbistum Köln wurde der Anmeldeschluss verschoben. Kurz vor dem Stichtag 30. Juni wurde auch noch einmal kräftig die Werbetrommel gerührt. Sehr lesenswert dazu ist der Beitrag von katholisch.de, dem Portal der Katholischen Kirche in Deutschland, der 40 Gründe auflistet, warum es sich lohnt, am Weltjugendtag in Krakau teilzunehmen.

Ungünstiger Termin und mangelndes Interesse an Polen

Warum wurden nun die Erwartungen der Diözesen nicht erfüllt? Dafür gibt es verschiedene Gründe. An erster Stelle und von allen Befragten genannt wurde ein Organisationsproblem: Ende Juli sind in Baden-Württemberg und Bayern noch keine Sommerferien. Der 1. August ist außerdem ein typischer Beginn für eine Ausbildung und Studierende befinden sich noch in der Prüfungszeit. Gleich an zweiter Stelle steht ein vermutetes Desinteresse und/oder Unwissenheit über das Gastland Polen. „Krakau ist eben nicht Madrid und dazu fällt einem eben nicht zuerst Urlaub und schönes Wetter ein“, meint Siegfried Huber, Diözesanjugendpfarrer in der Erzdiözese Freiburg, der mit einer Gruppe Jugendlicher nach Krakau fahren wird. Andererseits gelinge es polnischen Priestern in der Diözese, Vorbehalte abzubauen und erfolgreich für das Nachbarland zu werben, fügt er hinzu.

In den Diözesen Münster und Paderborn vermutet man, dass es eine „Dunkelziffer“ gibt. Zwar seien die offiziellen Anmeldezahlen geringer als erwartet, aber es gebe auch Jugendliche, darunter viele polnischstämmige, die aufgrund der Nähe zu Polen sich gar nicht erst anmeldeten und spontan die Reise ins Nachbarland antreten würden. Vereinzelt könnte auch die Berichterstattung über die aktuelle politische Situation in Polen eine Rolle spielen, heißt es außerdem aus einigen Diözesen. Diese könne Polen als Reiseziel im Moment als weniger attraktiv erscheinen lassen. Andere genannte Ursachen haben überhaupt nichts mit dem Gastland des Weltjugendtags zu tun: Die kirchliche Bindung von Jugendlichen nimmt eben ab, was man auch schon im Abstand von nur wenigen Jahren merkt; seit dem Weltjugendtag in Köln sind bereits zehn Jahre vergangen – für die heutige Generation der katholisch sozialisierten Jugendlichen ist er kein Begriff mehr.

Abschließend kann man nicht genau sagen, warum „nur“ ca. 15.500 Jugendliche nach Krakau fahren, aber dass Polen für deutsche Pilgerinnen und Pilger nicht attraktiv genug ist, scheint nur ein Grund unter vielen zu sein. Die Veranstalter erwarten übrigens zusammen mit den über 562.000 offiziell Angemeldeten ca. zwei Millionen Teilnehmende zur Abschlussmesse mit Papst Franziskus. Da werden sicherlich noch erheblich mehr als die knapp 15.500 Angemeldeten aus Deutschland dabei sein.

Auch Polen.pl wird vom Weltjugendtag berichten – Natalie wird für Grenzenlos – Die Online-Plattform für deutsch-polnische Jugendthemen vor Ort sein. Gemeinsam mit dem Fernsehsender EWTN berichtet sie von den Tagen der Begegnung in Breslau und der Weltjugendtags-Woche in Krakau. Verfolgt ihre Erlebnisse auf www.krakau16.ewtn.de

 

 

 

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  1. Ralf Meier
  2. Mathias Z.

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