Krakau sucht den Straßenstar

Tuchhallen, Marktplatz in Krakau

Immer belebt: Der Krakauer Rynek rund um die Tuchhallen.

(Eckernförde, JE) Wahrscheinlich muss man es sich so wie bei einer dieser unzähligen Fernsehshows vorstellen, die in den letzten Jahren in Europa populär wurden. Der Künstler präsentiert sich und sein Können einer erlesenen Jury und wird dann entweder niedergemacht oder hochgelobt. Nur dass in der Jury kein Dieter Bohlen sitzt und auch keine Fernsehzuschauer abstimmen. Entscheiden tun hier ausgewählte Kulturexperten und statt um einen Plattenvertrag geht es um das Recht, auf dem Krakauer (auf polnisch Kraków) Marktplatz aufzutreten.

Der Krakauer Rynek ist Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt. Mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten und Straßencafés lädt er Besucher und Einheimische zum flanieren und verweilen ein. Darüber hinaus ist er Treffpunkt für Krakaus Jugend, die von hier aus in die umliegenden Clubs ausströmt. Seine einmalige, lebhafte Atmosphäre verdankt er nicht zuletzt den zahlreichen Straßenkünstlern, die dort alle möglichen Performances darbieten, um ein bisschen Geld zu verdienen.

Um die Breakdancer, Feuerspucker und Mimen – um nur ein paar besonders beliebte Beispiele zu nennen – scharen sich die Massen und das wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern. Für einige Straßenkünstler könnte es jedoch eng werden, wenn die neue Krakauer Kommission ihre Arbeit aufnimmt. Ihre Mission: Aufräumen auf dem Marktplatz! Nur noch die Crème de la Crème soll zwischen Marienkirche und Wawel performen, wenn es nach der Krakauer Stadtverwaltung geht. Stanisław Dziedzic, Direktor der Abteilung für Kultur und nationales Erbe, erklärt in der Wprost: „Das ist eine historische Stadt, die auf der UNESCO-Liste zum Weltkulturerbe steht. Das verpflichtet dazu, dass alles sorgfältig, professionell und hübsch ist“.

Der Kommission sollen unterschiedliche Kulturleute „von Weltrang“ angehören. Ihrem Urteil müssen sich alle Künstler stellen. Denn wer in Zukunft von dem Ordnungsamt (straż miejska) ohne Erlaubnis erwischt wird, soll zu einer Geldstrafe verdonnert und aus dem ‚geschützten Bereich‘ vertrieben werden.

In Krakaus kulturellen Szene regt sich Widerstand. Viele sehen weder Bedarf noch Sinn in einer solchen Kommission (Kann man über Kunst überhaupt streiten?). Die Straßenkünstler würden sich untereinander absprechen und dafür sorgen, dass nicht jeder überall auftreten kann, im Übrigen entscheide die Gunst des Publikums, ob sich jemand auf der Bühne Rynek hält oder nicht. Der Kulturwissenschaftler Mirosław Duchowski postuliert: „Die Straße ist für alle. Hier herrscht eine gesunde Anarchie“.

Die Wprost erinnert auch daran, dass der Krakauer Marktplatz Künstler aus der ganzen Welt anlockt, die häufig nur ein paar Tage bleiben und für die es ungleich schwieriger sein dürfte, eine ‚Performance-Erlaubnis‘ zu bekommen. Für Künstler und Besucher gleichermaßen wäre es in jedem Fall jammerschade, wenn Krakaus Rynek seine besondere Magie verlieren würde.

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  1. F. M.

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