Kreative Facebook-Kampagne boomt in Polen

Screenshot der facebook-Kampagne I like it on

"Ich mag es im Büro unter dem Schreibtisch..."

Die internationale Facebook-Kampagne „I like it on“ erhält in Polen zurzeit eine bemerkenswerte Aufmerksamkeit. Beinahe jeder, der in Polen regelmäßig die Facebook-Internetseite nutzt, hat wohl schon von der kreativen Kampagne gehört. Eine Boulevard-Zeitung hat sich in diesem Zusammenhang bereits eine Blöße gegeben, und eine an der „I like it on“-Aktion teilnehmende Politikerin scheinbar goutet – ohne sich vorher über den Hintergrund der Online-Statements der Teilnehmerinnen zu informieren.

Die Kampagne „I like it on“ soll die Aufmerksamkeit der Facebook-Nutzer auf das Thema Brustkrebs lenken. Dazu wird der „I like it“-Button von Facebook um ein „on“ erweitert. Mit dieser kleinen Änderung wird im zweiten Jahr der Kampagne eine phänomenale Reichweite bei Internetnutzern erzielt.

Warum? Die Frage, die die an der Kampagne teilnehmenden Frauen beantworten sollen, lautet: „Wo stellst Du Deine Handtasche ab, wenn Du nach Hause kommst?“. Die Antwort darauf, hinter die Aussage „I like it on“ gestellt, lässt auf den ersten Blick ausgesprochen anzügliche Statusmeldungen auf Facebook erscheinen.

So lasen viele Menschen jüngst Facebook-Statusmeldungen von Freundinnen, Bekannten oder Verwandten, die etwa lauteten: „Ich mag es auf dem Bügelbrett„, „Ich mag es auf dem Fußboden“ oder „Ich mag es auf dem Küchentisch“. Kein Wunder, dass besonders männliche Leser solcher Statusmeldungen irritiert reagierten. Der Bezug zur Handtasche, um die es eigentlich geht, ist bei den Statusmeldungen bewusst weggelassen. Ähnlich wie bei der vergangenen Kampagne zur Farbe des BHs verbreitet sich die Kampagne viral sehr schnell. Die Online-Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert so rasant, weil es nur wenige Klicks benötigt, auch an der Kampagne teilzunehmen.

Selbst wenn man darüber streiten kann, ob die hiermit gewonnene Aufmerksamkeit tatsächlich zu einer Auseinandersetzung mit dem sperrigen und angsteinflößenden Thema Brustkrebs führt, so lässt sich eine gesellschaftliche Wahrnehmung keinesfalls leugnen, die wohl auch den Kunstgriff über die erotische Anzüglichkeit der Statusmeldungen rechtfertigt. So wird die alltägliche Irrelevanz und Belanglosigkeit vieler Facebook-Statusmeldungen durch einen scheinbaren Aufreger unterbrochen. Und das sogar für einen guten Zweck.

In Polen macht sich unter einigen Facebook-Fans der Kampagne schon Schadenfreude breit, da die polnische Boulevard-Zeitung Fakt die Politikerin Renata Zaremba aufs Korn genommen hat. Sie zitierte sie mit dem Satz aus Facebook „Ich mag es auf der Marmor-Küchenplatte“, und befand den Satz als zu freizügig und einer Politikerin nicht angemessen. Natürlich versuchten die Redakteure auch, die männliche Phantasie zu dieser Aussage anzuregen. Ärgerlich nur, dass man offenbar den Hintergrund nicht recherchiert hatte. Fakt, wie die deutsche Bild-Zeitung im Springer-Verlag erscheinend, korrigierte diesen Fauxpas später in ihrer Online-Ausgabe. Allerdings auch nur halbherzig, denn nach der Korrektur war hier nachzulesen, dass die Zeitungsmacher keinen Zusammenhang zwischen der Facebook-Äußerung Frau Zarembas und der Kampagne sehen. Auch weniger polemische Facebook-Schreiber konstatieren, dass diese Reaktion nicht gerade von großer Fähigkeit zur Selbstkritik bei den Fakt-Redakteuren zeuge.

Auch in anderen Ländern, zum Beispiel den Niederlanden oder den USA ist die Kampagne schon sehr erfolgreich. In Deutschland scheint sie bisher nicht so richtig angekommen zu sein – noch.

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Comments
  1. Thomas

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*