Kulturhauptstadt 2016: Breslau

Oderbrücke in Wroclaw (Bildrechte: akkordarbeit 2010))

Oderbrücke in Wrocław, Foto: akkordarbeit 2010.

(Dülmen, AF) Kulturhauptstadt 2016 wird Wrocław (Breslau). Die an der Oder gelegene Hauptstadt der Woiwodschaft Niederschlesien gilt mit ihren mehr als 630.000 Einwohnern als viertgrößte Stadt Polens. Ihre Geschichte war wechselhaft, gehörte sie doch mal zu Polen, mal zu Tschechien, mal zum Habsburger Reich, dann zum Deutschen Reich und schließlich – seit 1945 – wieder zu Polen. Das Ende des Zweiten Weltkrieges führte zu einem fast vollständigen Bevölkerungswechsel. Außerdem hatte das Stadtzentrum stark unter dem Krieg gelitten, wovon heute jedoch nichts mehr zu sehen ist. Stattdessen ist Wrocław (Breslau) mit seinen Museen, Restaurants, Clubs und – nicht zu vergessen – seiner schönen Altstadt mit den überall verstreuten Zwergen inzwischen ein Touristenmagnet. Nun wurde Breslau als zweite polnische Stadt – im Jahr 2000 war es Krakau – zur Kulturhauptstadt gekürt; nachdem dort 2012 bereits Spiele der Fußball-Europameisterschaft ausgetragen wurden, kommt jetzt das nächste Highlight für die Einwohner.

 

Über die Initiative „Kulturhauptstadt“

Im Jahr 1985 wurde die Initiative ins Leben gerufen. Seither wird jedes Jahr mindestens eine europäische Stadt zur Kulturhauptstadt erhoben. Ziel ist es, das kulturelle Erbe der jeweiligen Städte und ihren Platz im gemeinsamen Kulturerbe zu präsentieren, um so das europäische Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Außerdem sollen ausländische Künstler und Kulturschaffende einbezogen werden, wodurch eine dauerhafte Zusammenarbeit angeregt werden soll:

„Die Bewerberstädte müssen ein Kulturprogramm mit einer starken europäischen Dimension aufstellen und die Beteiligung der in der Stadt und in ihrem Umland lebenden Bürger fördern sowie Bürger aus dem Ausland anlocken. Die europäische Dimension spiegelt sich in der Auswahl der Themen und der Art und Weise, wie die Programmveranstaltungen organisiert werden (die Zusammenarbeit zwischen Kulturakteuren in verschiedenen EU-Mitgliedstaaten wird favorisiert). Außerdem muss das Programm nachwirken und langfristig zur kulturellen und sozialen Entwicklung der Stadt beitragen.“

Und so läuft die Auswahl ab: Zunächst wird von einer unabhängigen Jury eine Liste der in die engere Auswahl kommenden Städte erstellt, neun Monate später folgt die Endauswahl. Dann werden die beiden ausgewählten Städte offiziell vom EU-Ministerrat ernannt. Für 2016 prüfte eine Jury aus 13 unabhängigen Kulturexperten die polnischen und spanischen Bewerbungen; sechs Mitglieder wurden von dem betreffenden Mitgliedstaat benannt, die anderen sieben von den EU-Institutionen.

 

Zukunftsperspektive

Gemeinsam mit der spanischen Küstenstadt San Sebastián konnte Wrocław gegen 14 spanische und elf polnische Mitbewerber überzeugen. Die polnischen Kandidaten neben Breslau waren: Warschau (Warszawa), Danzig (Gdańsk), Stettin (Szczecin), Kattowitz (Katowice), Lodsch (Łódź), Thorn (Toruń), Posen (Poznań), Lublin, Białystok und Bromberg (Bydgoszcz). In der Endauswahl setzte Breslau sich dann gegen Danzig, Kattowitz, Lublin und Warschau durch.

Der Titel „Kulturhauptstadt“ könnte sich langfristig gesehen positiv und weitreichend auf die Bereiche Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft in den jeweiligen Regionen auswirken. Das ist auch ausdrückliches Ziel, wie die für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend zuständige EU-Kommissarin Androulla Vassiliou in ihren Glückwünschen für die beiden Kulturhauptstädte 2016 zum Ausdruck brachte. Die Rechnung geht offenbar auf: Wie eine im Auftrag der EU-Kommission durchgeführte Studie belegt, nahmen die Touristenzahlen in Kulturhauptstädten durchschnittlich um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Noch besser schnitten Liverpool/England 2008 und Sibiu/Rumänien 2007 ab, bei denen sogar ein Anstieg um 25 Prozent verzeichnet wurde.

Hala Stulecia, die Jahrhunderthalle in Wrocław, Foto: akkordarbeit 2010.

Hala Stulecia, die Jahrhunderthalle in Wrocław, Foto: akkordarbeit 2010.

Weitere Kulturhauptstädte

2006 beschlossen das Europäische Parlament und der Rat bereits auf einen Schlag, welche Länderpaare bis 2019 ihre Kandidaten als Kulturhauptstädte nominieren sollten. In diesem Jahr sind es das schwedische Umeå (Schweden) und das lettische Riga (Lettland). 2015 teilen sich Mons (Belgien) und Pilsen (Tschechische Republik) den Titel. 2017 sind Dänemark und Zypern an der Reihe, 2018 die Niederlande und Malta und 2019 Italien und Bulgarien. Und falls es schon wieder in Vergessenheit geraten sein sollte: 2010 war Essen für das Ruhrgebiet dabei.

 

Programm

Die Nominierung Wrocławs und San Sebastiáns erfolgte zwar bereits im Juni 2011 und ein Jahr später erkannte der EU-Ministerrat den Entscheid offiziell an. Inzwischen hat sich jedoch einiges getan und die Programmpunkte in den Kategorien Architektur, Film, Literatur, Musik, Oper, Theater, Performance und Bildende Kunst nehmen Konturen an.

Das Polnische Fremdenverkehrsamt in Berlin berichtete jüngst ausführlich darüber; unter anderem kuratieren Agnieszka Franków-Żelazny, Leiterin des Polnischen Rundfunk-Chors, und der britische Regisseur Chris Baldwin das künstlerische Programm. So wird am 21. Juni 2015 mit der großen Performance „Brücken bauen“ bereits das Kulturhauptstadtjahr eingeläutet. In der Eröffnungsveranstaltung „The spirits of Wrocław“ werden sich animierte Objekte in Richtung Stadtkern bewegen und dort zu einer Einheit verschmelzen. Selbstverständlich wird auch die Oder in Performances einbezogen werden. Musikalische Veranstaltungen wie das traditionelle Festival „Wratislavia Cantans“, das alljährliche „Thanks Jimi Festival“ auf dem Breslauer Marktplatz sowie „Jazz an der Oder“ werden in das Kulturprogramm 2016 eingeflochten.

Auf der Internetseite http://wroclaw2016.pl kann man sich über die einzelnen Kulturhauptstadt-Projekte – auch regionale, gesamtpolnische und internationale – genauer informieren. Achtung: Die Informationen werden noch nicht in allen drei zur Verfügung stehenden Sprachen (polnisch, tschechisch, englisch) identisch angeboten. Vor allem die englische Version ist nicht vollständig. Die deutschsprachigen Infos auf dieser Seite  sind ebenfalls noch nicht sehr ausführlich. Unverkennbar ist aber, dass die Arbeiten auf Hochtouren laufen, sodass die Berichterstattung sicherlich bald umfänglicher wird.

Für Interessenten besteht die Möglichkeit, sich als Freiwillige/r zu bewerben und bei den Projekten zur Kulturhauptstadt 2016 mitzuwirken.

 

Quellen:

http://europa.eu/rapid/press-release_IP-11-766_de.htm

http://www.polen.travel/de/presse/2014_08_21-pressedienst-10-2014/

http://www.berlin.de/special/reise/staedtereisen/2464834-768336-breslau-polens-europaeische-kulturhaupts.html

http://www.reisenachpolen.de/breslau-wird-kulturhauptstadt-2016.html

http://www.focus.de/reisen/staedtereisen/kulturhauptstadt-europas-2016-san-sebastian-und-breslau-teilen-sich-den-titel_aid_641244.html

http://www.euractiv.de/stadt-der-zukunft/artikel/europas-kulturhauptstaedte-2016-donostia-san-sebastian-und-breslau-005228

 

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