Kurznachrichten aus der Politik

Kulturpalast in Warschau. Foto: Polen.pl (BD)

Streitbares Wahrzeichen Warschaus: Der Kulturpalast.

(Toruń, JE) Es war einiges los in der polnischen Politik in der vergangenen Woche. Hier nur ein kleiner Ausschnitt dessen, in Form von Kurznachrichten. So ging es um die zukünftige Existenz oder Nichtexistenz des Warschauer Kulturpalastes, um tätige oder untätige junge Menschen in Polen und um neue oder nicht neue Erkenntnisse zum Flugzeugabsturz in Smolensk.

Was ich noch sagen wollte…

„Übrigens bin ich der Meinung, dass an der Stelle des Kulturpalastes ein ‚Centralpark‘ für Warschau entstehen sollte“. Außenminister Sikorski (PO) nutzte die Gelegenheit und sprach sich auf einer Pressekonferenz in der polnischen Hauptstadt für einen Abriss des Kulturpalastes aus. Seine Abneigung gegenüber dem ‚Geschenk Stalins‘ aus dem Jahr 1955 ist seit längerem bekannt, die Aussage daher nicht unbedingt überraschend. Kurios war eher der Kontext, wie der Radiosender TOK FM berichtet. Sikorski beendete gerade die Pressekonferenz zur polnischen EU-Ratspräsidentschaft und bedankte sich bei den anwesenden Journalisten, um dann noch schnell – nach dem Motto: „Was ich schon immer mal sagen wollte…“ – den Kulturpalast ins Spiel zu bringen. In Warschau formieren sich jetzt Gegner der Sikorski-Pläne mit dem Slogan: „Geschenke gibt man nicht weg“.

Stimmen im Cockpit

Der Flugzeugabsturz von Smolensk – genauer die Frage, wer diesen zu verantworten hat – sorgt nach mehr als 20 Monaten weiter für Gesprächsstoff. Ein neues Gutachten eines Krakauer Instituts kommt laut Rzeczpospolita zu dem Schluss, dass die im russischen Untersuchungsbericht dem Luftwaffenchef Blasik zugeordnete Stimme im Cockpit eigentlich dem zweiten Piloten zuzuschreiben ist. Aufzeichnungen aus dem Cockpit waren als Hinweis dafür gewertet worden, dass Blasik Druck auf die Piloten ausgeübt habe, trotz der widrigen Bedingungen in Smolensk zu landen. Edmund Klich, polnisches Mitglied der sogenannten MAK-Komission, spielte in einem Interview die Bedeutung der Frage, um wessen Stimme es sich auf dem Band handelt, herunter. Die Tatsache, dass die Leiche Blasiks in den Überresten des Cockpits gefunden wurde, reicht seiner Meinung nach aus, um die ‚Druck-These‘ aufrecht zu erhalten.

Passive Jugend

Die Gazeta Wyborcza (GW) diskutiert am Wochenende einen Eurofund-Bericht über Jugendliche, die im wörtlichen Sinne nichts tun. Etwa 580.000 solcher ‚NEET‘ („not in employment, education or training“) zwischen 15 und 24 Jahren gibt es laut der Studie in Polen. Das sind 11 Prozent der Altersgruppe – der europäische Durchschnitt liegt bei 12,8 Prozent. Die Daten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind laut dem Autor des Beitrags aussagekräftiger als die offiziellen Arbeitslosenzahlen. Arbeitslos gemeldet waren in Polen im Jahr 2011 ca. 1.250.000 (23,7 Prozent) junge Menschen zwischen 15-24 Jahren. Bei den NEET handelt es sich um Personen, die tatsächlich keiner Arbeit oder Ausbildung nachgehen, weil sie schlicht nicht wollen oder aus gesundheitlichen Gründen nicht können. Andere NEET widmen sich hauptsächlich der Pflege Familienangehöriger oder verfolgen alternative Lebensentwürfe und verbringen ihre Tage mit Kunst oder Reisen. Die passive Jugend sei laut von der Gazeta Wyborcza befragten Experten besonders von Depressionen bedroht und kosten den polnischen Staat jährlich 23 Mrd. Złoty.

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  1. Patrick
  2. Pole

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