Küstenschutz, Munitionsreste und Ökologie: Ostseeort Kolberg gibt Strand wieder frei

Die Ostsee bei Kolberg. Foto: Polen.pl (JW)

Die neuen Buhnen zum Küstenschutz stehen in Kolberg

(Berlin, JW) Es war ein lange geplantes Projekt im Ostsee-Urlaubsort Kołobrzeg (Kolberg). Es lief aber nicht ganz so reibungslos ab, wie erwartet. Doch nun ist ein wichtiger Meilenstein in Sachen Küstenschutz und Strandverbreiterung erreicht – nach einigen ‚Umwegen‘ aufgrund unerwarteter Funde von Munitionsresten und Blindgängern: Seit Ende vergangener Woche ist der Hauptstrand des Ferienziels wieder freigegeben. So sind Hoteliers, Touristen und natürlich die Stadtväter froh, dass sich einerseits das polnische Militär unterstützend angeboten hatte und andererseits auch die ersten Ziele des Küstenschutzes erreicht wurden.

Küstenschutz als Ziel

Das Ziel der Baumaßnahmen ist der Küstenschutz: Da durch Erosion in Kolberg immer wieder ein paar Zentimeter vom Strand verlorengingen, hatte man in der Vergangenheit versucht, mit Beton- und Steinwällen die Küste zu schützen und mit Sandaufschüttungen den Strand regelmäßig wieder vergrößert. Das Problem ist von vielen Küstenorten und Inseln bekannt, in Kolberg aber aufgrund der hohen Unterschiede zwischen minimalem und maximalem Wasserstand sowie im Herbst und Winter heftiger Stürme noch etwas kritischer als vielerorts. Eine nachhaltige Lösung war das bisherige Vorgehen nicht, da sich abzeichnete, dass man so beinahe jährlich wieder Sand aufschütten müsste – etwa wie auf der Nordseeinsel Sylt. Stattdessen entschied man sich für ein vierteiliges Konzept, bei dem vier Einzelmaßnahmen mittel- bis langfristig zu einer dauerhaften Stabilisierung der Küste und des Strandes führen sollen.

Ziel der gesamten Maßnahmen ist, den Strand zu einer ‚Selbstheilung‘ zu bringen und zu ermöglichen, dass mehr Sand an- als abgeschwemmt wird.  Die vier Bestandteile sind zum ersten die Erneuerung und Erweiterung der Buhnen. Das sind die Holzplanken, die zwecks Wellenbrechung und -beruhigung in das Meer gebaut werden. Auf dem drei Kilometer langen Hauptstrandabschnitt sind 35 solcher Wellenbrecher errichtet worden. Zum zweiten soll der Strand an den Stellen, an denen das Meer schon bedenklich nah an Gebäuden und der Deichmauer schwappt, mit Sand von der Ausbaggerung der Hafeneinfahrt und vom Meeresboden aufgeschüttet werden. Dies ist bisher – geplant für einen kurzen Teilabschnitt von etwa einem Kilometer Länge – nur teilweise erfolgt. Drittens steht die Errichtung von Unterwasser-Sockeln an, die rund 200 Meter von der Küstenlinie entfernt unterseeisch die Wellen bremsen sollen und das Abfließen von Sand verhindern sollen. Diese Sockel sollen in Kolberg erst nach der Sommersaison 2011 errichtet werden, dann soll auch weiter im Meer noch einmal der Untergrund untersucht werden. Der vierte Teil der Maßnahmen ist die Sanierung und Erweiterung der bestehenden Küstenschutzmaßnahmen, vor allem des Deiches und der vorgelagerten Stein- und Betonschutzwälle. Dies ist teilweise erfolgt und soll später auch zum Schutz des Naturschutzgebiets in Kolbergs Osten dort neu ausgeführt werden. Eine Beschreibung der Küstenschutz-Planungen hat die Internetseite Kolberg-Café auf seinen Informationsseiten zu Kolberg zusammengestellt.

Statt Schätzen Munitionsreste gefunden

Nachdem die Arbeiten im Jahr 2010 begonnen hatten, musste das beauftragte Bauunternehmen die Tätigkeit oft unterbrechen: Man fand immer wieder Munitionsreste und Blindgänger. Die Arbeiten verzögerten sich dadurch derart, dass die Stadt einen privaten Räumungsdienst bezahlte, um die Räumung voranzutreiben. Doch die Zahl der Funde ließ die Kosten explodieren, so dass man am Ende das polnische Militär zu Hilfe rief. Dieses sperrte den Strand am 5. April 2011 und räumte fünf Kilometer Strand in einer Tiefe bis zu zwei Metern bis zum 17. Juni 2011. Dass ein so kurzfristiger Termin gehalten werden konnte, war zunächst nicht abzusehen. Entsprechend tief zeigten sich die Sorgenfalten bei den Hoteliers am Hauptstrand, die um die Einnahmen in der verkaufsstarken Sommersaison fürchteten. Die Hotelbetreiber konzipierten sicherheitshalber Ausweichlösungen wie Transferbusse zu anderen Strandabschnitten im Westen und Osten der Stadt. Unter den Gewerbetreibenden im Ort ist man nun besonders froh, dass der Strandbetrieb im Sommer 2011 kaum eingeschränkt sein wird – und der Strand nun als besonders sicher gelten kann.

Erste Erfolge

Auch in Sachen Küstenschutz stellen sich erste Erfolge ein. So gab Tomasz Bobin, Seeamts-Direktor des zuständigen Bezirks, in einem Interview an, dass bereits die neu errichteten Buhnen dafür sorgten, dass der Strand wieder wachse. Man habe bereits die ersten Zentimeter ohne Sandaufschüttung zurückgewonnen. Sollten die nach der Badesaison noch folgenden Maßnahmen, insbesondere die Unterwasser-Sockel, ebensolchen Erfolg zeigen, könnte hier ein beispielhaftes Küstensicherungsprojekt entstanden sein. Finanziert wurde dies übrigens unter anderem auch von der Europäischen Union.

Weitere Informationen zum Ostseeort Kolberg gibt es unter anderem auf der Internetseite Kolberg-Café

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