Lech Wałęsa: „Für Familie war keine Zeit“

Der Danziger Flughafen trägt den Namen Lech Walesas.

(Toruń, JE) In einem erstaunlich offenen und persönlichen Interview mit der Wochenzeitung Polityka nahm Ex-Präsident und Solidarnośćanführer Lech Wałęsa erstmals ausführlich Stellung zum im Herbst letzten Jahres veröffentlichten Buch seiner Frau Danuta mit dem Titel „Träume und Geheimnisse“. Das Buch wurde in Polen zum Bestseller – auch, weil es recht intime Details aus dem Leben der Wałęsas verriet. Danuta schildert darin unter anderem, wie ihr Mann sich jahrzehntelang in erster Linie um die Politik kümmerte und die Familie vernachlässigte. Nicht einmal Blumen hätte er ihr ab und zu mitgebracht. Es entsteht das Bild, dass die ehemalige First Lady an der Seite des Helden eine ziemlich unzufriedene Frau gewesen sein muss.

Das Interview mit Redakteurin Janina Paradowska dreht sich im Kern um die verschiedenen „Konzepte von Ehe“ Lechs und seiner Ehefrau. Der Ex-Präsident gibt an, bewusst eine Frau gesucht zu haben, die sich um die Kinder und den Haushalt kümmert, während er das Geld verdient bzw. die Welt verändert. Diese „bäuerliche“ Einstellung zur Ehe habe er von seinem Vater und Großvater geerbt und von diesem Rollenmodell möchte/kann er sich auch heute noch nicht (nicht mehr) lösen. Dass diese Aufteilung für Danuta ein Problem sein könnte, sei ihm erst nach Erscheinen des Buches klar geworden. Hätte er dies vorher gewusst, hätte er eine andere Frau geheiratet. Die geringe Aufmerksamkeit für seine Frau und die Kinder erklärt Wałęsa wiederholt mit Zeitmangel während seiner Zeit als international gefragter Politiker. Er konnte der Familie nicht mehr geben, die Freiheit und Demokratie Polens standen für ihn immer klar an erster Stelle.

Der schriftstellerische Erfolg seiner Frau behagt Wałęsa eindeutig nicht. An der einen oder anderen Stelle hätte Danuta sich „auf die Zunge beißen sollen“ – das Manuskript hatte Lech vor der Veröffentlichung nicht gelesen, weil er es als nicht wichtig erachtete… Dieses Versäumnis bereut Wałęsa jetzt, nicht aber die Art und Weise, wie er mit seiner Frau und Familie umging. Inzwischen würden die beiden „normal miteinander reden“ und eine eher partnerschaftliche Beziehung führen. Eine Trennung komme schon aus religiösen Gründen nicht in Betracht. Lech könnte sich jetzt auch vorstellen, politische Ambitionen seiner Frau zu unterstützen, gefallen tun ihm ihre neuen Aktivitäten aber ausdrücklich nicht.

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