Literarisches Experiment: Poesie auf Polnisch, Niederländisch und Deutsch

Projekt zur Übersetzung von Poesie am Rhein. Copyright: Kunststiftung NRW

Projekt in Aktion (hier: am Rhein). Copyright: Kunststiftung NRW

(Berlin, JO) Die Kunststiftung NRW hat neun Lyrikerinnen und Lyriker aus Polen, den Niederlanden und aus Deutschland in ein literarisches Experiment geschickt: Julia Fiedorczuk, Dariusz Sośnicki, Adam Wiedemann aus Polen, Hélène Gelèns, René Huigen, Erik Lindner aus den Niederlanden, Esther Kinsky, Marion Poschmann, Norbert Scheuer aus Deutschland haben sich der Herausforderung gestellt und gemeinsam mit den Übersetzern Pauline de Bok, Gregor Seferens und Grzegorz Zygadło ihre poetischen Texte übertragen. Nach Auftritten in Polen, im Rheinland und den Niederlanden kommen nun alle Beteiligten in Berlin zusammen, um die aus der gemeinsamen Arbeit entstandene Lyrik-Anthologie, herausgegeben von der Kunststiftung NRW, zu präsentieren. Polen.pl sprach mit Frau Fretter, Literatur-Referentin der Kunststiftung NRW.

Polen.Pl: Guten Tag Frau Fretter! Ist Ihr Experiment geglückt? Sind die Texte Ihrer Schriftsteller übersetzbar?

Porträt Dagmar Fretter

Die Interviewpartnerin: Frau Fretter

Ja, zu unserer großen Freude wurde ein sehr intensiver Übersetzungsprozess in Gang gesetzt, der sich über zwei Jahre hinzog und gerade erst mit den letzten Korrekturen an den Gedichten abgeschlossen wurde. Jetzt erscheint die von der Kunststiftung NRW herausgegebene Anthologie „alles ist! alles ist! alles ist nur was es ist – Lyrik an Oder und Rhein“ (Lilienfeld Verlag, Düsseldorf), in der die Ergebnisse schwarz auf weiß nachzulesen sind. Neben den Gedichten in den drei beteiligten Sprachen Deutsch, Polnisch, Niederländisch finden sich hier noch ein kluger Essay zum Übersetzen von Lyrik, Impressionen zur Reise und Gedanken zu einzelnen Gedichten.

Polen.Pl: Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, Übersetzer und Lyriker aus Polen, den Niederlanden und Deutschland zusammenzubringen?

Projekt zur Übersetzung von Poesie in Breslau. Copyright: Kunststiftung NRW

Projekt zur Übersetzung von Poesie in Breslau. Copyright: Kunststiftung NRW

Das Lyrik-Übersetzungs-Projekt wurde im Rahmen des Polen-NRW-Jahres von der Kunststiftung NRW ins Leben gerufen. Im Jahr 2011 stellte sich die Kulturszene Nordrhein-Westfalens in Polen vor, und im Folgejahr 2012 war die polnische Kultur zu Gast in NRW. Die Kunststiftung NRW war für die Literatur zuständig und entwickelte ein nachhaltiges Projekt, das die Förderschwerpunkte der Stiftung – Lyrik und Übersetzung – zusammenbringt. Gleichzeitig bildete es eine Art Fortsetzung eines literarischen Großprojektes aus dem Jahr 2004 – dem Jahr, in dem Polen der EU beitrat –, das Autoren, Übersetzer und Literaturvermittler aus Polen, Deutschland und den Niederlanden auf zwei Schiffsreisen auf der Oder und dem Rhein zusammenbrachte. Beteiligt waren damals das Kleist-Museum in Frankfurt/Oder, die Kunststiftung NRW und viele Literaturinstitutionen aus den drei Ländern.

Polen.Pl: Welches waren die größten Herausforderungen bei dem Projekt? Und gab es Dinge, die überraschend leicht waren?

Projekt zur Übersetzung von Poesie in Breslau. Copyright: Kunststiftung NRW

Diskussion in Breslau. Copyright: Kunststiftung NRW

Die größte Herausforderung neben der Sprache selbst waren die unterschiedlichen Auffassungen vom Übersetzen. Wie wortgetreu muss und wie nachdichtend frei darf eine Lyrikübersetzung sein – diese Frage wurde zwischen den Dichterinnen und Dichtern und ihren Übersetzerinnen und Übersetzern immer wieder leidenschaftlich diskutiert.

Überraschend einfach – trotz der verschiedenen Sprachen – waren die menschlichen Begegnungen. Es sind sehr schnell Freundschaften und Arbeitsbeziehungen entstanden, die auch nach Abschluss dieses Prozesses weiterbestehen.

Polen.Pl: Gibt es im Projekt Lieblingsworte und vielleicht welche, die man überhaupt nicht übersetzen kann?

Ein bestimmtes nicht übersetzbares Wort fällt mir gerade nicht ein. Deswegen haben wir ja Dichter als Übersetzer gewählt. Es gab aber zum Beispiel lange Diskussionen über die im Gedichtkontext angemessene Übersetzung des Vogels „Gawron“. Sollte er im Deutschen Rabe, Dohle, Saatkrähe oder Krähe heißen? Die hüpfende oder stolzierende Bewegung des Tieres wurde betrachtet, und verschiedene Tierlexika wurden zu Rate gezogen. Es ist schließlich „Krähe“ geworden

Polen.Pl: Planen Sie noch weitere Projekte mit Polen?

In der Literatur aktuell nicht, wir sind aber sehr an einem weiteren Austausch interessiert. Im Bereich der visuellen Kunst hat die Kunststiftung NRW gerade einen jungen bildenden Künstler aus Polen in Köln zu Gast.

Wer Interesse am Projekt hat: Unter dem Titel Lyrik an Oder und Rhein lädt die Landesvertretung Nordrhein-Westfalen in Berlin am 12.09.2013 um 19:00 Uhr zur Präsentation der entstandenen Lyrik-Anthologie. Informationen über die Stiftung unter www.kunststiftungnrw.de.

Anmeldung bei lesung@lv-bund.nrw.de oder per Fax unter: 030 27575-162.

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