Maut macht Ärger in Polen

Brücke von Deutschland nach Polen in Frankfurt/Slubice. Foto: Polen.pl (JW)

Mautpflichtige Strecken in Polen vorher überprüfen

(Berlin, JW) Die Maut für LKW, Wohnmobile und andere Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Gewicht hat uns bereits des häufigeren beschäftigt. So erreichten uns viele Zuschriften verunsicherter oder ohne Mautbox gefahrener Reisender in Polen (siehe unser Beitrag zu Maut-Strafen), so waren viele auf der Suche nach Informationen über die Funktionsweise des Mautsystems. Und manche Frage tat sich insbesondere im Rahmen der Einführung auf. Alles in allem schien das System bisher einen stabilen Eindruck zu hinterlassen. Doch nun häufen sich Berichte über Probleme mit Technik und System.

Polnische Logistiker gehen auf die Barrikaden

Es berichtet etwa das Internetportal der Zeitung Rzeczpospolita über gemeldete Mängel am System, welches von der österreichischen Firma Kapsch installiert wurde. In dem Bericht wird auch der Anbieter zitiert, der die Mängel für ‚in einem normalen Rahmen‘ hält: Diesem zufolge sollen sich nur rund 3.000 bis 5.000 Nutzer des Mautsystems namens ‚Viatoll‘ beschwert haben. Das sei nur ein kleiner Teil gegenüber den sehr vielen problemlosen Nutzungen. In den Beschwerdefällen habe man sich in der Regel kulant gezeigt und auch gegebenenfalls bei berechtigten Beschwerden die Gebühren verzinst zurückgezahlt.

Die Beschwerdeführer stellen nach eigener Aussage Probleme bei der Abrechnung fest. So würden Strecken und Streckenabschnitte teilweise mehrfach berechnet. Ein Unternehmen sollte dem Bericht zufolge rund 100.000 Zloty Strafe zahlen, weil ein Fahrer des Unternehmens 33 Meßstellen ohne Abrechnung passiert habe. Daraus ergab sich die Strafhöhe von 33 mal 3.000 Zloty. Ein anderes Unternehmen berichtet von einem Fall, bei dem für ein Fahrzeug bei einer einzigen Durchfahrt durch die Dreistadt Gdansk-Gdynia-Sopot (Danzig, Gdingen, Zoppot) angeblich über 200 Meßstellen abgerechnet wurden. Die Kritik hat auch den Dachverband der Spediteure OPZTD (Ogólnopolski Związek Pracodawców Transportu Drogowego) bewogen, ein Schreiben an die  betroffenen staatlichen Stellen zu senden, in dem das Aussetzen von Strafverfahren aufgrund von Mautverstößen gefordert wird. Adressaten des Briefes waren die Leitung der Polizei, der Zolldienste und der Transportkontrollbehörde, so berichtet der Dachverband auf seiner Internetseite. Auch der der Minister fuer den Bereich Transportwesen, Cezary Grabarczyk, wurde informiert; dieser soll eine unabhängige Prüfung des Systems veranlasst haben. Die Strafverfolgung, so wird überlegt, soll nun tatsächlich erst nach Prüfung der Kritik wieder in vollem Umfang aufgenommen werden.

Nicht ausreichende Kennzeichnung mautpflichtiger Strecken

Weiterhin bezieht sich die aufkommende Kritik am Mautsystem auf die Beschilderung. Insbesondere ausländische Fahrer würden durch die nicht ausreichende Kennzeichnung mautpflichtiger Strecken manchmal unnötig bestraft: Eine bessere Markierung hätte offenbar in vielen Fällen dafür sorgen können, dass nicht ortskundige Fahrer sich entweder eine Viatoll-Box installiert hätten oder andere Routen genutzt hätten – eine Erfahrung, die uns auch einige Leser geschildert haben. Besonders, wer mit einem Umzugswagen, einem größeren Campingwagen oder einem anderen Fahrzeug über 3,5 Tonnen Gewicht in Polen unterwegs ist, sollte sich nach dem aktuellen Kenntnisstand bereits vor der Fahrt über die gebührenpflichtigen Strecken informieren. Das ist auf der Viatoll-Internetseite auch auf Deutsch möglich. (www.viatoll.pl)

Ein weiteres Problem des Systems ist eher rechtlicher Natur: Strafzahlungsverpflichtet ist der Fahrer (Polnisch: kierowca) des ohne Mautbox fahrenden Fahrzeugs, laut Gesetz. Die Gebühr richtet sich hingegen an den Straßennutzer (Polnisch: korzystający z drogi), was gerade im Transportgewerbe in der Regel der Inhaber des Speditionsunternehmens ist. Dieses eher juristische Problem kann sich allerdings bei LKW-Fahrern schnell zu einem Konflikt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auswachsen – oder aufgrund des Rechtsfehlers sogar die Eintreibung der Strafzahlung erschweren. Denn: Wer muss nun bei Auftragsfahrten tatsächlich zahlen?

Lob gibt es im Artikel der Zeitung allerdings für die Einführung des ähnlich aufgebauten TollCollect-Systems in Deutschland: Dort habe man Kritik riskiert – und auch einstecken müssen – weil die Einführung des Systems verschoben wurde. Dabei wurden aber wenigstens die technischen Mängel abgestellt, so dass mit Inbetriebnahme ein weitgehend fehlerfreies System bereitstand.

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*