Mehr Verkehr auf die Straße: Neuer Linienbusanbieter

Foto eines Fahrzeugs des neuen Buslinienbetreibers Polskibus.com. Foto: Polskibus.com

Ein Fahrzeug des neuen Buslinienbetreibers. Foto: Polskibus.com

(Berlin, JW) Lederausstattung, mobiler Internetzugang, Ladestationen an den Sitzen, Klimaanlage: Was sich wie die Ausstattungsliste einer hochwertigen automobilen Limousine oder der Beschreibung der Business-Class einer Fluggesellschaft liest, beschreibt das Angebot eines neuen Linienbus-Betreibers aus Polen. Mit der Firma ‚PolskiBus.com‘ ist vor kurzem ein neuer Wettbewerber in das Rennen um den Linientransport zwischen Polen und – unter anderem – Deutschland eingestiegen. Das Unternehmen, das in seiner Strategie dem ‚Megabus‘-Vorbild aus den USA, Kanada und Großbritannien entspricht, sieht sich selbst als ‚qualitätsorientierten Preisbrecher‘. Mit starken werblichen Aktivitäten scheint der Marktstart gelungen zu sein.

Wettbewerb um Kunden

Es ist nicht so, dass es bisher keine Anbieter für die Busstrecken zwischen Deutschland und Polen gegeben hätte: Unternehmen wie ‚Sindbad‘ oder ‚Eurolines‘ (es gibt noch einige weitere) arbeiten jedoch nach einem etwas anderen Konzept. Online-Buchungen und günstige Tarife, die auch nach Nachfrage und Verfügbarkeit gestaffelt sein können, haben sie teilweise auch im Programm. Eine Serviceorientierung und aufwändige Fahrzeuge – wie PolskiBus.com sie verspricht – stehen dort allerdings nicht im Fokus. Dafür bieten die anderen Anbieter mehr Haltestellen und fahren mit vielen Stationen fast durch das ganze Land, während der neue Anbieter eher auf schnelle Direktverbindungen setzt – und daher weniger Haltestellen anfährt.

Wer einmal am späten Abend an einem Busbahnhof einer größeren Stadt zwischen Bayern und Berlin stand, wird schon die dort ein- und ausfahrenden Linienbusse nach Polen entdeckt haben: Reisebusse unterschiedlichster Güte und Qualität mit Beschriftungen wie ‚Deutsche Touring‘ oder ‚Eurobus‘ fahren ein, nehmen einige Fahrgäste auf und steuern die nächste Stadt an. So kann es schon einige Stunden dauern, bis so ein Bus von zum Beispiel Hannover bis Warschau kommt. Zumal auch auf polnischer Seite mehrfach gestoppt wird.

Polskibus versucht ein anderes Modell: Mit wenigen Halteorten, in Deutschland zurzeit ausschließlich Berlin, will man die Fahrgäste rasch von einer Metropole in die andere fahren. Günstig und mit Tarifen, die an die Preismodelle von Billigfluglinien erinnern. So gibt es theoretisch Tickets ab einem Zloty – jeweils zuzüglich einem weiteren Zloty Buchungsgebühr. Je früher man das Ticket online erwirbt, desto größer ist die Chance auf so ein Preisschnäppchen.

Werbeversprechen – oder tatsächlich billig?

In der Praxis, auch das erinnert an Billigflieger, wird man doch ein wenig mehr für sein Ticket bezahlen. Bei unseren Tests für Berlin-Warschau-Verbindungen lag der Schnitt bei 50 Zloty. Kurzfristige Buchungen konnten auch schon deutlich über 100 Zloty kosten, aber selbst zu Weihnachten sind noch 10 Zloty-Tickets zu haben. Übrigens wird auf der auch auf Deutsch verfügbaren Internetseite auch der jeweils in Euro umgerechnete Preis angezeigt. Im Vergleich zu  anderen Busreiseanbietern können die Preise damit schon als günstig gelten. Wie immer lassen sich Tarife natürlich schwer vergleichen, da auch andere Anbieter mit Aktionen ködern. In unseren Checks schnitt der neue Anbieter tatsächlich fast immer günstiger ab, und das sogar im Vergleich zu den Regeltarifen der Bahn. Selbst für Bahncardbesitzer hat,  bei Buchung in Deutschland, der Busanbieter häufig einen Preisvorteil.

Komfort, Reisezeit und Routen

WLAN-Hotspot im Bus. Foto: Polskibus.com

WLAN-Hotspot im Bus. Foto: Polskibus.com

Im Vergleich zu den bestehenden Buslinienofferten hat sich Polskibus recht klar abgegrenzt: Weniger Flexibilität in Bezug auf die Haltestellen, dafür schneller am Ziel. Auch in Sachen Komfort hat man nicht gespart, und neue Busse angeschafft. Die doppelstöckigen Modelle eines niederländischen Herstellers sollen komfortabel und geräumig sein – und glänzen nagelneu in roter Farbe. Im Vergleich zur Bahn muss man mehr Fahrtzeit einkalkulieren, man wird aber – wie zum Beispiel auch im gar nicht mal so unkomfortablen Berlin-Warszawa-Express – auch mitten in die Stadt gefahren: Ein echter Vorteil gegenüber den meist außerhalb der Stadt liegenden Flughäfen.

Ein ‚Hub-System‘, also die Weiterverteilung von Busfahrgästen auf andere Busse für unterschiedliche andere Zielorte, praktizieren quasi alle Buslinienbetreiber. So auch der Neuling: Von den Hauptzielen von Berlin aus – das sind Łódź (Lodsch), Poznań (Posen) und Warszawa (Warschau) – kann man dann etwa nach Gdańsk (Danzig), Bydgoszcz (Bromberg) oder Lublin weiterreisen. Die Gesamtübersicht über die Ziele haben wir unten beigefügt. Auch andere Länder werden angesteuert: Zum Beispiel Wien in Österreich oder Prag in der Tschechischen Republik und Bratislava in der Slowakei.

Zielgruppen und Marktakzeptanz

Der Betreiber des Unternehmens sieht unter anderem Geschäftsleute, Studierende und auch ältere Menschen als Zielgruppe. Die Buchung kann ausschließlich online erfolgen; die dazugehörige Internetseite erinnert nicht umsonst an die von Billigfluganbietern – sie ist ähnlich übersichtlich strukturiert. Bis auf kleinere Übersetzungsfehler beispielsweise bei der Fahrtzeitangabe auf der Internetseite  kann man sicher konstatieren: Marketingseitig hat Polskibus so einiges richtig gemacht. Der Auftritt wirkt ‚aus einem Guss‘ und hat eine klare Botschaft: Busreisen gibt es hier ohne Schnickschnack.

Mehr Verkehr auf der Straße?

Umweltschützer mögen bei dieser Zwischenüberschrift aufschrecken: Das klingt nicht gut. Noch mehr Verkehr auf den Straßen, gerade den ohnehin nicht gerade unterbelasteten polnischen Autorouten. Die Frage, ob das neue Angebot eher förderlich oder eher schädlich sei, lässt sich nicht einfach beantworten: Möglicherweise nutzen manche ‚Sonst-Bahnfahrer‘ nun das neue Angebot, weil es für sie preisliche oder andere Vorteile bietet; vielleicht wird sogar die eine oder andere Fahrt zusätzlich unternommen. Allerdings: Vielleicht wird mit dem neuen Dienst, bei dem man immerhin auch in Gepäckstück und ein Handgepäck transportieren darf, sogar die eine oder andere PKW-Fahrt überflüssig. Der Anbieter stellt weiterhin die moderne Fahrzeugflotte mit ökologisch ausgerichteten Motoren mit den in den Vordergrund seiner Kommunikation; sicher vor dem Hintergrund der auch in Polen regen Umweltschutz- und Schadstoffdiskussion in Sachen Autoverkehr. Auch wenn die bestehenden Linienanbieter sicher nicht erfreut über den neuen Anbieter Polskibus sein werden: Der Wettbewerbsdruck auf die Transportalternativen steigt damit auf jeden Fall, was möglicherweise – und voraussichtlich – für die Kunden nur gut sein kann.

Mehr Informationen zu Polskibus unter www.polskibus.com und auf Polnisch auf der Facebook-Seite unter www.facebook.com/PolskiBus

 

 

Polen

International

Warszawa

Gdansk

Lublin

Poznan

Berlin

Bialystok

Katowice

Lodz

Szczecin

Bratislava

Bydgoszcz

Kielce

Ostroda

Torun

Prag

Czestochowa

Krakow

Pila

Wroclaw

Wien

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

  • ...leider gibt es hierzu keine verwandten Themen.
Comments
  1. Linus
  2. Chris
  3. Jens
  4. Katarina
  5. Jens Hansel

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*