Mit Optimismus die Sache anders angehen

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Neu: GdpN-Sasiedzi

(Berlin, JW) Christian Schmidt ist ein sympathischer und offener Mensch. Der hochgewachsene, sportliche Potsdamer wirkt auf den ersten Blick ruhig, aber wenn er auf sein aktuelles Vorhaben zu sprechen kommt, blüht er geradezu auf: Man kann sich gut vorstellen, dass solch ein Naturell mitreißend auf die Mitmachenden wirkt. Natürlich würde Schmidt bei dieser Beschreibung in aller Bescheidenheit darauf verweisen, dass noch viele andere beim ‚Vorhaben‘ dabei sind. Doch er ist für viele einfach das Gesicht der Initiative GdpN-Sąsiedzi. Um diese Organisation mit dem Zungenbrecher-Namen geht es heute.

Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft – Sąsiedzi e.V. heißt der frischgebackene Verein in vollem Namen. Seit dem 17. August 2013 gibt es ihn formal. Dieser Verein ist Schmidts Vorhaben und natürlich auch das all der anderen Mitglieder. Was daran ist so spannend, dass wir diesem Vorhaben einen ganzen Beitrag widmen? Es ist nicht ein Grund, sondern es sind zwei: Die Abgrenzung, wie sich dieser Verein im Vergleich zu anderen sieht und damit einen Hinweis auf den Zustand oder besser die Veränderung in den deutsch-polnischen Vereinsaktivitäten gibt und die Perspektiven und Chancen, die  aus dieser Initiative entstehen.

Augenhöhe ist das Stichwort

Spricht man mit Schmidt, so fällt das Wort ‚Augenhöhe‘ reichlich oft. Auffällig oft; denn wertet man all die Sonntagsreden der letzten Monate zu den deutsch-polnischen Beziehungen einmal nach Worthäufigkeit aus, so dürfte ‚Augenhöhe‘ wohl auch unter den zehn am meisten verwendeten Worten sein. Fragt man Schmidt danach, was das Vorhaben ‚GdpN-Sąsiedzi‘ denn nun von anderen deutsch-polnischen Initiativen unterscheidet, fällt die Antwort differenziert aus. Zum Beispiel seien viele ältere Vereine und Initiativen zwar mit ähnlichen Zielen ausgestattet, aber in der Arbeit oft sehr auf einzelne Themenbereiche fokussiert. Und dann kommt die ‚Augenhöhe‘: Einige Initiativen seien in der Zeit entstanden, als noch ‚Hilfe für Polen‘ und ‚Förderung in Polen‘ zentrale Aufgaben waren. Diese Denkweise in ‚Polen-Unterstützung‘ und ‚Care-Paketen für Polen‘ sei vielfach noch nicht ganz verschwunden, würde es aber insbesondere jüngeren Interessierten schwer machen, sich bestehenden Gruppen anzuschließen und sich für diese zu engagieren. Genau das will der neue Verein von Anfang an anders machen.

Praktisch statt intellektuell

GdpN-Gründungsfoto. Quelle: GdpN-Sasiedzi

Die Gründung des Vereins. Quelle: GdpN-Sasiedzi

„Wir möchten künftig Impulsgeber und Motor für deutsch-polnische Aktivitäten sein, in dem wir beispielsweise zum Stehen gekommene Prozesse wieder anstoßen, in Politik und Gesellschaft“ sagt Schmidt. Hehre Ziele, schöne Worte: Doch wie soll das funktionieren? Auf die Frage gibt es von den GdpN-Aktivisten die Antwort: Ganz praktisch. Das soll heißen, dass im Gegensatz etwa zu den zahlreichen auf die akademische Elite ausgerichteten Veranstaltungen ganz konkrete auch niedrigschwellige Angebote entstehen sollen.

Regional, zunächst in den Regionen Brandenburg (speziell Potsdam), Słubice, Gubin, Warszawa (Warschau) und auch Berlin, sollen Polen und Deutsche bei attraktiven Veranstaltungen zum Kennenlernen zusammenkommen. Die Ideen umfassen Kochveranstaltungen, Literaturabende, Sportveranstaltungen, Fahrradtouren mit Picknick, Filmabende, gemeinsamer Besuch oder gar die Organisation von Veranstaltungen wie Andrzejki oder Oktoberfest und Termine zu typischen Landesbräuchen wie dem 1. November in Polen oder Kinderfeste. Manche Vorstellung wurde bereits umgesetzt oder ist geplant. Hinzu kommt der Gedanke eines Vereinslebens, in dem es um die persönliche Beziehung zwischen den Mitgliedern geht, vor allem bei Treffen und gemeinsamen Ausflügen. Wenn es um die Zielgruppe geht, nennt Schmidt ganz konkret die Deutsch-Polnischen Gesellschaften, um die Besonderheit von  GdpN-Sąsiedzi zu beschreiben: „Es ist gut und ein wunderbarer Erfolg auch der DPGen (Anmerkung Autor: Deutsch-Polnische Gesellschaften) und anderen Akteure, dass 75 Prozent der Intellektuellen ein positives Bild von Polen haben. Das hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung mit dem ISP Warszawa (Warschau) herausgefunden. Viele, nicht alle Veranstaltungen der DPGen sind eher akademisch ausgerichtet, wobei sich die regionalen Organisationen da sehr unterscheiden. Wir möchten die Zivilgesellschaft ansprechen, die nicht zu Podiumsdiskussionen oder Vortragsveranstaltungen kommt. Wir möchten Polen präsenter machen in den Regionen. Im Übrigen auch Deutschland in Polen. Wir möchten Kontakt und Berührungsfläche schaffen und die Menschen zumindest öffnen.“  Der Verein hat nach Angaben Schmidts heute Angestellte, Unternehmer, Beamte und Arbeitslose – und ist damit eben nicht auf Migranten, Akademiker, Deutschland, Polen beschränkt. Die Altersgruppe umfasst heute Menschen zwischen 25 und 65 Jahren, was ebenfalls ein Unterschied beispielsweise zu manch anderen Aktivenverbänden ist.

Ergänzung statt Verdrängung

GdpN-Veranstaltung. Foto: GdpN-Sasiedzi

Bei einer GdpN-Veranstaltung

Schmidt ist sich bewusst, dass für einige Beteiligte schon ein gewisser Verdrängungswettbewerb um deutsch-polnische Themen entbrannt ist. Der entzündet sich oft am medialen Echo der einzelnen Aktionen, aber vor allem an den in diesem Themenbereich sehr knappen Fördermitteln für Initiativen. Den Menschen hinter GdpN-Sąsiedzi ist wichtig, dass sie sich dabei nicht als Konkurrenten zu bestehenden Initiativen sehen. Sie betonen das Ergänzende: „Wir sehen uns als Ergänzung zu den bestehenden Vereinen. Der hohe Zuspruch, der mir bei vielen vielen Gesprächen mit Menschen und Vertretern von Organisationen entgegenkommt, bestätigt uns in der Auffassung, dass es einen Bedarf für solch einen Verein, wie unserer Gesellschaft, gibt.“

Aber was steckt wirklich dahinter, hinter den Worten, die man schon bei einigen Initiativen hörte? Drei Gruppen sind es, eine in Potsdam, eine in Frankfurt (MOL) / Slubice, eine in Guben / Gubin. Ziel ist, in weiteren Städten – auch Warschau – Gruppen entstehen zu lassen. Zwei bis fünf feste Mitglieder besitzt heute jede Gruppe, die von Potsdam etwas mehr. Als ‚Service‘ bietet der Verein eine Vernetzung und das Best-Practice-Modell; also zum Beispiel Veranstaltungskonzepte. Fördergelder werden zunächst nicht avisiert.

Zwei wesentliche Unterschiede zu manchen bestehenden Organisationen findet man hier also: Der Versuch, zunächst möglichst ganz ohne Fördergelder und nur mit dem Netzwerkgedanken auszukommen. Und der Ansatz, Gruppen in beiden Ländern auf Augenhöhe agieren zu lassen. Besonders Letzteres ist aus meiner Sicht tatsächlich sehr selten; ich kann mich noch erinnern, wie wir in einem Verein für politische Bildung mit starken Aktivitäten in Polen in den Neunzigern die Gründung eines polnischen Partnervereins begleiteten: Dieser bestand aktiv kein Jahr, dann hatten gesellschaftliche und formale Rahmenbedingungen für ein Aus gesorgt. Sollte das also gelingen, würde es die ‚Augenhöhe-Diskussion‘ mit Leben füllen. Allein das wäre ein berichtenswertes Ergebnis.

Zusammenarbeit erwünscht

Schmidt betont den Wunsch zur Zusammenarbeit mit Aktiven und Vereinigungen, die ähnliche Ziele verfolgen und die Idee sympathisch finden, gemeinsam mehr zu erreichen. Das kann und muss gelingen, damit die  Regionalgruppen wachsen können. Besonders in Polen werden noch Menschen gesucht, die aktiv werden wollen, zum Beispiel in Warschau. Ein erstes Auftakttreffen in Berlin fand ein positives Echo: Polen und Deutsche aus Polen sowie Polen und Deutsche aus Deutschland waren unter den 25 Teilnehmern. Es kamen Menschen aus Warschau, Kielce, Słubice, Gubin, Frankfurt (Oder), Neuzelle, Wriezen, Strausberg, Potsdam und Berlin. Auch der Polnische Sozialrat e.V. Berlin (Polska Rada Społeczna) nahm durch seine Anwesenheit Notiz von dem Vorhaben. Für Schmidt Grund genug festzustellen: „An Engagement und Optimismus mangelt es uns allen nicht, um unser Kennenlernen voranzutreiben und damit weiter Vorurteile abzubauen“. 

Wer sich für GdpN-Sąsiedzi interessiert, findet weitere Informationen auf der Internetseite gdpn-sasiedzi.org und einen Informationsdienst auf Facebook (www.facebook.com/gdpns).

 

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