Münster-Tatort polarisiert mit Polen-Klischees

Ein Kürbisfeld. Photo: Polen.pl (JH)

Kürbis- statt Spargeldfeld: In Anbetracht der Jahreszeit konnten wir kein Spargelfeld mehr fotografieren. Photo: Polen.pl (JH)

(Kommentar) Die am Abend des 10. Oktober 2010 in der ARD ausgestrahlte Tatort-Sendung mit dem Titel Spargelzeit hat durchaus das Zeug, zu polarisieren: In der TV-Sendung, die zu den beliebten Münster-Tatort-Folgen zählt, wird mit Klischees und Tatsachen rund um den Stereotyp des polnischen und rumänischen Spargelstechers gearbeitet.

In dieser Folge der Tatort-Reihe geht es um einen aktuellen Mord und eine länger zurückliegende Vergewaltigung der Tochter des Mordopfers. Die auf dem Hof des Mordopfers lebenden rumänischen und polnischen Spargelstecher geraten natürlich auch in den Fokus der Ermittlungen. Besonders ein polnischer Mitarbeiter einer früheren Spargelstecher-Gruppe, der im Tatjahr auf einem anderen Hof tätig ist, spielt eine wichtige Rolle: Es stellt sich später heraus, dass er ein Liebesverhältnis mit der Ermordeten hatte.

Bei der Darstellung der Lebenssituationen und dem Verhalten der Protagonisten wird aktiv mit Klischees gearbeitet: Schlechte Arbeitsbedingungen gehören offenbar grundsätzlich dazu, aber auch ein aggressiver Ton zwischen den rumänischen und polnischen Arbeitern – hier begründet durch die ökonomische Konkurrenz unter Verweis auf die aktuell schlechtere Beschäftigungslage im für viele Polen wirtschaftlich interessanten Irland und Großbritannien. Besonders aber sticht die Fremdenfeindlichkeit in dem porträtierten Dorf ins Auge.

Einige Zuschauer fragen sich nun, ob dieser Tatort einen – zum Zeitpunkt des Drehs – verfrühten Beitrag zur in Deutschland aufgeflammten Integrationsdebatte liefern will: Will man sagen, dass die hier unvorteilhaft fremdenfeindlichen dargestellten Dorfbewohner ihren Beitrag zur mangelnden Integration leisten? Will man sagen, dass die untereinander feindlich gesinnten Kurzzeit-Immigranten sich selbst die Integration schwer machen, oder gar nicht wünschen?

Natürlich, der Tatort schafft einen Gegenpol, indem auf jeder Seite mindestens ein Charakter eine Gegendarstellung versucht: Da ist der kriminelle Dorfpolizist aus Deutschland, ein Vergewaltiger. Und da ist der vernünftige, selbstreflektierende und attraktive Pole, der das Verhältnis mit dem Mordopfer hat. Doch trotz allem bleibt die Frage: Ist die Auseinandersetzung mit Klischees dadurch, dass man diese Klischees abbildet und nachzeichnet, geeignet? Kann man so Klischees und Stereotypen abbauen, oder wäre es nicht der bessere Weg, diese – in der Gesellschaft zweifellos vorhandenen – Vorurteile in Unterhaltungssendungen auszublenden?

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