Ein bisschen singen, das kann jeder…

Bier im Plastikbecher am Strand. Foto: Polen.pl (JW)

Soll ja bekanntlich helfen beim singen...

(Toruń, JE) Mit dem Patriotismus ist das so eine Sache. Die Polen haben eigentlich kein Problem damit, ihre Gefühle fürs Vaterland offen zu zeigen. Nur mit dem patriotischen Singen scheint es irgendwie zu hapern. Dirigent Krzesimir Dębski in der Gazeta Wyborcza auf die Frage, ob die Polen ihre Hymne gut singen würden: „Nein, wir sind eine unmusikalische Nation […]. Sogar Fangesänge klingen bei uns wie aus einem Maschinengewehr abgefeuert […]. Ich denke, unsere musikalische Passivität ist Ausdruck einer generellen Unfähigkeit zum Handeln in der Gruppe. Musik erfordert Disziplin: Zusammen wird begonnen, zusammen wird geendet. Und bei uns – alles Individualisten!“

Da muss was getan werden, dachte sich die beliebte Tageszeitung und startete eine Kampagne zur Wiederbelebung der polnischen Hymne – Sie wissen schon: „marsz, marsz Dąbrowski…“. Die Leser erfahren Details über das Lied und seine Geschichte, können ihre eigenen Erfahrungen mit der Hymne beschreiben und sich von bekannten Persönlichkeiten erzählen lassen, welche Gefühle sie beim Singen des „Mazurek Dąbrowskiego“ hegen. Beispiel gefällig? Reporterin: „Stimmt es wirklich, dass Ihnen die Tränen in die Augen steigen, wenn Sie die Hymne hören?“ Lech Wałęsa: „Ja. Ich reagiere immer so. Es rührt mich. Ich kann das nicht zurückhalten“.

Partner der GW scheint bei dieser Initiative zur Revitalisierung der Hymne die Brauerei Warka zu sein. Zumindest flankieren ihre Werbungen sowohl die wöchentlichen Zeitungsdoppelseiten als auch die eigens dafür errichtete Internetseite. Ich habe mal draufgeklickt. Warka möchte, dass wir vor der Euro 2012 fleißig die Hymne üben, damit wir während des Turniers die polnische Mannschaft ordentlich anfeuern können. (Warka ist offizieller Sponsor der polnischen Fußballnationalmannschaft.) Und wenn man eine eigene Kostprobe einsendet – die sich dann jeder auf der Homepage anhören kann –, gibt’s wahrscheinlich was zu gewinnen. Bei so viel Unterstützung darf man wohl vorsichtig optimistisch sein, was die Zukunft der Hymne angeht.

Neue Begeisterung für die Hymne schön und gut, dachte sich dagegen die polnische Rockband Złe Psy (Böse Hunde) – wir machen was eigenes! Mit dem Lied Polska (urodziłem się w Polsce)Polen (Ich wurde in Polen geboren) wollten sie ihrem Patriotismus bzw. Nationalstolz Ausdruck verleihen. In Opole, dem Wohnort des Leadsängers, kam es jedoch zum Eklat als die lokale Radiostation sich weigerte, das Stück zu spielen. Der Text sei chauvinistisch, hieß es. Der Text gibt im Grunde genommen nicht besonders viel her, die Wörter Polska, polski, polskie oder w Polsce dominieren, allerdings gibt es auch Zeilen wie: „Allen um uns herum zeigen wir, wie man kämpft, wie man gewinnt“ oder „Wie Ritter, wie Soldaten, wenn es sein muss, bin ich hochmütig, nur, nur an Polen glaube ich“.

Ich würde sagen, dass ist wie im Fernsehen oder in der Zeitung, ein bisschen zuspitzen darf man. Zum Mitsingen verleitet der Song jedoch nicht und das ist die schlechte Nachricht. Klingt zu sehr nach Maschinengewehr.

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