Nein, es ist kein Meckerblog: wiW! (Teil 2)

 Autobus in Warschau. Foto: Polen.pl (BD)

Wohnen in Warschau? Teuer. Außerhalb? Auch keine Alternative? Darüber macht sich Marta Gedanken.

(Warschau, MM) Es geht weiter mit dem Thema Wohnen in Warschau. Ich bin immer noch am Erkunden von Sielce. Weiß immer noch nicht, was hier den sozialen Klebstoff ausmacht. Sicher sind es nicht einfach nur Projekte wie Sezon na Sielce, obwohl sie vielversprechend klingen. Erschreckend ist aber in Warschau die Wohnungssuche selbst: Agenturen sind gar nicht so vertrauenswürdig wie man meinen würde, die Mieten auf dem Markt sind mittlerweile vergleichbar mit Brüssel – eine 1-Zimmerwohnung kann zwischen 1200 PLN und 1600 PLN kosten, also 300-400 Euro.

Um meinen Wohnungs-Bestpreis von 250 EURO musste ich schon meine 40 Minuten lang verhandeln. Argumente? Möbel aus den 70ern, Fenster aus den 70ern, die schönen alten Holzdielen total ungepflegt. Die Vermieter haben damit argumentiert, dass sie ja auch seit 30 Jahren (hallo, 2012 – 1970 = 42!!!) vermieten. Ehm, ja, na und? Sie haben mir schlussendlich eine Waschmaschine gegönnt (ja, die gab es auch nicht, und auch kein Bett), dafür verstellt das halbe Wohnzimmer eine gigantische Möbelwand – anders auch Wohnwand genannt. Kennt ihr das? Sicher nicht, aber die gibt es hier noch. Das sind sozusagen alle Möbel, die man normalerweise separat kaufen würde, in einer eine Wand verstellenden Kombo. Toll, nicht wahr? Egal, dass man die Hälfe nicht nutzt.

Dank der tollen mieter-freundlichen Preisen wohnen auch die meisten in WGs. Das heißt nicht, dass man viel pro Zimmer sparen kann, so 200 PLN vielleicht, deshalb schlagen sich alle um die kawalerkas (also 1-Zimmer-Wohnungen). Meine war innerhalb von 3 Stunden weg vom Markt.

Es ist leider nicht so lustig, wenn man Student ist oder den Mindestlohn verdient (gerade mal 1400 PLN, also rund 350 Euro). Es kommt oft vor, dass man mit einer oder zwei Personen in einem Zimmer wohnt auch nach dem Studium. Die Kaufpreise von Wohnungen sind auch hoch, also kaufen die wenigsten Wohnungen. Das wäre aber eine gute Investition, solange man schwer an Kredite kommt und Leute sich auch die Miete leisten können, denn dann kann man ja weiter vermieten. Die Wohnungen aus zweiter Hand, die jetzt erschwinglich sind, sind meistens Bauten aus den 70ern, die leider nicht wirklich ihren Preis wert sind (große Platte – nicht Ziegel). Man unterscheidet selten zwischen Plattenbauten aus den 70ern und 80ern, die sich die meisten kreativen 30-jährigen, die hier ihre Standard-4000-5000 PLN brutto im Monat verdienen, mit kleiner oder großer Hilfe der Eltern und Familie, auch leisten können, die aber in 20 Jahren nichts wert sind. Was bleibt, sind die Kredite. Außer man arbeitet im Finanzsektor, da verdient man den europäischen Standard plus Boni in Filialen der fremden Banken und kann sich auch eine Bleibe im Marktwert von einer sagenhaften Höhe von bis zu 1 Million PLN leisten.

Der Trend ist, sich eine sehr gut bezahlte Arbeit zu suchen, die meistens auch auf Provisionsbasis viele Boni einbringt und es einem (eher Paar – es gibt hierzulande noch keinen Produktmarkt für Singles sagen Experten ) ermöglicht, sich ein Ein-Familien-Haus zu bauen – außerhalb der Stadt. Das bedeutet: Riesenkredit, das Paar braucht zwei Autos, muss früh aufstehen, um rechtzeitig zur Arbeit  zu kommen und meistens die Kinder noch zur Kita/Schule zu bringen, dafür atmet man frische Luft, wenn man schon mal Zeit hat, die zu genießen. Dieses Haus bedeutet nämlich auch, dass man einfach weniger Zeit hat und in endlosen Staus die Nerven verliert. Den Vorstadt- oder Suburbs-Trend könnte man ja gut verstehen, wenn es einen guten Anschluss gäbe, die Stadt sieht wohl darin keinen Sinn.

Ja, es soll kein Meckerblog werden (oder ist er es schon?). Aber die/der liebe(r) LeserIn soll ja auch den polnischen Flair verstehen. Der nächste Beitrag deshalb: zur Figur des Kunden auf dem polnischen Markt..

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  1. Bartek
  2. Robert Parzer

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