Neuentdeckung: Piroggen-Reservat in Berlin

Das Filafood in der Warschauer Straße

Das Filafood in der Warschauer Straße

(Berlin, JW) ‚Filafood‘ steht draußen an dem kleinen Geschäft mit dem großen Schaufenster. Darunter ist zu lesen, dass hier die ‚Welt der Kanapkas‘ zu finden ist. Ein Hinweis auf Polnisches, immerhin. Die moderne Schaufensterwerbung zeigt eine Skyline, auf der man prägnante Berliner und Warschauer Gebäude erkennen kann. Später wird uns Filafood-Inhaber Grzegorz Fila erklären, dass eine der häufigsten Fragen neuer Kunden lautet: ‚Was heißt Filafood eigentlich?‘

Und die zweithäufigste Frage ist schon die, ob es wirklich polnische Gerichte sind, die man hier bekommt – und die so gut schmecken. Wir haben uns mit Dorota und Grzegorz getroffen, die Ende 2010 das kleine polnische Bistro ‚Filafood‘ in der Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain eröffneten. Das Interview führte Jens für Polen.pl.

Interview im Filafood

Filafood – das ist ein ungewöhnlicher Name für ein Bistro. Wie seid Ihr darauf gekommen?

Grzegorz: Das fragen uns fast alle (lacht). Der Name scheint eine gute Idee gewesen zu sein. Vielleicht hätten wir es Kowalski-Food nennen sollen, dann wäre das mit der polnischen Küche deutlicher geworden. Aber im Ernst: Mein Nachname ist nun mal Fila, und wir wollten einen Namen für unser Bistro, der nicht so traditionell-folkloristisch polnisch klingt. ‚Restauracja Fila‘ wäre so etwas gewesen. Wir wollen gern auch Menschen ansprechen, die sonst noch nichts mit polnischer Küche zu tun hatten, oder dabei nur an fettige und deftige Fleischgerichte denken. Unsere ‚moderne polnische Küche‘, wie es schon jemand genannt hat, sollte einen weniger vorbelegten Namen bekommen.

Klar, da war auch der Traum vom eigenen Geschäft mit dem eigenen Namen. Und ‚Filafood‘ eignet sich auch für die geplante Expansion in die ganze Welt (lacht). Wieder im Ernst: Der einzige Nachteil, den der Name bisher mit sich brachte, ist die Assoziation mancher Menschen beim Wort ‚Food‘. Viele denken dann direkt an ‚Fast Food‘, obwohl ‚Food‘ ja auch gutes Essen beschreibt.

Ein polnisches Bistro in Berlin? Oder ein Bistro, das zufällig auch polnisches Essen anbietet? Was ist Filafood?

Dorota: Eindeutig ein polnisches Bistro in Berlin. Auch, wenn wir das ‚Polnische‘ nicht auf einem großen Schild vor uns hertragen.

Jetzt muss ich es aber wissen: Was genau gibt’s bei Euch zu kaufen?

Piroggen im Filafood in Berlin. Foto: Polen.pl (JW)

Piroggen im Filafood

Grzegorz: Angefangen haben wir mit Zapiekankas. Und ein paar süßen Dingen, zum Beispiel die ‚Rurki z kremem‘ – mit Sahnecreme gefüllte Waffelröllchen. Traumhaft! Später haben wir Piroggen dazu ins Programm genommen, seit kurzem auch Buletten auf polnische Art und – eher unpolnisch – Quiche. Wir haben ein gutes altes Kochbuch mit tollen Rezepten, die wir auch modernisiert anbieten. Im kommenden Herbst planen wir auch polnische Suppen für unser Angebot.

…und was verkauft sich am besten?

Grzegorz: Eindeutig Piroggen. Die Quarkpiroggen, ‚Ruskie‘, gefolgt von den Spinatpiroggen. Im Ranking folgen dann unsere Kanapkas und die Röllchen. Letztere haben wir übrigens ‚Warschauer Röllchen‘ getauft, weil unser Geschäft an der Warschauer Straße ist. Der Standort hat sich zwar zufällig ergeben, passt aber natürlich toll zu einem polnischen Bistro.

Wenn man Eure Werbung sieht, merkt man erstmal nichts von polnischer Küche. Habt Ihr Angst, dass das abschrecken würde?

Dorota: Naja, viele Menschen denken bei polnischer Küche an traditionell-schwere Küche. Und wir möchten alle überzeugen. Wer sich auskennt, erkennt natürlich schon an der Werbebeschriftung ‚Welt der Kanapkas‘, woher der Küchenwind weht. Wer genauer hinschaut, erkennt an der Schaufensterbeschriftung auch Teile der Warschauer Skyline. Und wer hereinkommt, sieht die Poster polnischer Städte an den Wänden. Wir führen unsere Besucher sozusagen langsam an die polnische Herkunft unserer Speisen (lacht). Und mehr und mehr haben wir auch Stammkunden, die polnische Wurzeln haben oder schon in Polen waren und die polnische Küche schätzen gelernt haben. Es spricht sich herum.

Wissen die Kunden dann wirklich, dass sie polnisch essen? Oder ist das auch egal?

Dorota: Die meisten wissen es. Stammkunden sowieso, und das sind die meisten. Touristen kommen selten zu uns: Die essen lieber Döner oder Pizza. Allerdings wohnen viele Italiener in der Nähe, die Piroggen lieben, weil die ja wie größere Ravioli schmecken (lächelt). Bei unseren polnischen Kunden sind wir nur noch ‚die polnische Bar in der Warschauer Straße‘. Das freut uns natürlich!

Eine mir sehr wichtige Frage: Macht Ihr die Piroggen selbst?

Grzegorz: Natürlich! Nicht nur die Piroggen, alles. Auch das Brot für die Kanapkas backe ich selbst, ich bin ja gelernter Konditor. Ich würde gern noch mehr mit Torten und Kuchen anbieten, aber dafür ist die Café-Dichte hier zu groß.

Das polnische Bistro 'Filafood' in Berlin. Foto: Polen.pl (JW)

Polnisches an der Warschauer Straße - in Berlin

Wirklich, alle Piroggen selbst gemacht? Ich mache auch manchmal selbst Piroggen, arbeitsaufwandsmäßig ist das für mich ein Tagesprojekt.

Grzegorz: Man entwickelt eine gewisse Routine. Zu zweit schaffen wir 250 Piroggen pro Stunde. Aber es ist uns wichtig, die Produkte selbst herzustellen. Auch wenn viele Restaurants auch in Polen mittlerweile Convenience-Artikel nutzen: Ich bin überzeugt, dass selbstgemacht besser ist.

Warum heißen die Zapiekankas bei Euch Kanapkas?

Dorota: Wir dachten, dass Zapiekanka etwas zu schwer auszusprechen ist. Kanapka versteht man auch in Deutschland eher, ist aber ein einprägsamer Begriff für die leckeren überbackenen Brote.

Grzegorz: Ich möchte nicht, dass sich unsere Kunden die Zunge verbiegen müssen, um Worte aussprechen zu können.

Ihr verkauft auch auf dem Markt?

Ja, immer Samstags haben wir einen Stand auf dem Markt am Boxhagener Platz. Dort verkaufen wir die Röllchen und andere süße Speisen. Eventuell kommen noch zum Herbst auch ‚Piroggen zum Mitnehmen und Zuhausekochen‘ dazu.

Was wünscht Ihr Euch von Euren Kunden?

Grzegorz: Erstmal natürlich noch viele mehr solch‘ netter Kunden, wie wir schon haben. Und gern auch, dass unser Angebot der Tortenbestellung (wirft ein) – wir backen auf Bestellung natürlich polnischen Kuchen, aber auch andere Torten, unser Renner ist ein herrlicher Schokokuchen – noch öfter angenommen wird. Das spricht sich erst langsam herum.

Dorota: Ich wünsche mir von unseren Kunden vor allem, dass es ihnen bei uns schmeckt!

Dorota, Grzegorz: Vielen Dank für das Gespräch. Uns hat es geschmeckt, sehr sehr gut sogar. Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg!

Wer diesen Geheimtipp der modernen polnische Küche einmal testen möchte, wird in Berlin fündig: Das Bistro ‚Filafood‘ liegt in der Warschauer Straße 16. Es ist sehr gut mit der Straßenbahnlinie M10 zu erreichen, vom S-Bahnhof Warschauer Straße und vom U-Bahnhof Frankfurter Tor ist es auch nicht allzu weit. Geöffnet ist täglich von 9 bis 20 Uhr, Sonntags ist Ruhetag. Das sei Dorota und Grzegorz auch gegönnt.

Filafood, Warschauer Straße 16, Anfahrt zum Beispiel mit der Tram M10 (Grünberger Straße)

Telefon: 0049 (0) 176 67614134, eine Internetseite entsteht noch unter filafood.de

 

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