Per Smartphone durch Polen: Test einer neuen Reise-App

Smartphone mit aktivierter 123poi-App. Foto: Polen.pl (JW)

Die 123poi-App soll bei der Reise unterstützen

(Berlin, JW) Wir wollen mal nicht zu viel versprechen: Nicht ernsthaft haben wir eine komplette Polen-Reise durch alle Regionen mit einer neuen ‚Reise-App‘ für unser Smartphone getestet, sondern nur stichprobenartig an ein paar Orten damit ausprobiert, was heute so möglich ist. Aber wir wollen auch nicht zu wenig versprechen: Ein nützlicher Test des ‚Reise-Werkzeugs‘, so wollen wir es mal nennen, war uns schon wichtig. Einerseits sind wir (nicht nur die Team-Mitglieder männlichen Geschlechts, das muss betont werden) einfach neugierig, wie hilfreich diese modernen Smartphones im Urlaub wirklich sein können, zum anderen hat uns der Anbieter für einen unabhängigen Test (die Unabhängigkeit ist Voraussetzung für uns bei solchen Tests, und das muss auch gesagt sein) einen 25-Euro-Gutschein für seinen Onlineshop versprochen. Und das ist doch wieder spannend für uns: So haben wir etwas für unsere geplante Verlosung. Aber dazu mehr in ein paar Wochen. Jetzt geht es erst einmal um den Test.

Punkte des Interesses: 123POI

Ja ja, die Marketingexperten und ihr Fachvokabular: Point of Interest heißt heute eben eine Sehenswürdigkeit oder irgendetwas anderes, was sich lohnt, zu besuchen. ‚PoI‘ also, weil das niemand immer ganz aussprechen möchte. Und der Anbieter der hier getesteten App – das Medienhaus Mairdumont – spricht bei seiner App von einem ‚innovativen Projekt“, dessen wichtigstes Merkmal sei, „die Points of Interests (PoIs) aggregiert“ bereitzustellen. In Zeiten, in denen jedes Waschmittel innovativ und mit einer ‚unique selling proposition‘ (einzigartigem Verkaufsvorteil) ist, gibt man erst einmal nicht mehr viel auf solche Behauptungen.

Bei nüchterner Betrachtung: Es geht um ein kleines Programm, das auf dem Smartphone installiert oder auf dem Rechner aufgerufen, reiserelevante Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Einrichtungen, Institutionen, Versorgungsangeboten und dergleichen mehr mit dem richtigen regionalen Bezug herstellt. Aber: Das ist ja schon mal ziemlich gut. Also quasi wie ein Reiseführer, der automatisch auf die richtige Seite blättert und dazu noch Informationen anderer Nutzer des Programms mit bereitstellt. Bleibt die Frage, wie gut die Informationen sind: Das Ganze hilft nur, wenn man wirklich nützliche und einigermaßen vollständige Angaben darüber aufrufen kann. Der Anbieter verspricht, dass er durch die Kombination von mehreren Informationsquellen seiner Marken (u. a. Marco Polo, DuMont Reise, Baedeker) und externe Partner eine große Menge von Inhalten zu über viereinhalb Millionen ‚PoI’s anbieten könne. Das probieren wir gleich noch aus.

Die Technik

Auf dem iPhone haben wir das Ganze getestet, und das auf einem betagteren Modell. Für Polen.pl-Redakteure ist ein niegelnagelneues Smartphone natürlich nicht drin. Aber wieder im Ernst: Auf dem iPhone 3G funktioniert die App denn auch tadellos. Zumindest in Deutschland. In Polen haben wir aus Kostengründen den Datentarif meistens ausgeschaltet, damit wir uns in Zukunft vielleicht noch mal ein neues Gerät leisten können und nicht jeden Cent in Internetgebühren stecken. Im Ausland funktioniert das Ganze natürlich aufgrund des Online-Zugriffs nur, wenn man entweder einen bezahlbaren Auslands-Datentarif sein eigen nennt oder einen kostenfreien drahtlosen Internetzugang findet. Und das ist wiederum in Polen viel weniger kompliziert als in Deutschland: Beinahe jedes Café, Restaurant, viele Stadtverwaltungen und manche Geschäfte bieten ein Gratis-WLAN ohne Anmeldung an. Und das ist wieder gut für unsere App: Alle Funktionen werden damit verfügbar. Wer gar kein Apple-Telefon nutzt, soll in Kürze die gleiche 123POI-App auch in einer Android-Version herunterladen können, ebenfalls kostenfrei.

Beim Probieren fielen uns bei der Technik ein paar kleinere Probleme auf; da der Anbieter noch im Teststadium ist, können diese sicher noch behoben werden: So funktionierte die Ortung per GPS zwar, sortierte uns aber irgendwie dann doch falsch ein – ein paar Postleitzahlen oder Straßen daneben. Außerdem wurden die gefundenen ‚PoI’s nicht sinnvoll sortiert, sondern ziemlich weit entfernte standen weit vorn.

Karten, Beschreibungen, Bewertungen, Kontaktmöglichkeiten

Im Wesentlichen bestehen die Informationen zu den ‚PoI’s aus Landkarten mit Routenplanungsfunktionen, kurzen Beschreibungstexten, Bewertungen von anderen Nutzern und Kontaktmöglichkeiten.

Was das bedeutet, beschreiben wir so, wie wir es getestet haben: Wir sitzen gerade gemütlich in einem Café am Marktplatz von Kolobrzeg (Kolberg). Das Wetter ist gut, die Stimmung auch, die Unternehmungslust steigt. Unter kritischen Blick der Sitznachbarn ziehen wir verschämt das alte iPhone-Modell aus der Tasche und starten mit einem Fingerdruck die App. Diese möchte natürlich gleich wissen, ob sie unseren Standort verwenden darf. Okay, da das sinnvoll scheint, wird eben ‚Ok‘ geklickt. Und schon weiß unser Smartphone, in welcher Straße sich das Café befindet, in dem wir sitzen – was man ja von anderen Apps kennt. Auch – wie man es kennt – kann man einen anderen Standort angeben. Aber: Wenn man das tut, zum Beispiel über die Eingabe eines Ortes mit Straße, muss man noch auf den Punkt auf der Landkarte klicken. Das ist etwas ungewohnt, weshalb wir das anfangs einige Male vergessen haben und uns über einen völlig falschen Ort gewundert haben.

Aber zurück zu unserem Cafébesuch. Auf dem kleinen Bildschirm des Telefons erscheinen nun verschiedene Sehenswürdigkeiten in der Umgebung. Nur so zum Spaß geben wir einmal als Suchkriterium ‚Leuchtturm‘ ein. Zwar möchten wir dort gar nicht hingehen – es ist uns dort heute etwas zu trubelig – aber das Ergebnis ist schon verwunderlich: Vorgeschlagen wird ein nahegelegenes Hotel, das nicht mal am Leuchtturm liegt. Ein Versuch mit ‚Café‘ bringt leider nur zwei Ergebnisse, aber immerhin. Wenn auch in der Umgebung mindestens 20 Cafés sind. Besser läuft es mit ‚Restaurant‘: Dort bekommen wir für Kolobrzeg eine Auswahl von vielen Restaurants, unter denen allerdings auch viele Hotelrestaurants sind. Aber das passt schon. Nun haben wir weder Cafédurst noch Hunger, denn wir sitzen ja noch vor unserem Rest des Sernik (Käsekuchen) im Café. Auch der Begriff ‚Sport‘ im Sucheingabefeld bringt keine vollständige Übersicht über Möglichkeiten vor Ort; im Gegenteil: Magere zwei Ergebnisse. Etwas nervig auch: Wenn man einmal im Textfeld ist, muss man immer ‚Return‘ klicken, um wieder zurück auf die vorherige Bildschirmansicht zu gelangen.

Bleiben wir bei der vorbelegten Eintragung ‚Sehenswert‘ erscheint eine Liste von vielen Möglichkeiten, unter denen tatsächlich Sehenswürdigkeiten sind – aber auch Banken oder Geschäfte. Das erscheint uns nicht ganz logisch, ebenso eine fehlende Klassifizierung: Die polnischen Bezeichnungen der Geschäfte – etwa ‚Platny Strzezony‘ oder ‚Ul. Budowlana‘ – sind vor allem für nur deutschsprachige Besucher nicht gerade sprechend. Schön wäre, wenn noch der Typ der Eintragung (Geschäft, Bank, Restaurant, Schwimmbad…) angezeigt würde, und wenn ein Bild vorhanden wäre. Dafür, so sagt der Anbieter, gäbe es in Kürze die Möglichkeit, selbst Fotos zu Sehenswürdigkeiten hochzuladen; eine gute Idee: Dann dürfte sich das Bildarchiv rasch füllen. Fraglich ist nur, wie qualitätsgesichert wird, dass nicht plötzlich der Kolberger Leuchtturm an Stelle des Kolberger Doms zu sehen ist?

Auch die Neuanlage von ‚PoI’s soll per App möglich sein, was – eine kritische Masse an Nutzern vorausgesetzt – auch eine schnelle ‚Wikipedia-artige‘ Aktualisierung von Informationen ermöglichen könnte. Damit könnte auch eines unserer größten Probleme mit Reiseführer-Tipps bald der Vergangenheit angehören: Nicht aktuelle Informationen beispielsweise zu Restaurants, Öffnungszeiten oder Preisangaben.

Alles hängt an den Infos – und den Nutzern

Wir halten fest, dass uns das Konzept der App gefällt. Die Funktionen der App sind übrigens auch unter 123poi.com abrufbar und können dort in gleicher Weise getestet werden. Im Grunde erhält man mit dem Werkzeug einen kleinen mobilen Reiseführer als Ergänzung für den Teil gedruckter Reiseführer, der sehr schnell veraltende Informationen enthält: Restaurants, Cafés, Eintrittspreise und so weiter sind elektronisch tendenziell aktueller zu halten, als bei gedruckten Werken. Das kollaborative Mitarbeiten an den Inhalten ist ebenfalls eine gute Idee: Wie bei der Wikipedia können dann durch viele Helfer gute Inhalte entstehen. Voraussetzung: Genug Menschen machen mit. Ob das geschieht, ist ebenso offen wie die Frage, wie gut es dem Anbieter gelingt, noch weitere Inhalte zusammenzustellen. Vom bisherigen Inhalt für Polen sind wir noch nicht ganz überzeugt; auch in Warschau fehlen noch viele ‚PoI’s beziehungsweise sind nur sehr knapp und ohne Foto beschrieben. Für Berlin sieht das schon etwas besser aus, ist aber auch noch nicht perfekt. Ein paar kleinere Punkte der Bedienbarkeit (insbesondere die Ortsauswahl, die Filterung und vor allem die Rangreihung der Ergebnisse erscheinen uns noch nicht ganz logisch) sollten ebenfalls noch gelöst werden, bevor die App groß auf den Markt geht. Ansonsten: Eine gute Sache, eine hilfreiche Unterstützung bei der Reise – wenn noch mehr Inhalte dabei sind.

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