PKP Cargo geht als erstes staatliches Bahnunternehmen Europas an die Börse

Logo des polnischen Güterverkehrsunternehmens PKP Cargo

Logo des polnischen Güterverkehrsunternehmens PKP Cargo

(Bottmingen, HF) Das polnische Gütertransportunternehmen PKP Cargo wird das erste staatliche Bahnunternehmen in Europa, das an die Börse geht. Am 8. Oktober 2013 wurde der entsprechende Wertpapierprospekt veröffentlicht. Auf dem Warschauer Aktienmarkt dürfte dies das größte Debut des laufenden Jahres werden.

Im Rahmen einer Teilprivatisierung will die Muttergesellschaft PKP SA (ehem. Polskie Koleje Państwowe, dt. Polnische Staatsbahnen) von seiner Tochtergesellschaft PKP Cargo 50 Prozent der über 43 Millionen Aktien, abzüglich einer Aktie verkaufen, um damit etwa 380 Millionen Euro einzunehmen. Mit den Erlösen beabsichtigt die Holdinggesellschaft PKP SA, einen Teil ihrer der Schulden zu begleichen; gut ein Drittel bis zur Hälfte der zukünftigen Gewinne soll für Dividendenzahlungen an die Aktienbesitzer verwendet werden.

Größtes Güterbahnunternehmen Polens

PKP Cargo ist das größte Bahn-Güterverkehrsunternehmen in Polen, es besitzt dort einen Marktanteil von sechzig Prozent, zudem ist es nach DB Schenker das zweitgrößte Frachtunternehmen Europas. Ende 2012 besaß PKP Cargo fast 2500 Lokomotiven und 64000 Güterwagen.

Hoffnung auf institutionelle Anleger

Die Angestellten von PKP Cargo erhalten die Möglichkeit zehn Prozent der gesamten Aktien zu kaufen, individuelle Investoren können zwanzig Prozent erwerben, die restlichen Aktien sollen an institutionelle Käufer veräußert werden. Es ist jedoch noch unklar, wer diese strategischen Käufer sein könnten. Da PKP Cargo von der Verkehrsleistung her das zweitgrößte Güterverkehrsunternehmen in Europa ist, dürfte die Europäische Union jeglichen Verkauf von Aktien an DB Schenker blockieren. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) wird bis zu 7.5 Prozent übernehmen.

PKP Cargo rappelt sich hoch

Bereits im März 2011 hatte die polnische Regierung ihre Absicht bekundet, PKP Cargo zu privatisieren. Der Frachttransporteur wurde 2008 von der ökonomischen Krise stark getroffen und schrieb in jenem Jahr einen Betriebsverlust von fast 500 Millionen Zloty, der aufgrund von Reformen und Entlassungen im darauffolgenden Jahr auf knapp 180 Millionen Zloty reduziert werden konnte. Mittlerweile schreibt PKP Cargo schwarze Zahlen, allerdings halbierte sich aufgrund der Wirtschaftskrise der Nettogewinn im ersten Halbjahr 2013 auf 77 Millionen Zloty.

Polnische Rentenkassen als Aktienkäufer?

Die Zeichnungsfrist für PKP Cargo-Aktien läuft noch bis zum 22. Oktober; innerhalb dieser Zeit können interessierte Investoren auf den Kauf dieser Aktien in der vorgegebenen Preisspanne von 50 bis 74 Zloty pro Aktie bieten. Dann wird entschieden, welche Bieter die herauszugebenden Wertpapiere zu welchem Preis erhalten, so dass der Börsenhandel mit PKP-Cargo-Aktien am 30. Oktober 2013 aufgenommen werden kann. Nachdem die polnische Regierung angekündigt hat, zur Begrenzung des Haushaltsdefizit die polnischen Rentenkassen ihrer verzinslichen Wertpapiere zu berauben, dürfte dieser Börsengang auch ein erster Test für die Nachfrage der Kassen nach Aktien sein.

PKP Cargo will DB Schenker Paroli bieten

Im August sagte Łukasz Boroń, CEO von PKP Cargo, der Agentur Reuters, dass man nach dem Börsengang weitere Unternehmen erwerben wolle, um dem europäischen Marktführer Deutsche Bahn Paroli bieten zu können. Man würde vor allem auf jenen Märkten Unternehmen erwerben, wo man bereits aktiv sei; neben Polen seien dies Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Österreich, Deutschland und Belgien. Zudem möchte PKP Cargo polnische Treibstofftransporteure kaufen.

Politischer Impuls in die Region

Die Europäische Entwicklungsbank EBRD geht davon aus, dass dieser Börsengang auch andere Regierungen ermutigen könnte, das Frachtgeschäft der früheren Staatsbahnen zu privatisieren; zudem könnte es in Polen dazu führen, dass auch andere Töchter der PKP SA privatisiert werden.

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  1. Ronald Schulze
  2. halina

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