Polen hinkt bei Breitbandverbindungen hinterher

Anschluss ans Internet mit einem DSL-Router-Kabel. Foto: Polen.pl (JW)

Es steht nicht zum Besten mit der Internet-Verfügbarkeit in Polen

(Berlin, JW) Wer nicht online ist, gilt als abgekoppelt. Wer langsam online ist, hängt immer ein bisschen hinterher. So zumindest ist die Wahrnehmung und Interpretation der Nutzbarkeit des Internets: Immer häufiger wird die Verfügbarkeit und Qualität als Indikator für gesellschaftlichen Fortschritt und Grundvoraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg gesehen. Deshalb muss eine Statistik von Eurostat zu denken geben, die aufzeigt, dass Polen in der Europäischen Union in Bezug auf die Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen an das Internet deutlich hinterherhinkt. Google, der bekannte Anbieter von Internetdiensten, visualisiert die Eurostat-Daten in einem Tool sehr komfortabel – und zeigt damit die Defizite sehr deutlich.

16 Prozent haben schnellen Internetzugang in Polen

In der Statistik wird ein Breitbandinternetzugang so definiert, dass er mindestens 144 kBit/Sekunde übertragen kann. Und von solchen Anschlüssen gibt es in Polen 16 auf 100 Einwohner (Stand der Daten: Januar 2011). Selbst wenn man davon ausgeht, dass ein Haushalt mehr als eine Person umfasst und damit ein Anschluss von mehreren Einwohnern genutzt wird, ist das immer noch deutlich weniger als im Schnitt der Europäischen Union: Dort sind es nämlich 26,5 auf 100 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland entfallen sogar 32 schnelle Internetzugänge auf 100 Einwohner, in den Niederlanden und Dänemark über 38. Selbst in Litauen und Lettland sind mehr Breitbandanschlüsse pro Einwohner verfügbar als in Polen. Polen liegt in etwa gleichauf mit Bulgarien, nur Rumänien ist noch schlechter ausgestattet.

Übrigens lässt sich aus den Zahlen auch ersehen, dass die 16 Breitbandanschlüsse pro 100 Einwohner in Polen dafür sorgen, dass 61 Prozent der Haushalte Zugriff haben. In Deutschland sind es dagegen 78 Prozent. In Griechenland aber nur 40 Prozent, und das bei 19,9 Anschlüssen auf 100 Einwohner. Der Umkehrschluss: Die vorhandenen Anschlüssen werden in Polen recht effizient genutzt, da die Haushalte offenbar größer ausfallen. Übrigens: Langsamere Internetzugänge wie ISDN oder Modem-Zugänge sind in Polen mit 5 Prozent ähnlich gering verbreitet wie in Deutschland mit 4 Prozent auf Haushalte gerechnet.

Von daheim aus nutzen 58 Prozent der Polen das Internet, im Vergleich zu 77 Prozent in Deutschland. 37 Prozent surfen in Deutschland am Arbeitsplatz, aber nur 18 Prozent in Polen; sieben Prozent der Deutschen hingegen gehen an der Schule oder Universität online, aber neun Prozent der Polen.

Nicht mit mobilen Zugängen zu erklären

Wer in Polen schon einmal im Internet surfte oder andere dabei beobachtete, weiß: Die Nutzung mobiler Zugänge ist erheblich verbreiteter als in Deutschland. Viele Menschen nutzen keinen Festanschluss, sondern nur ein Mobiltelefon oder einen USB-Stick für den mobilen Internetzugang per Computer. Doch auch diese Verbindungen sind mittlerweile deutlich schneller als die von Eurostat definierte Mindest-Breitbandgeschwindigkeit. Vielfach wird sogar erst von ‚Breitband‚ (Link zu Wikipedia) gesprochen, wenn 2.048 kBit/Sekunde erreicht werden. Diese ganzen Zahlen sollen sagen: Die vergleichsweise geringe Zahl der Breitbandverbindungen in Polen lässt sich auch kaum mit einem anderen Nutzungsverhalten erklären.

Dazu passt auch die Zahl der Internet-Nichtnutzer: Diese lag 2011 in Polen bei immerhin 33 Prozent, in Deutschland dagegen bei 16 Prozent. Bulgarien, Portugal, Griechenland, Rumänien und Italien haben einen noch höheren Nicht-Internetnutzer-Anteil. Es gibt also nicht unbedingt einen direkten Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit der Anschlüsse und der ‚Internetverweigerung‘. Dennoch sollten die Zahlen zu denken geben, zumindest ausgehend von der These, dass der Zugang zum Internet ein im internationalen Wettbewerb relevanter Aspekt sein dürfte.

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  1. Jens

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