Polen trauert: Flugzeugabsturz – Präsident Kaczyński tot

(Berlin, JW) Der polnische Präsident Lech Kaczyński ist heute bei einem Flugzeugabsturz in Russland ums Leben gekommen, bei dem etwa 100 Menschen starben. Das Land Polen trauert.

Eine offizielle Mitteilung wurde unter anderem durch den Gouverneur der Stadt Smolensk gegeben. Diese übertrugen auch polnische Medien wie der Fernsehsender TVP. Auch das russische Fernsehen und viele ausländische Medien berichten bereits über Details des Absturzes. Es gibt Vermutungen, wonach durch den Nebel beim Landeanflug auf Smolensk das Flugzeug vom Typ Tupolew 154 nach einem ersten Landeversuch die Bäume des Waldes gestreift und Feuer gefangen haben soll. Alle Passagiere des Flugzeugs sind nach offiziellen Angaben ums Leben gekommen, die Angaben über die Zahl der Insassen schwanken zwischen 88 und 131. Weitere wichtige Akteure in der polnischen Politik und Wirtschaft befanden sich an Bord, beispielsweise sollen der Zentralbankpräsident Sławomir Skrzypek, der stellvertretende Außenminister Polens und Kaczyńskis Ehefrau ebenfalls in dem Flugzeug gesessen haben.

Besonders tragisch ist der Zusammenhang mit dem Anlass der Reise: Das Dienstflugzeug war mit Kaczyński und einer polnischen Delegation auf dem Weg zur Gedenkfeier nach Katyn. Der russische Ort Katyn sorgte gerade in der letzten Zeit erneut für schwieriges politisches Fahrwasser zwischen Polen und Russland. In Katyn nahe Smolensk sind vor 70 Jahren über 4.000 Kriegsgefangene ermordet worden, insgesamt wurden in dieser Zeit über 20.000 polnische Offiziere und Vertreter der bürgerlichen Elite durch den sowjetischen Geheimdienst ermordet. Der Name des Ortes Katyn steht stellvertretend für diese Morde: das dortige Massengrab wurde zuerst entdeckt und symbolisiert die damaligen Massaker. Dieser Zusammenhang wird sicher noch politische Diskussionen zur Konsequenz haben und die Verschwörungstheoretiker aller Seiten mit Anlässen für neue Spekulationen versorgen.

Um die genaue Unfallursache zu ermitteln, hat der russische Präsident Medwedjew eine Untersuchungskomission angeordnet.

Auch wir vom Polen.Pl-Team trauern um die Opfer des Flugzeugabsturzes.

Ergänzung des Beitrags: 12:45 Uhr
Die offizielle Startliste des Fluges ist bekannt gemacht worden. Darauf erscheinen 89 Namen. Ein Passagier ist nicht eingestiegen. Neben den Eheleuten Kaczynski sind darunter auch der Vizepräsident des Parlamentes Krzysztof Putra, der Vizepräsident des Parlamentes und Präsidentschaftskandidat der linken SLD Jerzy Szmajdzinski und der Vizepräsident des Senats Krystyna Bochenek, die Abgeordneten Wasserman, Gosiewski, Izabela Jaruga-Nowacka, der Chef des Büros für nationale Sicherheit Aleksander Szczyglo sowie Anna Walentynowicz, die Legende des polnischen Arbeiterstreiks in der Danziger Werft im August 1980, deren Leben Volker Schlöndorff zu einem Film inspiriert hatte.
Die schon aufgekommenen Spekulationen über den schlechten technischen Zustand der 2o Jahre alten Maschine russischer Herstellung Tupolew TU-154 flauen ab, denn diese wurde offenbar vor kurzem generalüberholt und  Zeitungsberichten zufolge für weitere zwei Jahre zum Verkehr zugelassen. Die Ursachenvermutung „schlechte Witterungsbedingungen, insbesondere sehr begrenzte Sichtverhältnisse“ tritt immer mehr in den Vordergrund.

Ergänzung des Beitrags: 17:00 Uhr

Die genaue Zahl der Opfer ist noch nicht offiziell bestätigt. Es wird zurzeit von 96 Menschen an Bord der verunglückten Maschine ausgegangen. Alle Insassen des Flugzeugs sind bei dem Absturz ums Leben gekommen, die Leiche von Präsident Kaczynski wurde bereits geborgen. Eine einwöchige Staatstrauer beginnt heute in Polen. Die Amtsgeschäfte hat in Polen vorübergehend der Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski übernommen, der in den kommenden zwei Wochen einen Termin für die neuen Wahlen ankündigen wird. Es gibt unbestätigte Ankündigungen, dass der Premierminister von Russland, Putin, und der Premierminister von Polen, Tusk, am heutigen Abend eine gemeinsame Pressekonferenz geben. In jedem Fall wird es ein Treffen zwischen Tusk und Putin geben, dies wurde bereits bestätigt.

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