Polen und Portugal touristisch gleichauf

Hohe Tatra im Herbst, Blick auf die Gipfel. Foto: Polen.pl (JW)

Touristisch von Urlaubern aus Deutschland noch unentdeckt: Die polnische Tatra

(Berlin, JW) Dass darauf noch keiner der Wirtschaftsjournalisten gekommen ist? Dabei wäre die Schlagzeile doch boulevardträchtig: ‚Po-Po-Länder liefern sich Duell’. Nun, im Ernst: In den letzten Tagen kamen, häufiger im ökonomischen Kontext, Vergleiche zwischen Portugal und Polen auf, etwa im Wirtschaftsblatt.at. Doch in diesem Artikel geht es um den Tourismus. Nach einer aktuellen Studie des ADAC liegen, wie in der Wirtschaft so auch bei der Reiseland-Präferenz der Deutschen, Polen und Portugal gleichauf.

Studie führt Polen erstmals einzeln auf

Polen wird erstmals separat – unterhalb der Rubrik Osteuropa – ausgewiesen. Zumindest, soweit wir wissen. 1,3 Prozent der Befragten aus Deutschland, die 2013 eine mindestens fünftägige Haupturlaubsreise planen, fassen Polen oder Portugal ins Auge. Zum Vergleich: Spanien führt mit 13 Prozent, gefolgt von Italien, Österreich und der Türkei. Weniger als 1,3 Prozent finden Slowenien, Bosnien und Serbien als Ländergruppe interessant für den ‚großen Jahresurlaub’. Die Schweiz liegt mit 2,5 Prozent Nennungen schon beinahe doppelt so hoch wie Polen – und Portugal. Die Deutschen finden Polen also nach wie vor vergleichsweise uninteressant als Urlaubsziel für längere Reisen.

Fernreisen weniger reichweitenstark

In Konkurrenz zu den Fernreisen sehen die polnischen Zahlen dann schon wieder weniger dramatisch aus: Nur die USA, der ‚Ferne Osten’, Ägypten und die Karibischen Inseln übertreffen die Quote von 1,3 Prozent Nennungen, etwa der Orient, Australien oder Kanada liegen darunter. Natürlich ist die Zahl der Fernreiseinteressierten generell niedriger, schon allein aufgrund der Kosten. Nichtsdestotrotz gibt es auch eine Konkurrenz zwischen europäischen und ‚fernen’ Zielen. So könnte man sagen, dass 2013 mehr Menschen Polen als Urlaubsziel im Auge haben als etwa Kanada. Allerdings: Die Urlauber gehen für europäische Reisen auch von einer Gesamtsumme von unter 2.300 Euro aus, für Fernreisen werden im Schnitt fast 4.000 Euro eingeplant. Andererseits verneinen über 50 Prozent der Befragten, dass Sie bewusst ein preiswertes Urlaubsland auswählen, um zu sparen. Der Preis scheint also wahrlich nicht das einzig entscheidende Argument für ein Reiseland zu sein.

Anreise und Reisezeit

Allgemein wertet die Studie aus, welche Präferenz Urlauber in Europa gegenüber dem Verkehrsmittel zur Anreise und der Reisezeit haben. Die Verkehrsmittelwahl der deutschen Reisenden dürfte den ADAC freuen: Mehr als die Hälfte möchte mit dem Auto fahren. Bahn, Bus und Schiff sind abgeschlagen hinten, während das Fliegen mit knapp 39 Prozent noch ein wichtiges Verkehrsmittel ist. Gereist wird in Europa primär zwischen Mai und September. Interessant: Urlauber ohne Kinder ziehen den Urlaub in Osteuropa gegenüber solchen mit Kindern vor; bei Wohnmobilurlaubern taucht Polen ebenfalls nicht in der Liste der interessantesten Länder auf.

Image Polens als Ursache

Nun könnte man denken, dass Polen für kürzere ‚Zweitreisen’ besser abschneidet als bei der Frage nach dem Haupturlaub. Der ADAC-Studie folgend: Nein. Hier unterscheidet die Untersuchung nicht einmal zwischen Osteuropa und Polen; vielleicht aufgrund der geringen Prozentzahl von 2,8 Prozent Nennungen für Osteuropa als Zweiturlaubsziel.

Woran das liegt, darauf könnte die Imageuntersuchung im Rahmen der ADAC-Studie Hinweise geben. Dort taucht in keiner Imagedimension Polen unter den ersten fünf Plätzen auf. Das bedeutet, dass weder bei Familienurlaubern, Preisbewussten, Individualisten oder Kultur-Urlaubern Polen auf der Liste der fünf wichtigsten Länder steht – im Schnitt, versteht sich.

Das Ergebnis ist differenziert zu betrachten: Neben den methodischen Auswirkungen der Studie (Zahl der Befragten, Fragestellungen, teilweise willkürliche Bündelung von Ländern) fällt auf, dass Polen gegenüber früheren Untersuchungen in Imagedimensionen sogar etwas zurückgefallen zu sein scheint. Andererseits könnte dies auch die Veränderung von einem ‚exotischen Billigreiseziel’ zu einem sich entwickelnden hochwertigen Reiseziel sein. Das ist natürlich Spekulation. Interessant ist, dass zum Beispiel die Türkei, Kroatien, Griechenland, Spanien und Deutschland als Reiseziele für ‚Preisbewusste’ wahrgenommen werden. Ob sich hier wirklich ein Wandel abbildet, werden wir erst in einigen Jahren wissen. Was wir heute sicher glauben können: Es steckt noch viel Potenzial im Tourismus in Polen.

Weitere Informationen: ADAC-Reisemonitor

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  1. Linus

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