Polens Regionen buhlen um deutsche Besucher

ITB 2013, Polen. Foto: Polen.pl (JP)

Unter dem Motto „Polen verzaubert“ warb Polen auf der diesjährigen ITB um deutsche Besucher

(Berlin, JP) Unter dem Motto „Polen verzaubert“ präsentierte sich das Urlaubsland Polen auf der diesjährigen ITB auch in diesem Jahr in einer eigenen Halle (wie hier angekündigt). Diverse Aussteller aus Polen und Deutschland zeigten dem Besucher eine umfangreiche Palette an touristischen Angeboten: Meer, Berge, Kurreisen, Aktivurlaub, traditionelles Kunsthandwerk, kulinarische Spezialitäten und Städtereisen an Orte des Weltkulturerbes. Für Anbieter aus dem Bereich Kuren und Wellnessurlaub wurde sogar ein separater Bereich eingerichtet: Gestresste Messebesucher konnten sich hier schon einmal vor Ort einer Massage unterziehen. Neben Hotels und Reiseanbietern nutzten vor allem die Regionen Polens die Möglichkeit, ihr touristisches Angebot auf der ITB Fachpublikum und potentiellen Kunden zu vorzustellen. Städte und Regionen kämpften auf der Messe ein wenig gegen die herausragende Popularität der Ostsee- und Bergregionen sowie der Tourismusmagneten Krakau und Danzig an. Vielfach hörte man die Frage von Besuchern, wo denn der Kolberg-Stand sei. Die befragten Aussteller versuchten dann oft, das Interesse auf die von ihnen repräsentierten Regionen lenken. Diese durch deutsche Urlauber weniger frequentierten Orte, zum Beispiel die Woiwodschaften Lubelskie und Podlasie oder die Städte Poznan (Posen), Katowice (Kattowitz) und Opole (Oppeln) buhlten daher vielfach mit eigenen Ständen um Gunst der Messebesucher.

Privatbesucher kamen am Wochenende

Als die ITB schließlich am Samstag ihre Tore für den allgemeinen Publikumsverkehr öffnete, blieben die Menschenströme zum Messegelände am Funkturm Benutzern des öffentlichen Nahverkehrs bereits am Vormittag nicht verborgen. Schnell füllte sich auch die Halle 15.1, in der sich Polen großflächig in all seinen Facetten als Urlaubsland präsentierte. Allerdings: Die Mehrzahl meiner Mitbesucher unterhielt sich in muttersprachlichem Polnisch. Offenbar ist Polen also vorwiegend für Menschen mit klarem persönlichen und familiärem Bezug als Reiseziel interessant, dachte ich. Halten sich alte Vorurteile und Ängste vor angeblich drohendem Diebstahl, Korruption und Serviceunwilligkeit etwa immer noch so gut?

Im Gespräch mit zwei Reiseanbietern aus den Masuren und Berlin erfuhr ich dann, dass das deutsche Interesse an Polen differenzierter zu sehen ist: Von den circa 15 Millionen Menschen, die Polen im Jahr 2012 besucht haben, stammten immerhin knapp 5 Millionen – und damit 30 Prozent – aus Deutschland. Der deutsche Tourismusmarkt bleibt damit noch vor dem britischen der lukrativste für den polnischen Tourismussektor. Dominiert wird der deutsche Tourismus allerdings von der Altersgruppe 60+, die vor allem hinter günstigen Kurreisen her ist oder nostalgische Fahrten in die „alte Heimat“ ihrer Eltern unternimmt. Junge Menschen besuchen in Polen hingegen die bekannten Groß- und Universitätsstädte wie Warszawa (Warschau), Kraków (Krakau) und Gdańsk (Danzig) mit ihrem attraktiven Nachtleben und den vielseitigen kulturellen Angeboten.

Touristische B-Regionen

Hingegen beklagen sogar die innerhalb Polens bekannten Urlaubsregionen, wie Masuren, mangelnde Aufmerksamkeit seitens des jungen Publikums aus dem Ausland. Öffentlichkeitswirksame Aktionen wie Reisereportagen in den Medien könnten Abhilfe schaffen und die Mundpropaganda anheizen, glaut ein lokaler Reiseveranstalter. Wer Aktivurlaub machen möchte, fände schließlich in Masuren Möglichkeiten zum e-biking, segeln und wandern. Schlösser und Gärten luden darüber hinaus zu Besichtigungen ein. Auch Ausflüge nach Kaliningrad seien von den polnischen Masuren aus machbar.

Vom deutschen Touristen weitestgehend unerschlossen ist außerdem Südostpolen, dass neben Schlössern und Burgen vor allem Zeugnisse der jüdischen Geschichte des Landes liefert. Der Geschäftsführer eines Berliner  Reisebüros sieht hier Potentiale, die noch ausgeschöpft werden können. Die Woiwodschaft Lubelski kämpfte auf der ITB gegen ihre schlechte Bahn- und Fluganbindung zu Deutschland mit Städtereisen nach Lublin und ins zum Weltkulturerbe gehörende Zamość an. Neben Aktivurlaubsangeboten für Wanderer und Radfahrer lädt die Region außerdem zur Besichtigung von historischen Burgen, Schlössern und Gotteshäusern ein.

Fazit: Der Wettbewerb zwischen den polnischen Regionen kann konstruktiv genutzt werden

Im Vergleich zu manch anderem Land präsentierte sich Polen in der eigenen Halle recht ausführlich. Ins Auge fielen vor allem die Kur- und Wellnessangebote sowie das Bemühen der einzelnen Regionen. Es bleibt zu hoffen, dass der Wettbewerb der Woiwodschaften und Städte um Attraktivität zu einer Verbesserung der lokalen touristischen Infrastruktur beiträgt. Die Erweiterung der bestehenden Angebote könnte Polen als Reiseland wiederum für neue Besucher(-gruppen) interessant machen. Entscheidend ist, ob die jeweiligen Akteure vor Ort die bestehende Konkurrenzsituation langfristig konstruktiv zu nutzen wissen.

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  1. Linus
  2. Pole
  3. Ortwin Genske
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