Politischer Wochenrückblick nach Polen

Warschau Stadion Narodowy. Fussball. Nationalstadion. Sport. Juni 2012. Photo: Polen.pl (BD)

Und haben Sie Ihr Dach zugemacht, bevor Sie aus dem Haus sind? Des einen Leid, der anderen Freud: Die Panne im Warschauer Nationalstadion. Foto: Polen.pl (BD)

(Hamburg, JE) Der heutige Wochenrückblick auf die politischen Geschehnisse in Polen kommt wieder mal an dem Thema Smolensk nicht vorbei. Doch es gibt auch weniger ernste Themen: Ein Dach, das sich nicht schließen lässt sowie ein Kommentar, der fehlplatzierter nicht sein könnte.

 Smolensk-Bilder stiften Unruhe

Das ist wohl die Macht der Globalisierung. Ein Blogger in Sibirien stellt grausame Bilder von angeblichen Leichen aus der im April 2010 abgestürzten Präsidenten-Tupolew ins Netz und spinnt darum eine wilde Verschwörungstheorie, nach der es gar keinen Flugzeugabsturz gegeben habe, die Passagiere dafür von einem russischen Spezialkommando ermordet worden wären und hinter alledem Tusk und Putin stehen würden – und schon kochen die Emotionen hoch. Wie konnte der Blogger an die Bilder gelangen? Hat jemand bewusst die Bilder jetzt in die Öffentlichkeit gebracht, um die politische Auseinandersetzung in Polen weiter anzuheizen? Auch wenn der russische Geheimdienst dementiert – zutrauen würden es der russischen Regierung die meisten politischen Beobachter in Polen. Die Russen wüssten sehr genau, dass das Thema Smolensk die Polen in zwei Lager teilt und würden diese Karte gezielt ausspielen, suggeriert beispielsweise die Newsweek in ihrem Onlineartikel vom vergangenen Samstag. Im Übrigen sei das ‚Bilder-Leak‘ nicht die einzige von der russischen Seite verschuldete Panne bei den Untersuchungen der Unfallursache. Auf ihr Konto gehe u.a. die Vertauschung von Leichnamen. Bis heute hätte sie zudem das von Polen angeforderte Wrack der Tupolew nicht an die polnischen Behörden übergeben.

Stadion unter Wasser

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Selten traf dieses Sprichwort wohl besser zu als in dem Fall des nicht geschlossenen Daches im (neuen!) Warschauer Nationalstadion, das am vergangenen Dienstag für eine Spielverschiebung der Partie zwischen Polen und England (Ergebnis: 1:1) sorgte. Wobei wohl auch die Drainage nicht richtig zu funktionieren schien, den Wassermassen nach zu urteilen, die sich auf dem Spielfeld angesammelt hatten und ein vernünftiges Fußballspielen absolut unmöglich machten. Während sich zehntausende Fans über den Ausfall des Spiels am Dienstag verständlicherweise mächtig ärgerten, hatte die Internetgemeinde ihren Spaß. Nicht lange dauerte es, da erschienen die ersten virtuellen Postkarten mit Tauchern, die ihre Urlaubsgrüße aus dem Stadion Narodowy übermittelten. Nur etwas später ging dann die Suche nach dem Schuldigen los. Das Nationalstadion wird gemanagt von Nationalen Sport Zentrum (NCS), welches wiederum dem Sportministerium untersteht. Premier Tusk hat eine Untersuchung in Auftrag gegeben, ob es in dieser Struktur zu Fehlern gekommen ist und erwartet „Konsequenzen“. Unklar ist, warum das Dach – als es noch funktionierte – trotz der starken Regenfälle nicht geschlossen wurde. Die Entscheidungsgewalt hat bei solchen Qualifikationsspielen zwar offiziell ein FIFA-Vertreter, doch hätte der polnische Fußballverband wohl dafür sorgen können, dass das Dach zugemacht wird, schreibt das Internetportal sport.pl. Der Fußballverband verweist seinerseits auf die mangelhafte Drainage und sieht sich nicht schuldig, im Gegenteil, für den Spielausfall möchte es vom NCS eine Entschädigung.

SLD gegen schwangere Ministerin

Sportministerin in Polen ist im Übrigen Frau Joanna Mucha und die war vielleicht gar nicht so unglücklich darüber, dass ihr Name in dieser Woche noch in einem anderen Zusammenhang durch die Medien ging. SLD-Pressesprecher Dariusz Joński legte Mucha den Rücktritt nahe und fand dafür eine merkwürdige Begründung. Sie solle sich doch bitte ihrer Schwangerschaft und dann ihrem neu geborenen Kind widmen, verkündete er im Fernsehen. (Dass Mucha schwanger ist, ist bisher nur ein Gerücht.) Für seine Worte, die er später bereute, jedoch aus dem Kontext gerissen sah, wurde Joński von vielen Seiten stark kritisiert. Interessant wäre zu wissen, was sein Parteichef Leszek Miller dazu sagte … genau, der, der vor unattraktiven Frauen im Umfeld seiner Partei warnte, weil diese Wähler abschrecken würden. Wer es noch nicht geahnt hat: Die SLD (übersetzt: Bündnis der demokratischen Linken) ist natürlich eine sozialdemokratische Partei.

 

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