Politisches Kino – Filme mit Konfliktpotential

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Auch umstritten: Der Warschauer Kulturpalast.

(Hamburg, JE) Der Kampf um die Deutung historischer Ereignisse wird in Polen nicht nur auf politischer Ebene eifrig geführt – erinnern wir uns an die letzten Auslassungen Jarosław Kaczyńskis zu seiner Rolle als ‚tragischer Held‘ während des in im kommunistischen Polen verhängten Kriegszustandes – sondern auch auf der Leinwand. Sicher, auch in Deutschland müssen wir seit einiger Zeit eine Welle von ‚Historiendramen‘ über uns ergehen lassen, die zum Teil politische Botschaften transportieren. Doch was die polnischen Zuschauer derzeit an filmischer Aufarbeitung der eigenen Geschichte vorgesetzt bekommen enthält ungleich mehr Sprengstoff.

Pokłosie

Bereits im Herbst letzten Jahres kam der Film „Pokłosie“ in die polnischen Kinos, über den unlängst in der Süddeutschen Zeitung eine spannende Rezension erschien. Er konfrontiert die Polen mit der Verfolgung von Juden im eigenen Land kurz nach dem zweiten Weltkrieg bzw. im Jahr 1968 und führt damit das Werk des polnisch-amerikanischen Historikers und Autors Jan Tomasz Gross mit filmischen Mitteln fort. Kritisiert wurde „Pokłosie“ einerseits („stilistisch“) für die exzessive Verwendung von Gewaltszenen und andererseits („politisch“) für eine angeblich einseitige Darstellung der Ereignisse. Teile der politischen Rechten basteln schließlich seit Jahrzehnten an dem Mythos der „Żydokomuna“, demzufolge der Kommunismus in Polen ein jüdisches Projekt gewesen wäre. Ein Film wie „Pokłosie“, der die polnische Juden als Opfer polnischer Antisemiten darstellt, passt diesen ‚Geschichtsdeutlern‘ daher überhaupt nicht.

Smolensk

Sicher mehr Anklang dürfte in diesem Personenkreis der geplante Smolensk-Film des bekannten Regisseurs Antoni Krauze finden. Ein politisch motivierter Film, der den Zuschauer überzeugen soll, dass es sich bei dem Flugzeugabsturz von Smolensk um ein gezieltes Attentat handelte. Krauze kündigte an, sich um keine öffentliche Förderung für den Film zu bemühen, damit er seine Unabhängigkeit bewahren könne und nicht in die Gefahr einer inhaltlichen Zensur käme. Bisher scheint es jedoch sowie Probleme bei der Besetzung der Rollen (Wer soll den ehemaligen Präsidenten Lech Kaczyński spielen?) sowie bei der Generierung von privaten Spenden zu geben, ohne die das ambitionierte Werk kaum realisiert werden kann. Krauze, der im „Geschichtskino“ kein Unbekannter ist, gründete zu diesem Zweck eigens eine Stiftung mit dem Namen Smolensk 2010.

Wałęsa

Zu guter Letzt erscheint dieses Jahr ja auch noch der Wałęsa-Film. Der ehemalige Solidarność-Anführer und erste Präsident des demokratischen Polens nach dem Fall des kommunistischen Regimes hat in Polen heute viel von seinem ehemaligen Heldenstatus eingebüßt. Mit vielen ehemaligen Gefolgsleuten liegt er inzwischen im Clinch und das im letzten Jahr erschienene, sehr private Buch seiner Ehefrau Danuta hat ihn menschlich angezählt. Trotzdem dürfte der Wałęsa-Film des polnischen Kultregisseurs Andrzej Wajda wohl für weniger heftige Diskussionen sorgen als die beiden oben genannten Werke. Einen kleinen Aufreger gab es ja immerhin schon im Vorfeld als sich herausstellte, dass die Skandalbank Amber Gold den Dreh des Streifens mit 3 Mio. Zloty unterstützt hatte.

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  1. Frank
  2. Pole
  3. Jochen

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