Polka im Polski Berlin

Das Logo von Polka, Foto: Teresa Albiez.

Das Logo von Polka, Foto: Teresa Albiez.

(Berlin, AS) Den polnischen Berlinern ist die Sanderstraße in Berlin Neukölln seit etwa drei Jahren vor allem durch die deutsch-polnische Buchhandlung buchbund bekannt. Vier Häuser nebenan gibt es seit 2007 den kleinen Modeladen Polka – Eine polnische Boutique könnte man meinen, doch die Ladenbesitzerin Teresa Albiez geriet nur zufällig ins „Polski Berlin“.

Ein Schild verändert alles

In den letzten Wochen hat Teresa Albiez besonders oft die unaussprechlichen und unverständlichen Worte „Jesteś z Polski?“ gehört. Die 30-Jährige wusste von einem Freund, dass ihr Ladenname „Polka“ noch eine andere Bedeutung trägt, jedoch spielte das bislang für die junge Frau aus dem Schwarzwald keine besondere Rolle. Erst seit Teresa ihre Kleidung in direkter Nachbarschaft zur deutsch-polnischen Buchhandlung verkauft und vor drei Monaten das Haus in der Sanderstraße 4 mit einem Schild schmückte, läuft es fast immer gleich ab: Die meisten Leute machen von draußen irgendwelche Gesten, kommen rein und quatschen die junge Frau gleich auf Polnisch an. „Dann habe ich den Eindruck die Leute mit meinem „Nein“ zu enttäuschen. Zumindest sage ich zum Trost, dass mein Großvater aus Schlesien kam.“, erzählt Teresa und lacht dabei.

Polka, der Tanz

Um weiteren Verwechslungen vorzubeugen: Polka ist natürlich auch ein Tanz und nur diese Bedeutung ist gemeint. „Sportlich, elegante, tanzbare Mode“ heißt es im Slogan, der das Label „Polka“ treffend auf den Punkt bringt. „Ich denke bei Polka daran, dass Leute zusammen kommen und gemeinsam eine schöne Zeit haben. Man tanzt, hat Blümchenkleider an, fühlt sich wohl.“ , so beschreibt Teresa ihre Mode, lehnt jedoch klare Stildefinitionen ab. Vielmehr näht sie nach Lust und Laune zeitlose Kleidung, die zu allem passt und von guter Qualität ist. Und das macht die Modemacherin schon seit zehn Jahren.

2004 nähte Teresa noch gemeinsam mit einer Freundin. Damals arbeiteten die beiden Frauen noch viel mit Jerseystoff, machten verspielte Streetwear: Gemütliche Hosen mit Bündchen, Pullis und Kapuzenkleider. Mit der Zeit war so viel Kleidung genäht, dass sie anfingen die Stücke in der Berliner Klamotteszene zu verkaufen. Es folgte vor sieben Jahren am 7.07.2007 der eigene Laden in der Sanderstraße. „Alle haben geheiratet und wir haben den Laden eröffnet.“ , erinnert sich Teresa zurück. Irgendwann ging die Freundin ans Theater und Teresa machte allein weiter. Bis heute erfolgreich.

Wenn ein Kleid stirbt

Teresa Albiez macht besonders viele Bestellungen für Kundinnen. Verzweifelten, die z. B. am Bügelbrett ein zerstörerisches Loch in das Lieblingskleid eingebrannt haben, kann sie helfen die Tragödie mit einer Reproduktion zu überwinden. Aber die Kundinnen kommen nicht nur, um die eigenen Kleidervorstellungen realisieren zu lassen. Sie kommen auch, weil in dem Laden ein Handwerk gelebt wird.

Teresa wollte nie nach Paris, die große Modewelt hat sie nicht interessiert. Sie versuchte ein Studium in Modedesign, stellte jedoch schnell fest, dass Marketing und Betriebswirtschaft im Vordergrund, eine klassische künstlerische Ausbildung dagegen im Hintergrund standen. Das Studium brach sie ab, besuchte einen Nähkurs und arbeitete anschließend ein Jahr lang als Kostümbildnerin am Schauspiel Leipzig.

Heute beschreibt die Neuköllner Modemacherin ihre Arbeit und sich so: „Ich habe einen kleinen Laden und nähe Klamotten. Ich könnte mich genauso gut als Handwerkerin oder als Schneiderin ohne Ausbildung bezeichnen.“ Diese Bodenständigkeit scheint auf viel Sympathie zu stoßen, denn einige Kundinnen bleiben gleich mehrere Stunden im Laden.


Polka – Sportliche, elegante, tanzbare Mode
Sanderstraße 4, 12047 Berlin
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 13:00 bis 17:00 Uhr

Über die Artikelserie „Polski Berlin“:

Berlin ist ein polnisches Kultur- und Lebenszentrum. Die polnischen Berliner leben eher unauffällig über die ganze Stadt verteilt, verschiedene Generationen und vielfältige Migrationsgründe prägen das Feld. Polen in Berlin hinterließen und hinterlassen ihre Spuren in der Stadt. Dem „Polski Berlin“ und seinen Akteuren möchten wir von Polen.pl begegnen. Ihre Ideen sind gefragt! Wen sollen wir unbedingt treffen? Welchen Ort aufsuchen? Schreiben Sie einfach eine E-Mail an agnieszka@polen.pl. Wir freuen uns auf Ihre Anmerkungen und Vorschläge.

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