Polnische Antwort auf den MAK-Bericht zur Katastrophe von Smolensk

Was geschah in der Absturzmaschine? Foto: Polen.Pl (BD)

(Bremen, JE) Die polnischen Zeitungen beherrschte diese Woche ganz klar ein Thema – die Veröffentlichung des russischen Abschlussberichtes zum Flugzeugabsturz in Smolensk vom April vergangenen Jahres, bei dem Polens damaliger Präsident Kaczyński und 95 weitere Personen starben. Obwohl die Reaktionen in Medien und Politik durchaus gemischt waren, dominierte insgesamt eine deutliche Verärgerung über das Vorgehen der Kommission MAK (dahinter steht die russische Luftfahrtbehörde) und den Inhalt des Berichtes. Gestern hat nun Antoni Macierewicz, Abgeordneter der Kaczyński-Partei PiS und Vorsitzender des Untersuchungsausschusses im polnischen Parlament, in der Newsweek Polska angekündigt, dass der polnische Bericht vor dem 10. April, dem Jahrestag der Tragödie, fertiggestellt werden soll. Es ist zu erwarten, dass dieser in wesentlichen Punkten abweichende Schlussfolgerungen enthalten wird. Macierewicz kritisierte dabei die russische Kommission sowie den polnischen Premier Tusk, der sich weiterhin für die Veröffentlichung eines gemeinsamen Abschlussberichtes ausgesprochen hatte, mit deutlichen Worten.

Ein Bericht…

Der russische Bericht sieht die Schuld in erster Linie bei den Piloten der polnischen Maschine, die entgegen der Empfehlung des Towers – die äußeren Bedingungen waren sehr schlecht – versuchten, auf dem Militärflughafen in Smolensk zu landen. Die Piloten seien dabei einem starken psychischen Druck ausgesetzt gewesen. Vor allem der Luftwaffenchef Blasik, der wohl 0,6 Promille Alkohol im Blut hatte, soll auf die Piloten eingewirkt haben. Ein Schlüsselsatz in dem unübersichtlichen Treiben des Cockpits kurz vor dem Absturz war demnach folgender: „Er wird ausrasten, wenn wir weiter…“ („On wścieknie się, jeśli jeszcze…“). Gemeint war damit Präsident Kaczyński, dem man kein weiteres Abwarten in der Luft zumuten wollte.

…und seine Folgen

Gerade die im Bericht entworfene Theorie des „beschwipsten Luftwaffenchefs“ (Der Spiegel) als Auslöser der Katastrophe hat viele Polen erzürnt. Gleichzeitig sehen viele den allgemeinen Zustand des Flughafens und das Verhalten der Towercrew als mitverantwortlich für den gescheiterten Landeversuch an. Tusk hatte versucht, mit vorsichtigen Äußerungen – „Einen Teil der Schuld nehmen wir auf uns“ – die Wogen zu glätten und Schaden vom schwierigen polnisch-russischen Verhältnis abzuwenden. Damit hat er sich im eigenen Land nicht unbedingt populärer gemacht.

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Comments
  1. Juergen
  2. Juergen

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*