Polnische Universitäten: Ausbilder für Arbeitslose? Wettbewerb zur Verbesserung der Hochschullehre

Portal der Universität Warschau. Foto: Polen.pl (JW)

Kritik an Polens Universitäten

(Halle, SS) Polnische Hochschulen sind „Fabriken“ für Arbeitslose ließ Andrzej Klesyk, Vorsitzender der größten polnischen Versicherung (PZU Powszechny Zakład Ubezpieczeń) in einem Artikel in der Onlineausgabe der Gazeta Wyborza vom 23. April 2012 verlauten. 60 Prozent der Arbeitslosen in Polen sind jünger als 34 Jahre, unter ihnen hat jeder zehnte einen Hochschulabschluss. Klesyks Aussage hatte eine breite Debatte über das polnische Hochschulsystem losgetreten, welcher sich die Gazeta Wyborcza in einem umfangreichen Bericht widmete.

Mangelnde Fähigkeiten

Die polnischen Hochschulabsolventen sind für den Arbeitsmarkt nahezu unbrauchbar, schenkt man Klesyk und den anderen Arbeitgebern die in dem Bericht zu Wort kommen Glauben. Laut dem Vorsitzenden der PZU, der selbst Arbeitgeber für zwölftausend Menschen ist fehlt den Hochschulabsolventen die Fähigkeit zum eigenständigen Denken. In der Universität bekommen sie viel Wissen vermittelt, sie sind jedoch nicht in der Lage dies zielführend zu analysieren und anzuwenden und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Außerdem seien sie nicht in der Lage, im Team zu arbeiten. Man müsse den Absolventen alles von Anfang an beibringen, beklagt ein anderer Arbeitgeber. Die jungen Polen hätten keinerlei brauchbare Fähigkeiten, so das vernichtende Urteil eines Weiteren.

Expertentreffen am „Runden Tisch“

Aufgrund der vermeintlichen Mängel im Hochschulsystem lud die polnische Bildungsministerin Barbara Kudrycka alle Interessierten zu einem symbolischen „Runden Tisch“ ein. Neben Vertretern der Wirtschaft waren auch Professoren anwesend, welche die Kritik relativierten und unterstrichen, dass es durchaus gute Hochschulen gäbe. Trotzdem habe man Probleme, an denen man arbeiten müsse. Ein großer Teil der Teilnehmer war sich schließlich einig, dass es eine engere Zusammenarbeit zwischen den Universitäten und der Wirtschaft geben müsse. Außerdem müssten die Studierenden mehr Praktika machen, um praktische Fähigkeiten zu erlangen.

Wettbewerb für innovative Hochschulen

Um die während des Expertentreffens beschlossene Annäherung zwischen Wirtschaft und Hochschulen zu erreichen, schreibt Barbara Kudrycka einen mit bis zu 1 Millionen Złoty dotierten Wettbewerb aus, berichtet die Gazeta Wyborcza in ihrer Onlineausgabe vom 21.06.2012. Hochschulen sind demnach aufgerufen, ihre Ideen für eine verbesserte Ausbildung vorzulegen, welche moderne, von der Wirtschaft geforderte Fähigkeiten wie Teamarbeit und Kooperationsfähigkeit vermittelt. Wie die Hochschulen dieses Ziel verfolgen wollen, ob zum Beispiel durch Praktika oder Vorträge von Wirtschaftsvertretern bleibt ihnen selbst überlassen. Wichtig ist, so die Bildungsministerin, dass jede Vorlesung, jedes Seminar nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern den Studierenden auf sein Berufsleben vorbereitet. Für dieses ehrgeizige Ziel wird ein Budget von 60 Millionen Złoty zur Verfügung gestellt. Bewerben können sich staatliche und private Hochschulen aus ganz Polen. Die Sieger des Wettbewerbs werden im November dieses Jahres bekanntgegeben.

Der Bericht in der Gazeta Wyborcza: Uczelnie-fabryki bezrobotnych? http://wyborcza.pl/8,75402,11616575.html

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