Polnischer Arbeitsmarkt in Bewegung

Baustelle in Polen. Foto: Polen.pl (BD)

Auf Baustellen wie dieser arbeiten viele Osteuropäer. Foto: Polen.Pl (BD)

(Eckernförde, JE) Zum 1. Mai 2011 steht die vollständige Öffnung der Arbeitsmärkte in Deutschland und Österreich für die mittelosteuropäischen EU-Mitgliedsländer – darunter Polen – an. Bereits ab Januar können Polen in Deutschland eine Saisonarbeit ohne die bisher erforderliche Arbeitserlaubnis aufnehmen. Diese Regelung betrifft unter anderem die Landwirtschaft, das Hotelgewerbe sowie die Gastronomie (siehe gazetaprawna.pl). Während die Debatten darüber andauern, ob mit einer neuen ‚Auswanderungswelle‘ nach Westen zu rechnen ist, hat die polnische Regierung nachgezogen. Die Möglichkeit für Arbeitnehmer aus der Ukraine, Belarus, Russland, Georgien und Moldawien ohne entsprechende Erlaubnis in Polen zu arbeiten wurde pünktlich zum Jahresende auf unbestimmte Zeit verlängert. Sie können damit weiterhin bis zu sechs Monate innerhalb eines Jahres einer Beschäftigung in Polen nachgehen, wenn sie ein gültiges Visum haben und der Arbeitgeber eine Erklärung (oświadczenie) beim örtlichen Arbeitsamt abgibt.

‚Nachschub‘ aus dem Osten

Für Arbeitsmarktexperten stehen beide Regelungen in eindeutiger Verbindung. In einigen Branchen – etwa dem Baugewerbe, der Landwirtschaft oder der Altenpflege – fehlen in Polen bereits jetzt qualifizierte Bewerber. Aufgrund der deutlich besseren Bezahlung in den westlichen EU-Ländern sind sie vielfach ausgewandert und stehen dem polnischen Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung. Die polnischen Arbeitgeber setzten ihre Hoffnung daher in die günstigen und flexiblen Arbeitskräfte aus dem Osten. Interessenten – insbesondere aus der westlichen Ukraine – gibt es genügend, schreibt die gazetaprawna.pl (30. März 2010) und zitiert den polnischen Vize-Generalkonsul in Lwów (Lemberg) Jerzy Zimny: „Täglich stellen etwa 700 Ukrainer einen Antrag auf ein Arbeitsvisum“. Arbeiter aus der Westukraine könnten in Polen etwa viermal so viel verdienen, wie zu Hause (auf einer Baustelle beispielsweise 2000 PLN ‚auf die Hand‘). Trotzdem befürchten in Polen nicht wenige Lohndumping und Ausbeutung der Arbeitsmigranten aus dem Osten. „Ukrainer sollten bei uns so viel verdienen wie polnische Arbeitnehmer auf den selben Arbeitsstellen“, erklärt Jan Guz, Vorsitzender des Gewerkschaftsbundes OPZZ, der gazetaprawna.pl.

Ukrainer an erster Stelle

2009 wurden 189.000 Registrierungen ausländischer Arbeitnehmer in den Arbeitsämtern gezählt. Die Zahl stieg vermutlich in diesem Jahr noch mal deutlich an. Allerdings gibt die Zahl der Erklärungen durch die Arbeitgeber nicht die faktische Anzahl von Gastarbeitern (aus Nicht-EU-Ländern) an. Sie wird auf etwa 150.000 (2009) geschätzt, wie interia.pl am 16.12.2010 berichtete. Zumeist stammen sie aus der Ukraine, die zweitgrößte Gruppe sind Chinesen, vor den Vietnamesen (siehe newsweek.pl, 8. März 2010).

Mehr Informationen:

http://praca.gazetaprawna.pl/artykuly/472246,jest_praca_w_niemczech_dla_300_tys_polakow.html,3

http://praca.gazetaprawna.pl/artykuly/409854,chcemy_dac_prace_200_tys_ukraincow.html

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  1. Agnieszka

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