Regenfrei, Vielfältig, Groß: Sunrise-Festival in 2012 fand unter neuen Vorzeichen statt

Sunrise-Festival 2012, Amphitheater-Bühne. Foto: Polen.pl (MH)

Sunrise-Festival 2012, Amphitheater-Bühne. Foto: Polen.pl (MH)

(Berlin, JW) Wer schon öfter dort war, wird als augenfälligsten Unterschied bemerkt haben: Es hat zum Sunrise-Festival im polnischen Kolobrzeg (Kolberg) nicht geregnet. Im Gegenteil: Die Sonne brannte (tagsüber), und die Festivaltage waren die wohl bisher schönsten Sommertage an der Ostsee in diesem Jahr. Aber auch sonst war so einiges anders bei der diesjährigen Ausgabe des Festivals für – hauptsächlich – elektronische Musik. 50.000 Menschen waren nach unserem Gefühl mindestens an den rund zehn Veranstaltungstagen da, wobei sich die Mehrzahl auf die Wochenenden konzentrierte.

Erweitertes Konzept

Zwei Bühnen statt drei: Zunächst hört sich das nicht nach einer Erweiterung des bewährten Festivalkonzepts an. Das Festivalgelände war genau so groß wie in den Vorjahren, die Größe der Bühnen wuchs sogar erneut – vor allem in die Höhe. Die Technik machte einen weiteren Sprung nach vorn. So waren die schon in den vergangenen Jahren beeindruckenden Laser- und Lightshows, ergänzt um unzählbar viele Videoscreens, erneut ein Hingucker. So mancher DJ nahm sich hinter der riesigen illumierten Instrumententafel mit Schiebereglern, Mischpulten und Plattenspielern geradezu winzig aus – zumal die Instrumententafel selbst auch mit Videoscreens ausgestattet war und damit Realiät und Animation manchmal verwischte. Aber der verstärkte visuelle Dialog mit den Zuschauern durch Kamerafahrten durch das Publikum und das vergrößerte Einfangen von Tanz- und Partyszenen im Publikum korrigierte dies.

Sunrise-Festival 2012, Parking-Bühne, David Guetta. Foto: Polen.pl (MH)

David Guetta auf der Bühne beim Sunrise-Festival

Was sich vor allem änderte, war die Abwechslung im Programm. Während noch im letzten Jahr zwei Festivaltage plus Strandparty am Sonntag ausschließlich mit elektronischer Musik auf dem Programm standen, so begann nun am ersten Wochenende ein vielfältigeres Programm. Los ging es wie gewohnt mit elektronischer Musik und Techno, doch dann folgten auch breitenwirksamere Veranstaltungen. Ein Höhepunkt beispielsweise war ein Popkonzert mit Stars der Vergangenheit, unter anderem Savage, Sabrina und Sandra. Deren Hits kennt wohl jeder, der heute die 35 überschritten hat, womit das Festival erstmal ganz neue Zielgruppen adressierte. Wir sprachen mit einigen Zuschauern, die das ausdrücklich begrüßten: „Endlich ist auch einmal etwas für uns dabei“ hörten wir oft. So schien es für viele Bürger der Stadt dann auch erträglicher, am darauffolgenden Freitag und Samstag bis morgens um sechs Uhr über die halbe Stadt von unter anderem David Guetta, Armin van Buuren, Chris Lake, Jochen Miller oder Ashley Wallbridge beschallt zu werden. Ohne lange Pause dazwischen, denn am Sonntag ging es gleich früh in die ‚After-Party‘ über. Das Line-Up mischte in gekonnter Weise bewährte Künstler wie den schon beinahe als ‚Lokalpatrioten‘ geltenden van Buuren mit massenkompatiblen Stars wie David Guetta.

Zwischen Normalos, Tattoos und Silberkettenträgern

Sunrise-Festival 2012, Parking-Bühne. Foto: Polen.pl (JW)

Lasershows und Lichteffekte ‚in groß‘ auf dem Festival

Nicht nur durch das geänderte Format erweiterte sich das Publikum: Neben den obligatorisch der Musikrichtung Techno zuzuordnenden Trägern breiter Silberketten mit kurzgeschnittenen Haaren und mehr oder minder einheitlichen Tätowierungen und tendenziell leicht bekleideten weiblichen Tänzerinnen feierten auch viele ‚Normalos‘ vor den Bühnen. Selbst Jeansträger mit Business-Hemden – wenn auch vereinzelt – standen für die breite Akzeptanz des Festivals, das nach unserem Wissen sehr friedlich verlief. Bei so vielen Besuchern war manche alkoholermüdete Feiergestalt naturgemäß etwas zu laut in der Stadt, manche fanden am frühen Morgen auch nur mit Mühe zum geraden Gang. Doch: Das war nach unseren Beobachtungen die Ausnahme. Was wir bemerkten, und was uns als Feedback genannt wurde, waren begeisterte Gäste. Einige buchten sofort ein Zimmer für das kommende Jahr.

Sunrise-Festival 2013 in Sopot?

Kein Déjà-vu, sondern ein wiederkehrendes unbestätigtes Gerücht: Angeblich, so meinen einige zu wissen, wäre für das Jahr 2013 das Sunrise-Festival ’nach Sopot verkauft worden‘. Dieses Gerücht taucht Jahr für Jahr erneut wieder auf und ist auch diesmal unbestätigt. Es bleibt also abzuwarten, ob nun etwas dran ist; das wird man wohl frühestens im Februar 2013 erfahren, wenn man den Zeitpunkt der offiziellen Verlautbarungen der vergangenen Jahre zum Maßstab nimmt. Die Begründung der Gerüchteköchler: Sopot (Zoppot), das Ostseebad der Dreistadt rund um Danzig, würde sich erheblich intensiver in der finanziellen Unterstützung des Festivals engagieren, als dies dem vergleichsweise kleinen Kolobrzeg möglich ist. Andererseits weiß sicherlich auch die Stadt Kolobrzeg mit dem langjährigen Bürgermeister Gromek, was man an diesem Festival hat. Und das ist eine Woche große Party, in der junge Menschen die Hauptrolle in dem Ostseeort spielen. Und man braucht nicht lange zu überlegen und den Stimmen dieser jungen Menschen zuzuhören, dass man diese mit dem Kennenlernen Kolobrzegs später auch als Bade- und Wellnesstouristen gewinnen kann.

Weitere Informationen zum Festival gibt es auf einer deutschsprachigen Fansite (Sunrise-Kolberg – mit Fotos) und der offiziellen Festival-Internetseite.

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