Rote Karte für Zustände in den polnischen Zoos

Tiger im Zoo. Foto: Polen.pl (JW)

In der Kritik: Zoos in Polen

(Mainz, WB) Schlechte hygienische Zustände und mangelhafte Bedingungen, in denen Tiere gehalten werden: Das ist das Bild polnischer Zoos, das vor kurzem vom EU-Zoo-Bericht (engl. EU Zoo Inquiry) veröffentlicht wurde. Polen ist hier keine Ausnahme, weil auch andere EU-Länder die geltenden EU-Richtlinien zur Tierhaltung in den Zoos alles andere als streng einhalten.

Acht Zoos in Polen untersucht

Der Bericht der britischen Tierschutzorganisation Born Free Foundation (BFF) informiert, wie die EU-Länder die EU-Richtlinie aus dem Jahr 1999 zur Haltung wildlebender Tiere in Zoos wirklich umsetzen. In den letzten zwei Jahren untersuchte die BFF unter diesem Aspekt insgesamt 200 Zoos in den 21 EU-Ländern. In ihrem Bericht nahm die BFF acht polnische Tiergärten unter die Lupe. Es handelt sich um die Einrichtungen in Braniewo (Braunsberg), Bydgoszcz (Bromberg), Chorzów (Königshütte), Leszno (Lissa), Płock (Plock), Wrocław (Breslau), Warszawa (Warschau) und Człuchów (Schlochau).

Daniel Turner, unter dessen Leitung die Untersuchung in den Zoos durchgeführt wurde, ist der Meinung, dass Polen sich an viele Punkte der EU-Richtlinie zur Tierhaltung in den Zoos hält. „Das ist ein Pluspunkt für Polen, weil beispielweise Italien diese Richtlinie überhaupt nicht umgesetzt hat. Das einzige, was der EU immer noch fehlt, wären weitere Richtlinien, die bestimmen würden, was man konkret machen könnte, um Ziele zu erreichen, die in der EU-Richtlinie bestimmt sind.“

Die Liste der Mängel ist lang

Gleichzeitig wird im „EU-Zoo-Bericht 2011“ Polen unter anderem für die Bedingungen zur Tierhaltung in den Tiergärten kritisiert. In vielen Käfigen haben die Tiere weder genug Raum noch Möglichkeiten zu ihrem natürlichen Verhalten – wie Bewegung, Ruhe und Flucht vor anderen Tieren im Falle eines Konflikts. Die Autoren dieses Berichts meinen, dass 59 Prozent der Plätze, an denen sich Tiere befinden, die Voraussetzungen der polnischen Rechtsnormen aus dem Jahr 2004 zur Tierhaltung in den Zoos nicht erfüllen. Für den Hygienezustand und die Bedingungen, unter denen die Tiere gehalten werden, wurde am schärfsten der Tiergarten in Königshütte kritisiert.

Die EU-Richtlinie bestimmt nicht nur die  die Art und Weise, wie Tiere in den Zoos gehalten werden sollen und wie man sie schützt, sondern auch die Sicherheit der Besucher. Vor allem jedoch bestimmt sie, dass die Zoos zum Schutz bedrohter Wildtierarten, zur Teilnahme an Forschungsarbeiten zu deren Schutz und zur Stärkung des öffentlichen Bewusstseins beitragen sollen. Und hier schneidet Polen nicht unbedingt gut ab – meinen die Verfasser des EU-Zoo-Berichts.

Nur wenige bedrohte Tierarten in polnischen Zoos

Im Allgemeinen leisten die polnischen Zoos zum Schutz bedrohter Tierarten keinen großen Beitrag. Lediglich bei 14 Prozent der in den polnischen Zoos lebenden Tiere handelt es sich um Gattungen von der sog. Roten Liste der bedrohten Tierarten, die von der Weltnaturschutzorganisation IUCN veröffentlicht wird. Ferner enthalten die Schilder in den polnischen Zoos keine ausreichenden Basisinformationen zu den bestimmten Tierarten – es fehlt beispielweise an der Information, ob ein bestimmtes Tier zu der bedrohten Tierart gehört oder nicht. Die Zoos in Polen haben „einen beschränkten, erzieherischen Charakter“, meinen die Autoren des Berichts. Zu bemängeln war auch die Tatsache, dass die Besucher der Tiergärten einen direkten Kontakt mit den Tieren haben, weil sie nicht ordnungsgemäß abgesperrt sind. Solcher Kontakt könnte für Menschen gefährlich werden, da Vögel oder Reptilien Träger von Infektionskrankheiten sein können.

Der Breslauer Zoo und die Luchse

Obwohl die Zustände in den polnischen Tiergärten noch verbesserungsbedürftig sind, bietet der Zoo in Breslau seinen Besuchern eine positiv zu bewertende Möglichkeit zur Beobachtung von Luchsen von fünf Observationsplätzen. Der eine von ihnen wurde speziell als „das Arbeitszimmer des Naturforschers“ eingerichtet – es hat die Form einer Ausstellung mit erzieherischem Charakter, die zeigt, wie die Arbeit der Biologen im Gelände aussieht. Man findet hier Geräte, die das Leben der Luchse in der Wildnis zu beobachten ermöglichen. Dazu gehört etwa ein Halsband mit eingebautem Funksender zu ihrer ständigen Ortung oder das Arbeitsblatt zur Erfassung der Forschungsergebnisse und die Karte, auf der ausgewählte Tiere lokalisiert werden. „Das Arbeitszimmer des Naturforschers“ ist auch ein ausgezeichneter Beobachtungspunkt – von hier aus lässt sich das ganze Gelände von 1400 Quadratmetern beobachten, auf dem sich die Luchse befinden. Um das Leben dieser außergewöhnlichen Tiere zusätzlich angenehmer zu machen, wurde auf einem der Bäume eine Plattform angebracht, auf der ursprünglich Störche ihr Nest hatten. Die Mitarbeiter des Breslauer Zoos hoffen, dass Luchse sie gerne nutzen werden, indem sie sich drauf hinlegen und dabei das ganze Zoo-Gelände beobachten werden.

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  1. Anonymous-Slask

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