Schattenkabinett der Frauen: Polinnen wollen ihr Land und Europa verändern

Die Frauenquote bei Wahlen von 35 Prozent hat der Kongress der Frauen in Polen bereits durchgeboxt. Vor dem Hintergrund der polnischen EU-Ratspräsidentschaft will die weibliche Lobby auch international sichtbarer werden. Bild: Polen.pl (IG)

Die Frauenquote bei Wahlen von 35 Prozent hat der Kongress der Frauen in Polen bereits durchgeboxt. Vor dem Hintergrund der polnischen EU-Ratspräsidentschaft will die weibliche Lobby auch international sichtbarer werden. Bild: Polen.pl (IG)

(Berlin, IG) Schluss mit der Frauenbenachteiligung in Beruf und Karriere, Schluss mit der Frauendiskriminierung in Gesellschaft und Politik. Die Polinnen haben genug und rufen zur Revolution. „Frauen für Polen. Polen für die Frauen“ lautet das Motto der Lobby „Kongress der Frauen“, unter dem die Polinnen die politischen Verhältnisse im Land neu ordnen wollen.  Und sie haben Erfolg.

Erst die Quote, dann die Regierung

Kaum war der Kongress der Frauen Anfang 2010 offiziell gegründet, trat er mit seiner Forderung nach einer gesetzlichen Frauenquote von 50 Prozent auf den Wahllisten der Parteien eine aufgeregte politische Debatte los. Mit 120 000 Unterschriften brachten die Frauen eine Bürgerinitiative auf den Weg, die starken Gegenwind aus dem mehrheitlich konservativ besetzten  polnischen Parlament „Sejm“ bekam. Nach monatelanger Auseinandersetzung haben sich die Frauen zum Jahresende durchgesetzt, wenn auch mit einer etwas geringeren Quote. Im Januar 2011 unterzeichnete Staatspräsident Bronislaw Komorowski schließlich das  neue Gesetz. Demnach sind mindestens 35 Prozent der Parteilistenplätze künftig mit Frauen zu besetzen. Das betrifft Parlamentswahlen auf kommunaler, nationaler und europäischer Ebene. Andernfalls können die Listen nicht registriert werden, sagt die Regelung.

Ex-EU-Kommissarin wird Premier

Hinter dem Kongress stehen bekannte und einflussreiche Frauen der Republik und sie machen ernst. Ziel ist die Gleichstellung von Frauen und Männern in der polnischen Gesellschaft und die Stärkung der Beteiligung von Frauen in Politik und Öffentlichkeit. Das allein ist aber erst der Anfang. Auf der Agenda stehen die Herausforderungen der demographischen Entwicklung, Investitionen in Bildung, Umwelt, Gesundheit und Kultur, eine Abkehr von einer auf Sektoren und Branchen beschränkten Sicht der Wirtschaftsentwicklung hin zu einer ganzheitlichen Betrachtungsweise, erklärt der Kongress auf seinen Internetseiten. Wie weit das Themenspektrum reicht, zeigt auch die neueste Idee, mit der die Lobby zum internationalen Frauentag in Polen Schlagzeilen macht: der Gründung eines Schattenkabinetts der Frauen mit der ehemaligen EU-Kommissarin Danuta Hübner an der Spitze.

Für Polen, Europa und die Welt

Die neue Premierministerin, die die ehemalige First Lady Jolanta Kwasniewska als neue Außenministerin an ihrer Seite hat, sieht die Bewegung vor dem Hintergrund weltweiter Entwicklungen: „Die Entwicklungschancen Polens müssen wir im Kontext dessen betrachten, was in Europa und der Welt geschieht. Die Welt befindet sich in einem bespiellosen Umbruch. Die Zukunft wird im großen Maß von den aufsteigenden Ländern gestaltet, darunter Polen.“ Diese verantwortungsvolle Aufgabe wollen die Polinnen nicht allein den Männern überlassen. Doch, wie Hübner auf der Internetseite des Kongresses betont, will die Regierung der Frauen keine eigenen Kandidatinnen aufstellen, sondern langfristig die jetzigen und die künftigen politischen Machthaber inspirieren, beraten und langfristig die politische Landschaft prägen. „Wir sind keine Opposition, wir sind ein konstruktives Angebot“, wird Hübner von der Gazeta Wyborcza zitiert.

Dieses Angebot will der Kongress nicht nur auf Polen beschränken. Am 17. und 18. September 2011 soll in Warschau im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft Polens der III. Kongress der Frauen mit europäischer Ausrichtung stattfinden. Die Lobby hofft auf eine große internationale Beteiligung.

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  1. marca

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