Schluss mit den Vorurteilen über Polen!

Unsere neue Autorin Miriam ist von Polen begeistert. Foto: Polen.pl.

Unsere neue Autorin Miriam ist von Polen begeistert. Foto: Polen.pl.

Szanowni Państwo
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Sehr geehrte Damen und Herren,

bevor ich im März 2015 für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) nach Krakau gekommen bin, habe ich ehrlich gesagt mit Polen nicht allzu viel assoziiert und ich war auch nicht besonders interessiert an der polnischen Kultur. Und ich denke, da war ich in guter Gesellschaft mit vielen anderen Menschen. Wir interessieren uns für Frankreich, Italien oder England und machen Urlaub in Kroatien, Malle oder am besten ganz weit weg in Südafrika oder Brasilien. Aber Polen, was verbinden wir schon damit? Vielleicht eins der vielen  schlechten, aber unberechtigten Vorurteile?  Denken wir nicht alle ein bisschen an Diebstahl, Armut oder übermäßigen Schnapskonsum, wenn wir an Polen denken?! Die traurige Wahrheit ist, dass mit Polen so viel Schlechtes verbunden wird und leider viel zu wenige Menschen daran interessiert sind, mit den Vorurteilen aufzuräumen. Aber warum ist das so? Woher kommen diese ganzen Vorurteile und warum setzen sie sich nach wie vor in unseren Köpfen durch? Warum wollen wir unbedingt Reisebilder von Freunden sehen, die am Mittelmeer waren, aber hören den Urlaubern, die an der polnischen Ostsee waren, nur mit halbem Ohr zu?

Ein Café in Krakau, Foto: Polen.pl.

Ein Café in Krakau, Foto: Polen.pl.

Dass mit Polen ein langweiliges, heruntergekommenes Land verbunden wird, macht mich traurig und wütend. Seitdem ich in Krakau bin fühle ich mich sehr wohl, sicher und herzlich willkommen. Ich hatte nie das Gefühl, gleich beklaut werden zu können oder im Geschäft über den Tisch gezogen zu werden. In Berlin habe ich sogar mehr Angst um mein Geldbeutel als in Krakau. Ich ärgere mich und schäme mich auch etwas dafür, dass ich Pol_innen als altmodisch oder verklemmt abgestempelt habe. Nun weiß ich, dass ich damit total falsch lag! Ich begegne in Krakau tagtäglich aufgeschlossenen Menschen, die am Gespräch mit mir interessiert sind – sei es auf Polnisch mit Händen und Füßen, Englisch oder Deutsch. Altmodisch sind sie ganz gewiss auch nicht – in Krakau laufen meiner Meinung nach die bestgekleideten Frauen rum! Immer schick und elegant! Und Smartphones und Tablets hat auch jeder – also nicht wirklich anders als in Deutschland. Und ob man ein Land, das landschaftlich so viel zu bieten hat wie das Meer im Norden, das Gebirge im Süden und die vielen Nationalparks im Landesinneren, als langweilig bezeichnen kann, mag ich auch bezweifeln… Von den ganzen schönen Städten, die allesamt einen einmaligen Marktplatz haben, mal ganz abgesehen… Der größte Marktplatz von ihnen, ja sogar der größte Europas ist in Krakau und ich finde keinen Grund, der dagegen spricht, mal nach Krakau zu reisen. Dafür finde ich sicherlich 100 Gründe, die dafür sprechen. Ich bin froh, dass mich viele meiner Freunde besucht haben und sie auch alle sehr positiv überrascht und rundum begeistert von der Stadt waren. Krakau wohnt ein Zauber inne, der einfach jeden dahinschmelzen lässt. Ich hab mich auf jeden Fall in die Stadt verliebt.

Meer im Norden, Gebirge im Süden und viele wunderschöne Altstädte. Polen hat im ganzen Land viel Sehenswertes zu bieten wie hier in Breslau/ Wrocław. Foto: Polen.pl.

Meer im Norden, Gebirge im Süden und viele wunderschöne Altstädte. Polen hat im ganzen Land viel Sehenswertes zu bieten wie hier in Breslau/ Wrocław. Foto: Polen.pl.

Natürlich gibt es im Land auch Orte, die sehr viel trister, als Warschau, Breslau oder Krakau sind, aber in welchem Land gibt es die denn nicht?! Und vielleicht sollten wir auch nicht vergessen, dass Polen nach dem 2. Weltkrieg in manchen Regionen völlig zerstört war und dass in das Land leider nicht so viel in den Wiederaufbau investiert wurde. Alles was ich zum Ausdruck bringen will, ist meine Wertschätzung für Polen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach den paar Monaten so begeistert von dem Land sein würde. War ich doch vor Beginn meines Auslandsaufenthalts etwas enttäuscht, als die Zusage für das FSJ in Krakau kam. Ich malte mir doch ein Freiwilliges Soziales Jahr in Afrika oder Südamerika aus und nicht in unserem Nachbarland Polen. Und nun bin ich unglaublich froh hier zu sein und dass ich so viele Menschen aus aller Welt kennen lernen kann und mit ihnen unvergessliche Momente erlebe.

Ich könnte die Lobeshymne noch unendlich weiterspinnen, aber ich denke meine Begeisterung ist zum Ausdruck gekommen. Ich würde mir wünschen, dass wir alle mal unser Bild über Polen überdenken und jeder, der schon in Polen war, seine Erfahrungen weitergibt.
Und noch eine Bitte an an alle Pol_innen:
 Ich weiß, Bescheidenheit gehört zu euren Tugenden und das ist auch meistens lobenswert. Aber bitte macht euch nicht immer klein, wenn es um Polen geht. Ihr kommt aus einem wunderschönen und interessanten Land und das könnt ihr auch ruhig sagen. Da wird euch sicher niemand als arrogant oder überheblich wahrnehmen.

dziękuję bardzo!

Vielen Dank!

 

Weitere Erfahrungsberichte zu Freiwilligendiensten und Auslandssemestern in Polen, finden Sie auf unserem Partnerblog Grenzenlos deutsch-polnische Jugendthemen.

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  1. Daniel
    • Miriam Röll
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