Schönheitstourismus in Polen: ein Risiko?

Ufer der Motlawa in Danzig. Foto: Polen.pl (BD)

Danzig als Schönheits-OP-Reiseziel?

(Warschau, BD) Jeder müsste es eigentlich wissen: Schönheitschirurgie ist nicht ohne Risiko, dazu nicht gerade billig. Warum nicht die Preisunterschiede in Europa nutzten und sich schöne Brüste in einem Drittland besorgen? Autokäufer machen es doch auch zum ‚Euro-Tarif‘, meinen Einige. Auch die Firma Medica Travel wusste es und schickte ihre schwedischen Patienten zu einer staatlichen Klinik nach Danzig, eine Stadt im benachbarten Polen, einem EU Land. Zum Geld sparen. Hört sich alles gut an, oder?

Cristina Helund vertraute, wie Tausende polnische Patienten es Tag für Tag tun, der Kunst der polnischen Ärzte und unterzog sich einer Brustvergrößerung durch die polnische Firma PCT, durchgeführt in einem Krankenhaus in Gdansk. Leider ging beim Eingriff etwas schief, infolgedessen ist die Schwedin bis heute nicht aufgewacht.

Gesundheitsministerin Ewa Kopacz reagierte schnell. Sie ordnete eine Kontrolle an, die kommerzielle Eingriffe in staatlichen Krankenhäusern unter die Luppe nehmen soll. Tag für Tag kommen neue Fakten ans Tageslicht und es sieht alles andere als gut aus. Es heisst darin u.a.: das Krankenhaus hatte beim zuständigen Nationalen Gesundheitsfonds (NFZ) nicht die erforderliche Lizenz beantragt, plastische Eingriffe vorzunehmen und war somit gar nicht berechtigt auf diesem Feld tätig zu sein. Im Bericht werden noch einige andere Mängel aufgezählt, wie beispielsweise das Fehlen eines verantwortlichen Arztes, wodurch die Patientin 25 Stunden ohne Aufsicht eines Arztes geblieben sei.

Die Frage wer welche Fehler begangen hatte, könnte mit Hilfe von standardmäßig angefertigter Dokumentation beleuchtet werden. Leider gibt es bereits zwei verschiedene Versionen davon. Außerdem wurden Teile des Berichts vom zuständigen Woiwoden (Bezirksbeauftragten) Roman Zaborowski mit einem Hinweis auf den Datenschutz für geheim erklärt.

Quelle: gazeta.pl

Kommentar: Unabhängig davon, wie die Ergebnisse der Kontrolle in Danzig und die weiteren rechtlichen Konsequenzen aussehen werden, bleibt es von entscheidender Bedeutung, dass das Thema ‚Ärztefehler‘ endlich nicht mehr unter den Teppich gekehrt wird. Die Berufsgruppe der Ärzte genießt in Polen bekanntlich eine gottesähnliche Achtung. Daher ist es in Polen sehr schwer, auf gerichtlichem Wege gegen die Fehler der Ärzte vorzugehen und eine Entschädigung zu erkämpfen, denn die wohl falsch verstandene Solidarität in dieser Berufsgruppe geht sehr oft den Interessen der geschädigten Patienten vor.

Nur durch ehrliche Aufarbeitung dieser Thematik wird es möglich sein, das Vertrauen in das Können der polnischen Ärzte, das weltweit einen guten Ruf genießt, aufrechtzuerhalten. Die Illusion eines perfekten kostenlosen Gesundheitssystems für Alle muss endlich einem modernen Konzept mit Selbstbeteiligung weichen.

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