Kino: Schwarzer Donnerstag – Janek Wisniewski fiel

Schwarzer Donnerstag. Bild: goEast-Filmfestival 2012 in Wiesbaden

Schwarzer Donnerstag. Bild: goEast-Filmfestival 2012 in Wiesbaden

(Köln, MST) Der Film „Czarny Czwartek“ – Schwarzer Donnerstag – erzählt von den Demonstrationen im Dezember 1970 in Danzig. Zu sehen war er in der Rubrik „Highlights“ vergangene Woche im Rahmen des „goEast“-Filmfestivals in Wiesbaden. Ein letztes Seufzen und die Leinwand im Kino wird schwarz. „Janek Wiśniewski padł“ – Janek Wiśniewski fiel – singt eine raue Männerstimme zum Abspann. Ein älterer Herr mit hellem Haar in der Sitzreihe vor mir stimmt ein. Janek Wiśniewski? Kam die Figur im Film vor?

Der Film, des Regisseurs Antoni Krauze, beginnt in einem Vorort von Gdańsk (Danzig) an Weihnachten 1969. Die drei Kinder der Drywas beobachten den Vater von draußen durch ein Fenster. Er legt Geschenke unter den Weihnachtsbaum. Im gleichen Moment trifft die Verwandtschaft ein und bald dampfen Kartoffeln, Piroggen sowie weitere Gerichte auf dem Tisch. Herr Drywa holt eine Flasche Schnaps aus dem Schrank, denn es gibt gute Neuigkeiten. Die Familie hat eine Wohnung in der Stadt zugeteilt bekommen.

Beginn der Solidarność-Bewegung

Der Historienfilm erzählt von den blutigen Aufständen in Gdańsk (Danzig) im Jahr 1970 aus drei Perspektiven. Exemplarisch wird anhand der Familie Drywa ein Einzelschicksal vorgestellt, gleichzeitig zeigt die Kamera immer wieder das Geschehen vor der Werft sowie auf den Straßen und schließlich wird auch der Blickwinkel des Parteikaders thematisiert. Zu ersten Ausschreitungen kommt es im Zuge steigender Preise für Konsumgüter um bis zu 38 Prozent. Bereits im Sommer und Herbst kursierten erste Gerüchte über Entlassungen und wachsender Kosten für den Lebensunterhalt.

Der politische Kader hoffte damals, dass mit dem Abschluss des „Warschauer Vertrags“ die Spannungen innerhalb der Bevölkerung abflauen würden. Sie irrten sich. Offiziell starben 45 Menschen während der Demonstrationen und mehr als tausend wurden verletzt. Tragisch ist, dass sich unter den toten Werftarbeitern besonders viele junge Polen befanden. Die Ausschreitungen in Gdańsk (Danzig) markieren den Beginn der Solidarność-Bewegung. Im Nachhinein wurde bekannt, dass Gomułka, der damalige Parteichef, den Beschuss der Bevölkerung anordnete.

„Janek Wiśniewski padł“

Es klingelt und ein Freund Herrn Drywas steht vor der Tür. Er nimmt seine Mütze ab, knautscht sie nervös in den Händen. „Ihr Mann liegt im Krankenhaus. Er wurde verwundet“, sagt er ernst. Ungläubig schaut die junge Ehefrau ihr Gegenüber an. Sie lehnt sich mit einem Lachen in ihren Augen aus der Tür, schaut sich um. So häufig hatte ihr Mann sie auf dies Weise bereits reingelegt. Sie erblickt ihn nirgends im Treppenhaus. Der Freund geht. Frau Drywa bleibt verunsichert zurück, schält Kartoffeln und wartet auf ihre Kinder.

Unterdessen tragen Werftarbeiter einen jungen Mann namens Zbigniew Godlewski auf einer Tür durch Gdańks (Danzig). Er wird zum Symbol der unschuldigen Opfer, die durch Geschosse des eigenen Militärs gefallen sind. Von den Ereignissen berührt verfasst Krzysztof Dowgiałło eine Ballade über das Geschehen in der Stadt. Zurzeit der Entstehung des Gedichts kennt der Autor den Namen des Mannes auf der Tür nicht, so dass er sich für „Janek Wiśniewski“ entscheidet.

Die Musik zur Ballade mit dem Titel „Ballada o Janku Wiśniewskim“ komponiert 1980 Mieczysław Cholewa. Unter dem Titel „Janek Wiśniewski padł“ wird das Lied im Film „Człowiek z żelaza“ – Der Mann aus Eisen – (1981) verwendet. Daraufhin wurde der Song berühmt.

Beliebt an Schulen

Während der Vorführung im Kino Alpha in Wiesbaden waren auch die Darsteller Marta Honzatko und Maciej Połtorak zu Gast. Honzatko spielt die Hauptfigur Stefania Drywa, Połtorak hat eine kurze aber intensive Sprechrolle und ist auf dem Filmplakat abgebildet. Die Resonanz auf das Drama war positiv, leider aber ließ das Interesse an dem Werk in Polen schnell nach. Dennoch gilt der Film Krauzes als ein Erfolg.

Der Regisseur arbeitet in seinem Drama Ereignisse auf, die vielen Polen so nicht bekannt sind. Großer Beliebtheit erfreut sich „Czarny Czwartek“ auch in Schulen. Außer dem aktuellen Film mit Honzatko thematisiert nur noch Andrzej Wajdas „Człowiek z żelaza“ unter anderem die Ereignisse im Jahr 1970. Beide Filme verwenden originales Bild- und Tonmaterial. Insgesamt 800.000 Zuschauer sahen „Czarny Czwartek“ im Jahr 2011 im Kino, sodass er Platz fünf im Ranking der meistgesehenen Filme in Polen einnimmt.

Quellen:
Beitrag über über „Janek Wiśniewski padł“ in Wikipedia. (polnisch) (englisch)
Beitrag über Zbigniew Godlewski in Wikipedia. (polnisch

 

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