Schwere Vorwürfe – vernachlässigt Deutschland jüdische Friedhöfe in Polen?

Jüdischer Friedhof in Lodz. Foto: Polen.pl (JE)

(Toruń, JE) Laut Rzeczpospolita werden deutsche Gelder zur Errichtung und Pflege von Grab- und Gedenkstätten für während des 2. Weltkrieges gestorbene deutsche Staatsbürger in Polen einseitig für das Andenken an verstorbene Wehrmachtsoldaten ausgegeben. 165.000 tote Soldaten würden in Polen auf dreizehn von Deutschland finanzierten „schönen, parkähnlichen Soldatenfriedhöfen“ ruhen, schreibt die Tageszeitung. Gleichzeitig würden jüdische Friedhöfe mit Gräbern getöteter deutscher Juden in einigen Orten Polens verkommen. Deutschland hatte sich 2003 in einem bilateralen Abkommen dazu verpflichtet, entsprechende Investitionen zu leisten.

Konkret geht es um die Gemeinde Krasnystaw östlich von Lublin. Dessen Gemeinderat Janusz Szpak schrieb einen anklagenden Brief an die deutsche Botschaft, der zwar der Rzeczpospolita vorliegt, in Warschau jedoch nicht angekommen sein soll – das sagt der Pressesprecher der Botschaft. Gemeinderat Szpak: „Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Vertrag von 2003 nicht nur deutsche Soldaten, sondern auch deutsche Juden betrifft. Doch diese Opfer hat Berlin komplett vergessen“. Mitunterschrieben wurde der Brief von Adam Aptowicz, einem Holocaustüberlebenden, der sich in der polnisch-israelischen Gesellschaft engagiert und die Ruhestätten der Naziopfer in Polen inspiziert hat. Aptowicz artikuliert seine Empörung über den Tatbestand als Frage an die deutsche Gesellschaft: „Sollte es möglich sein, dass Deutschland weiterhin der Meinung ist, die Juden seien Staatsbürger zweiter Klasse gewesen und verdienen es nicht einmal, dass ihre Gräber in Ordnung gehalten werden?“ Die deutsche Botschaft möchte sich der Sache annehmen, sobald der Brief eintrifft.

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