Schwierige Versöhnung: Kirill I. zu Gast in Warschau

Königsschloss in Warschau. Foto: Boris Müller

Das Königsschloss in Warschau. Foto: Boris Müller

(Hamburg, JE) Zu Besuch in Polen ist seit Donnerstag kein Geringerer als das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche Kirill I. Am Freitag traf er im Warschauer Königsschloss mit  Erzbischof Józef Michalik, dem Vorsitzenden der polnischen Bischofskonferenz, zusammen. Dabei unterzeichneten sie eine „gemeinsame Botschaft an die Völker Russlands und Polens“. Ihr Treffen und das Dokument gelten als ein Akt der Versöhnung zwischen der polnischen katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche und damit in gewisser Weise auch der Bevölkerungen beider Länder. In Polens Zeitungen wurde der Vergleich zum berühmten Brief der polnischen Bischöfe an die deutsche katholische Kirche im Jahre 1965 gezogen. Er gilt heute allgemein als ein Meilenstein in der Entstehung freundschaftlicher deutsch-polnischer Beziehungen. Ob der Besuch Kirills ähnliche Bedeutung erlangen wird, muss die Geschichte jedoch erst noch zeigen.

In der Gegenwart gab es schon einmal jede Menge Kritik an dem Treffen. Aus dem rechts-konservativen Lager ertönte vielfach Ablehnung der symbolischen Versöhnung, da es die russische Regierung (und Kirill I. ist deren oberster Unterstützer) für das Flugzeugunglück des ehemaligen polnischen Präsidenten Lech Kaczyński bei Smolensk beziehungsweise für eine Verschleierung der wirklichen Ursachen des Absturzes verantwortlich macht. Der freundliche Empfang Kirills durch die polnische katholische Kirche schmecke der PiS überhaupt nicht, schrieb die Gazeta Wyborcza und spekulierte über einen Riss in dem sonst engen Bündnis aus Kirchenfunktionären und PiS-Partei. Ausgerechnet Erzbischof Michalik hatte sich zuvor in einem Interview deutlich von öffentlichen Anschlagstheorien in der Sache Smolensk distanziert. Der Satz „Die, die sich solchen Theorien und Slogans bedienen, fügen sich und der Tragödie von Smolensk den größten Schaden zu“ dürfte das Lager rund um die PiS-eigene Kommission zur Untersuchung des Unfallhergangs von Antoni Macierewicz hart getroffen haben.

Auf ein weiteres pikantes Detail des Besuchs machte die Wochenzeitung Newsweek in ihrer Onlineausgabe aufmerksam: So war es nämlich Kirill I. der zum Prozess gegen die russische Band Pussy Riot ein besonders hartes Urteil forderte und dieses sollten sie bekommen. Pünktlich zur Unterzeichnung der „gemeinsamen Botschaft an die Völker Russlands und Polens“ in Warschau meldeten die Agenturen, dass die drei Protestmusikerinnen nach ihrem Auftritt in der Moskauer Kirche wegen „Hooliganismus motiviert aus religiösem Hass“ (Russisches Gericht) beziehungsweise „satanischem Frevel“ (Kirill I.) zwei Jahre ins Straflager gehen.

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