Skifahren in Polen: Kleiner und günstiger

Snowboarder vor einem Lift auf der Skipiste. Foto: Polen.pl (JW)

Snowboarder vor einem Lift auf der Skipiste. Hier in Österreich.

(Berlin, JW) Und jährlich grüßt ein Murmeltier aus dem polnischen Schnee: Jahr für Jahr erscheint eine Studie, die belegt, dass die Nebenkosten im Skiurlaub in Tschechien und Polen am günstigsten seien. (Fast) Jahr für Jahr stammt sie auch vom ADAC (nachzulesen hier). Klar, dass das Fremdenverkehrsamt so etwas als geschickten Aufhänger für einen Marketingschachzug nutzt. Das würden wir auch so machen. Da heißt es dann: „Polen ist für Wintersportler besonders günstig“ (Quelle: polen.travel). Um Enttäuschungen nun hochmotivierter nach Zakopane düsender Ski-Sparer vorzubeugen, wollen wir das Bild mal ein wenig geraderücken und alle Aspekte betrachten.

Nebenkosten sind nicht alles, aber viel

Zunächst einmal: Die Überschrift beim ADAC ist präzise und spricht von ‚Urlaubsnebenkosten‘. Und um diese geht es auch. So wurden speziell die Nebenkosten für Verpflegung, Getränke und die Kleinigkeiten wie ‚mal ein paar Handschuhe‘ betrachtet. Die Preiserhebung erfolgte in der Nebensaison. Man versuchte, einigermaßen beispielhaft das Urlauberverhalten nachzubilden und konsumierte einzelne Artikel mal in den Bergrestaurants und mal im Ort. Also alles, was so zwischendurch mal anfällt. „Ein Cappuccino hier, ein Glühwein da, mittags ein Eintopf auf der Hütte, (…). Wer in Urlaub fährt, möchte an den kleinen Dingen des Lebens nicht sparen. Genau diese ungeplanten, vermeintlichen Kleinigkeiten können beim Blick auf das Urlaubsbudget allerdings schwer wiegen (…)“ schreiben die ADAC-Tester. Das stimmt, ist aber nicht alles, was einen Urlaub ausmacht. In diesem Nebenkosten-Vergleich schneidet Tschechien am günstigsten ab (hier wurde Spindlermühle unter Beobachtung genommen), dicht gefolgt vom polnischen Zakopane. Dazu muss man wissen, dass Zakopane in Polen schon als teuer gilt; es reicht schon, in die Nachbarorte wie Bukowina Tatrzanska zu gehen, um noch mehr zu sparen. Und tatsächlich: Lebensmittel, Kleinigkeiten, Transport und die Getränke zwischendurch sind hier auch günstig. Auch die Skipässe sind deutlich günstiger. Gerade, wenn man mit mehreren Personen reist, macht sich das schnell bemerkbar – zum Beispiel bei Familien.

Preis und Leistung realistisch bewerten

Irgendwann haben die ersten Zeitungen begonnen, die Preise in den Skigebieten auf die Pistenkilometer umzurechnen. Dazu kennen wir keine Analyse, die auch nur annähernd so fundiert ist, wie die des ADAC. Aber das zeigt, in welche Richtung es geht: Die Zahl der Pistenkilometer ist beispielsweise ein für viele Skifahrer und Boarder wichtiges Entscheidungskriterium, vor allem, wenn diese länger Urlaub machen möchten. Sicher übertreiben viele Skigebiete maßlos bei der Angabe, aber da das irgendwie alle tun, gleicht sich das wohl ungefähr aus. Das wäre beispielsweise ein Aspekt, der zu beachten ist: Zakopane etwa, als ein großes polnisches Skigebiet verfügt über  unter 20 Pistenkilometer. Das ist ein Wert, den in Österreich selbst kleine Skigebiete locker übertreffen. Man nehme zum Vergleich – zufällig ausgewählt – den Katschberg in Kärnten, der bis auf 2.220 Höhenmeter hinaufgeht und damit schon höher gelegen ist, als der höchste Berggipfel in Zakopane. Nun kann man über die Ableitungen zum Zusammenhang von Höhenmetern und Schneesicherheit fachsimpeln, genau wird man es nie wissen: Eine gewisse Vergleichbarkeit der Orte ist aber gegeben. So, nun schauen wir uns die Preise in solch einem kleinen Skigebiet an: Da liegt der Tagesskipass mit 40 Euro am Katschberg noch 14 Euro höher als in Zakopane – bei drei Mal mehr Pistenkilometern und höheren Gipfeln. Das relativiert die reine Kostenargumentation.

Auf nach Polen zum Wintersport!

Bitte nicht falsch verstehen: Wir möchten empfehlen, die Skigebiete in Polen auszuprobieren. Unbedingt! Denn es lohnt sich. Aber nicht wegen des Preises. Wer erwartet, für wenig Geld dort wie ein König auf leeren endlosen Pisten zu wedeln und am Abend kaiserlich behandelt für einen kleinen Obolus im feinsten Gasthaus des Ortes bewirtet zu werden, wird zwangsläufig enttäuscht sein. Wenn auch die Preise niedriger sind, so sind die Pistenkilometer eben auch geringer. Auch die Menge an Menschen pro Piste wird damit nicht weniger. Das soll nicht heißen, dass es hier voller an den Liften ist als anderswo – aber auch keineswegs leerer. Und auch den Aspekt der Anreise sollte man gut überdenken: Wer mit dem Auto anreist, wird wenig Unterschiede bemerken – Bahnfahrer sind aber oft in Skiorten der Schweiz und teilweise auch Österreich besser und schneller angebunden.

Wer in den Genuss des Skifahrens oder Snowboardens in Polen kommen möchte, sollte das aus den Gründen tun, die wirklich einen Unterschied machen: Zum Beispiel die Küche, die in den polnischen Orten einfach anders und entdeckenswert (und zweifellos sehr lecker) ist. Oder die Familienfreundlichkeit. Oder das etwas lockerer, weniger industriell organisierte Skigeschehen. Es gibt viele Gründe, hier Skiurlaub zu machen. Rein aus Kostengründen sollte man es nicht tun – oder sich dabei zumindest klar darüber sein, dass man nicht ‚Österreich in billig‘ sondern ein anderes Skierlebnis mit anderer Struktur, anderer Architektur und anderen Rahmenbedingungen bekommt. Dass man vielleicht auch kleinere Skigebiete mögen muss und mit etwas niedrigeren Bergen auskommen muss. Was alles kein Hinderungsgrund ist. Im Gegenteil: Wir und viele andere Skifahrer und Snowboarder schätzen gerade das.

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  1. Pole
  2. Brigitte Jäger-Dabek

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